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Stand: Saturday, 03. March 2001 - 13:30 Uhr
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Nachrichten-Archiv KW 08/2001:
BSE-Nachrichten der Folgewoche 09/2001 (26.02. - 04.03.2001)
So, den 25.02.2001 19:30, - Reuters (Berlin) -
Wissenschaftler: Erwarte ein Dutzend Creutzfeldt-Jakob-Kranke
Als Folge der BSE-Krise könnte es in Deutschland nach Einschätzung eines Wissenschaftlers in den kommenden zwei Jahren rund ein Dutzend Fälle von Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen bei Menschen geben. Der Heidelberger Molekularbiologe Konrad Beyreuther, der als ehrenamtlicher Staatsrat der baden-württembergischen Landesregierung angehört, sagte der "Stuttgarter Zeitung" vom Montag, die Prognose bereite ihm "ziemliche Bauchschmerzen". "Aber ich denke, das deutsche Problem ist in der Größenordnung von einem Prozent des englischen Problems. Deshalb würde ich sagen, wir werden in den nächsten zwei Jahren rund ein Dutzend Fälle bekommen."

Die Rinderkrankheit BSE gilt als möglicher Auslöser für eine tödlich verlaufende Variante der Creutzfeldt-Jakob- Krankheit beim Menschen. Alle Verdachtsfälle dieser Krankheit müssten genauestens untersucht werden, sagte Beyreuther in dem vorab veröffentlichten Interview. Es sei denkbar, dass das deutsche BSE anders sei als das englische. So könnte es durchaus einen anderen Übertragungsweg geben.

Die EU-Agrarminister beschäftigen sich am Montag in Brüssel mit weiteren Maßnahmen gegen die Rinderseuche BSE und der Stabilisierung des eingebrochenen Rindfleischmarktes. In Deutschland gibt es bislang einen bekannten Fall der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, der allerdings nicht auf BSE, sondern auf eine Erbkrankheit zurückgeführt wird.

So, den 25.02.2001 10:25, - dpa (Paris) -
Jospin bittet Schröder um Unterstützung in BSE-Krise
Frankreichs Premier Lionel Jospin hat Bundeskanzler Gerhard Schröder um Unterstützung bei der Bekämpfung von BSE gebeten. Angesichts der dramatischen Situation für Rindfleischzüchter müsse das EU-Schlachtprogramm zur Preisstützung auch in Deutschland vollständig umgesetzt werden. Das schrieb Jospin in einem Brief an Schröder. Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast hatte sich in einem Interview gegen das Schlachtprogramm der EU ausgesprochen. Die EU-Agrarminister beraten morgen in Brüssel über die BSE-Krise.
Sa, den 24.02.2001 20:45, - AP (Rom) -
Fünfter BSE-Verdachtsfall in Italien
In Italien ist der fünfte BSE-Verdachtsfall aufgetreten. Wie Gesundheitsminister Umberto Veronese am Samstag mitteilte, fielen erste Tests bei einem sieben Jahre alten Tier aus Apulien positiv aus. Es ist das erste Mal, dass bei einem Rind aus Süditalien der Verdacht auf BSE besteht. Die zwei bisher bestätigten Fälle von Rinderwahn in Italien waren bei Tieren aus der Lombardei aufgetreten.
Sa, den 24.02.2001 10:00, - Reuters (Washington/Ottawa) -
Importstopp für Rindsprodukte aus Brasilien beendet
Die USA und Kanada haben am Freitag das aus Furcht vor BSE verhängte Importverbot für Rindsprodukte aus Brasilien unter bestimmten Bedingungen aufgehoben. Das US- Landwirtschaftsministerium teilte mit, nichts deute darauf hin, dass die Rinderseuche BSE in Brasilien aufgetreten sei. Brasilianische Rindsprodukte dürften daher mit sofortiger Wirkung wieder in die USA eingeführt werden. Auch die kanadische Regierung erklärte die Aufhebung des Importstopps, den die beiden Länder und Mexiko am 2. Februar verhängt hatten. Die USA und Kanada knüpften die Wiedereinfuhr an bestimmte Bedingungen. So muss unter anderem der Nachweis erbracht werden, dass die Produkte ausschließlich von in Brasilien geborenen und aufgezogenen Tieren stammen. Diese dürfen nur mit pflanzlicher Nahrung und nicht mit tierischen Eiweißen gefüttert worden sein.

Das Importverbot betraf unter anderem Produkte wie Corned-Beef und Gelatine. Die drei Länder hatten befürchtet, brasilianische Rinder könnten durch importierte Tiere aus Europa mit der Seuche infiziert worden sein. In Europa sind inzwischen in mehreren Ländern BSE-Fälle aufgetreten. Die Erreger der Rinderseuche BSE stehen in Verdacht, beim Menschen eine neue Variante der unheilbaren, tödlich verlaufenden Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) zu verursachen. In Großbritannien, Irland und Frankreich sind inzwischen rund 90 Menschen an vCJD erkrankt oder gestorben.

Nach Verhängung des Einfuhrverbots hatten Experten aus Kanada, den USA und Mexiko das südamerikanische Land bereist, um sich von der Unbedenklichkeit brasilianischen Rindfleischs zu überzeugen. Aus mexikanischen Regierungskreisen verlautete in der Nacht zum Samstag, auch die Regierung in Mexiko-Stadt werde sich der Aufhebung des Importstopps voraussichtlich bald anschließen.

Sa, den 24.02.2001 03:15, - dpa (München) -
Zwei weitere BSE-Fälle in Bayern bestätigt (38. und 39. Fall bundesweit)
Die BSE-Seuche weitet sich immer mehr aus. Am Abend bestätigte sich bei zwei weiteren Tieren der Verdacht auf Rinderwahnsinn. Die Tiere stammten aus Niederbayern und Südbayern. Auch in Niedersachsen hatte sich gestern ein weiterer Verdachtsfall bestätigt. Bundesweit stieg die Zahl auf 39 Fälle. Experten warnen unterdessen vor der Seuchengefahr durch Urlaubsmitbringsel. Dadurch könnten gefährliche Krankheiten wie die Maul- und Klauenseuche eingeschleppt werden, warnt das Bundesministerium für Verbraucherschutz.
Fr, den 23.02.2001 23:45, - Reuters (Stockholm) -
Erster BSE-Verdachtsfall in Schweden
In Schweden ist der erste Verdachtsfall der Rinderseuche BSE aufgetreten. Landwirtschaftsministerin Margareta Winberg sagte am Freitag in Stockholm, bei einer Routineuntersuchung sei eine junge Milchkuh positiv auf BSE getestet worden. Das Testergebnis werde nun von einem britischen Labor überprüft. Ein endgültiges Ergebnis werde vermutlich in zwei Wochen vorliegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kuh tatsächlich an BSE erkrankt ist, wertete Winberg als gering. Dennoch habe sie angeordnet, dass alles Fleisch, das von dem betroffenen Hof stamme, aus den Läden genommen werde, sagte Winberg. Der Bauernhof sei abgeriegelt worden.

Das staatliche Veterinäramt hat Untersuchungen eingeleitet, um herauszufinden, wie die Kuh sich infiziert haben könnte. Schweden galt bislang wie Finnland und Österreich als BSE-frei. Am Montag wollen die Agrarminister der Europäischen Union (EU) über Maßnahmen zur Belebung des wegen BSE eingebrochenen Rindfleischmarktes in der Union beraten.

Fr, den 23.02.2001 22:05, - AP (Hannover) -
Fünfter BSE-Fall in Niedersachsen (37. Fall bundesweit)
In Niedersachsen gibt es den fünften Fall von BSE. Das Landwirtschaftsministerium gab am Abend bekannt, dass bei einer fünfjährigen Milchkuh eine Gegenprobe bei der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen positiv ausgefallen sei. Nach der Verendung des Tieres hatte ein BSE-Schnelltest den Verdacht ergeben. Alle 94 Rinder aus dem betroffenen Hof in der Grafschaft Bentheim müssen nun getötet werden. Die Zahl der BSE-Fälle in Deutschland erhöhte sich damit auf 37, nachdem am Freitagnachmittag bereits in Bayern der 15. Fall von Rinderwahn bestätigt worden war.
Fr, den 23.02.2001 18:30, - n-tv-online -
G. v. Baringdorf regt BSE-Fonds für Deutschland an
Der Vorsitzende des Agrarausschusses im Europäischen Parlament, Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, hat einen neuen Vorschlag in die Debatte um die BSE-Nachfolgekosten eingebracht. Graefe zu Baringdorf regte die Einrichtung eines BSE-Fonds an, in den nicht nur der Staat, sondern auch die Mischfutterindustrie als möglicher Mitverursacher der Rinderseuche Geld einzahlen solle.

Im InfoRadio Berlin-Brandenburg sagte der Grünen-Politiker, das eingezahlte Geld könnte zum Teil sofort den betroffenen Bauern zur Verfügung gestellt werden, aber auch als Reserve aufbewahrt werden, falls in Deutschland Menschen an Creutzfeldt-Jakob erkranken. Er verwies darauf, dass sich eine solche Vorgehensweise in Großbritannien bereits bewährt habe.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) prüft derzeit Schadensersatzklagen und hat dazu eine Interessengemeinschaft BSE-geschädigter Landwirte gegründet. Spezialisten in der Schadensermittlung prüfen zur Zeit in Betrieben mit BSE-Fällen die Tatbestände.
Künast will neue Qualitätssiegel

Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) hat sich im hessischen Marburg für zwei neue Qualitätssiegel im Lebensmittelbereich eingesetzt, die die über 150 bisher existierenden ablösen sollen. Ein Siegel soll für den Ökolandbau stehen. Ein weiteres Qualitätsemblem soll besondere Produkte des konventionellen Landbaus ausweisen, zum Beispiel Fleisch, das ohne den Einsatz von Medikamenten erzeugt wurde.

Fr, den 23.02.2001 16:30, - dpa (München) -
15. BSE-Fall in Bayern (36. Fall bundesweit)
Die Rinderseuche BSE in Bayern weitet sich immer mehr aus. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums bestätigte sich der Verdacht bei einem Tier aus Oberbayern. Der Viehbestand wurde gesperrt. Damit gebe es bereits 15 gesicherte BSE-Fälle im Freistaat. Bundesweit liege die Zahl damit bei 36 Fällen.
Fr, den 23.02.2001 13:05, - dpa (Berlin) -
Eichel erwägt offenbar Haushaltssperre wegen BSE-Krise
Wegen der hohen Kosten der BSE-Krise erwägt Bundesfinanzminister Hans Eichel die Verhängung einer Haushaltssperre im Frühjahr. Das meldet der «Spiegel». Ein weiterer Grund seien die unerwartet mageren Einnahmen bei der Ökosteuer. Schon seit Anfang des Monats drängt demnach Haushaltsstaatssekretär Manfred Overhaus zu einer Budgetsperre. Die Entscheidung hierüber soll laut «Spiegel» im Mai fallen, wenn die amtliche Steuerschätzung vorliegt. Bei einer Haushaltssperre müssen sich Ministerien bestimmte Ausgaben genehmigen lassen.
Do, den 22.02.2001 19:45, - AP (Mainz/Wiesbaden) -
Zwei BSE-Verdachtsfälle in Hessen und Rheinland-Pfalz nicht bestätigt
Die beiden jüngsten BSE-Verdachtsfälle in Hessen und Rheinland-Pfalz haben sich nicht bestätigt. Wie die Landesregierungen in Mainz und Wiesbaden am Donnerstag mitteilten, haben nachfolgende Untersuchungen der Bundesanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen gezeigt, dass die beiden betroffenen Rinder nicht an BSE erkrankt waren. Die betroffenen Landwirte wurden informiert, die Sperrmaßnahmen gegen die beiden Bauernhöfe aufgehoben.

In Hessen hatte es sich um eine 28 Monate alte Kuh von einem Hof im Regierungsbezirk Darmstadt gehandelt, die ohne erkennbaren Grund verendet war. Bei einem Schnelltest war ein schwach positiver Befund aufgetreten. Bei dem in Rheinland-Pfalz aufgefallenen Tier handelte es sich um eine Kuh aus dem Westerwald, die beim Kalben verendet war. Auch hier hatte ein Schnelltest zunächst einen positiven Befund ergeben.

Do, den 22.02.2001 15:30, - AP (München) -
Allianz bietet spezielle Versicherung gegen BSE-Schäden
Sachversicherungsgruppe meldet Steigerung bei Prämien -
2001 Beitrags- und Ergebniszuwachs erwartet

Die Allianz bietet Landwirten inzwischen auch eine spezielle Versicherung gegen BSE-Schäden. Wie die Allianz Versicherungs-AG am Donnerstag in München mitteilte, können damit Ertragsausfälle auf Grund von behördlichen Maßnahmen wie zum Beispiel der Schließung eines Hofes abgedeckt werden. Vorstandschef Reiner Hagemann wies am Donnerstag in München aber auch darauf hin, dass mit einer Ertragsausfallversicherung bei Tierseuchen bereits schon jetzt Schäden durch Rinderwahn getragen würden.

Für die gesamte Allianz Sachversicherungsgruppe zog Hagemann eine weitgehend positive Bilanz. Für das vergangene Jahr rechnet der Vorstandschef mit einem Gesamtergebnis nach Steuern von rund 420 Millionen Euro (etwa 840 Millionen Mark). Dieses wäre eine deutliche Steigerung gegenüber 1999. Vor zwei Jahren hätte die Reform der Unternehmensbesteuerung den Nachsteuergewinn auf 296 Millionen Euro gedrückt. Die Beitragseinnahmen seien im Jahr 2000 um 2,7 Prozent auf fast 9,7 Milliarden Euro gestiegen.

Der Schadensaufwand habe sich im gleichen Zeitraum allerdings um fast fünf Prozent auf 7,2 Milliarden Euro erhöht. Dies sei vor allem noch auf die schweren Sturmschäden vom Ende des Jahres 1999 zurückzuführen. Das Umsatzwachstum um rund 250 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr wurde laut Allianz hauptsächlich durch das Plus bei Kfz-Versicherungen, Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherungen getragen.

Für das laufende Geschäftsjahr erwarte die Allianz Sachversicherungsgruppe erneut einen Zuwachs bei den Beitragseinnahmen. Auch das Gesamtergebnis vor Steuern «sollte über dem des abgelaufenen Jahres liegen» sagte Hagemann.

Von den deutschen Landwirten hätten rund zwei Fünftel eine Allianz-Versicherung. Bei Tierseuchen wie BSE seien jedoch bisher spezielle Versicherer dominierend, hieß es. Die Allianz rechne in diesem Bereich jedoch mit einem deutlichen Plus. Der Schaden durch BSE sei bisher jedoch noch nicht zu beziffern, sagte ein Sprecher.

Do, den 22.02.2001 15:00, - dpa (Limburg) -
Ministerin Künast will keine weiteren Rindfleischaufkäufe
Verbraucherschutzministerin Renate Künast hat erneut betont, sie werde keine weiteren Aufkaufaktionen von Rindern zur Marktregulierung vornehmen. Die jetzige Aktion werde die letzte sein, sagte Künast in Limburg. Die Ministerin bezeichnete die gegenwärtige Situation überfüllter Ställe als Ergebnis «jahrzehntelanger falscher Agrarpolitik». Milliarden von Mark für die Subvention der Landwirtschaft auszugeben und anschließend für die Vernichtung der Tiere zu zahlen, sei unzumutbar.
Do, den 22.02.2001 08:45, - dpa (München) -
BSE-Krise: Breit angelegte Schadensersatzklage gegen Bund und EU
Der Münchner Rechtsanwalt Michael Witti bereitet mit US-Kollegen eine breit angelegte Schadenersatzklage für Betroffene der BSE-Krise vor. Sie richte sich unter anderem gegen die Bundesregierung und die Europäische Union, teilte Witti mit.

Zusammen mit seinen amerikanischen Kollegen will er heute (Donnerstag) in München über die Klage informieren. Bei den Mandanten handele es sich um Bauern, Rinderzüchter oder Konzerne der Lebensmittelindustrie.

Aus Bayern waren gestern (Mittwoch) Abend drei weitere BSE-Fälle gemeldet worden. Damit sind bundesweit jetzt 35 Fälle von Rinderwahnsinn registriert.

Nach anfänglichem Zögern der Bundesregierung ist eine Lieferung von Rindfleisch an Hungernde in Nordkorea inzwischen immer wahrscheinlicher. Die Fleischlieferung in das kommunistische Nordkorea wäre nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Berlin eine Ausnahmeaktion. Ministerin Renate Künast (Grüne) sei grundsätzlich weiterhin gegen Rindfleischlieferungen als Form der humanitären Hilfe, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Künast kann im Widerstand gegen die Pläne der EU-Kommission zur Stabilisierung des Rindfleischmarktes auf Rückendeckung aus dem Kabinett bauen. Laut Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye wurde sie im Kabinett in ihrer Haltung zum Krisenplan des EU-Agrar-Kommissars Franz Fischler bestärkt.

Fischler hatte unter anderem die Ausweitung der umstrittenen Massenschlachtung von Rindern vorgeschlagen. Ferner sprach er sich dafür aus, Prämien für nur noch höchstens 90 Rinder pro Betrieb zu vergeben. Ein solcher Einschnitt würde vor allem die großen Agrarbetriebe in den neuen Bundesländern treffen.

Mi, den 21.02.2001 18:30, - AP (München) -
Drei weitere BSE-Fälle in Bayern bestätigt (33., 34. und 35. Fall bundesweit)
Die Zahl der BSE-Fälle in Bayern ist auf 14 gestiegen. Wie das bayerische Gesundheitsministerium am Mittwoch in München mitteilte, war bei drei Rindern die Gegenprobe bei der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen positiv. Zwei der Rinder stammten aus Oberbayern, eines aus Mittelfranken.

Die sechseinhalbjährige Kuh aus Nordbayern war Anfang Februar getötet worden, nach dem sie durch Zuckungen und Zähneknirschen aufgefallen war. Das Tier gehörte den Angaben zufolge einem Nebenerwerbslandwirt, der weniger als 30 Rinder besitzt. Mit seiner Zustimmung werde seine gesamte Herde getötet, zu der auch ein Kalb der BSE-Kuh gehört.

Die Kühe aus Oberbayern waren sieben und viereinhalb Jahre alt. Beide hatten zentralnervöse Störungen gezeigt und waren daraufhin getötet worden.

Mi, den 21.02.2001 17:45, - Yahoo-online -
Kein BSE-Risiko durch Kosmetikprodukte
Von Kosmetikprodukten mit tierischen Inhaltsstoffen geht nach Angaben von Verbraucherschützern nahezu kein BSE-Risiko aus. Eine Infizierung mit den BSE-Erregern über die gesunde Haut gelte als äußerst unwahrscheinlich, teilt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in Kiel mit. Auch sei die Verwendung von Risikomaterialien wie Hirn und Rückenmark für kosmetische Erzeugnisse in der Europäischen Union verboten. Andere tierische Rohstoffe seien nur erlaubt, wenn sie hohem Druck oder Temperaturen über 200 Grad ausgesetzt werden. Dies gelte auch für Arzneimittel.

Besonders Talgerzeugnisse wie Seife enthielten häufig tierische Inhaltsstoffe, so die Verbraucherzentrale. Auch in Cremes und Lotionen fänden sich tierische Collagene, die jedoch meist nicht mehr aus Rindern, sondern aus Fischen gewonnen würden. Wer gänzlich auf Produkte aus Tieren verzichten wolle, könne jedoch auf ein breites Sortiment von Naturkosmetik auf rein pflanzlicher Basis zurückgreifen.

Mi, den 21.02.2001 16:50, - AP (Berlin) -
Künast gegen Prämien-Obergrenze für Rinder
Ministerin für Reduzierung pro Flächeneinheit
Verbraucherschutzministerin Renate Künast lehnt die von Agrarkommissar Franz Fischler vorgeschlagene Prämien-Obergrenze von 90 Rindern pro Betrieb ab. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye teilte am Mittwoch nach der Kabinettssitzung mit, die Grünen-Politikerin habe dafür die Unterstützung der Regierung.

Wie Heye berichtete, werden von der Sitzung der EU-Agrarminister am Montag und Dienstag noch keine definitiven Entscheidungen erwartet. Künast plädiert nach Angaben ihrer Sprecherin Sigrun Neuwerth für eine Reduzierung der Rinderzahl pro Flächeneinheit. Dies entspreche dem Ziel, auf weniger Menge und mehr Qualität umzusteuern. Mit einer Beschränkung der Förderung auf 90 Tiere pro Betrieb käme es zudem zu Problemen in Ostdeutschland: Dort gebe es weitaus größere Bestände auf allerdings auch viel größeren Flächen, so dass dort gleichwohl eine extensive Landwirtschaft möglich sei.

Laut Neuwerth haben mittlerweile 37 Länder ihre Grenzen für deutsches Rindfleisch geschlossen. Allerdings seien in den letzten Monaten auch weitaus größere Mengen Rindfleisch als üblich an Russland verkauft worden. Nahrungsmittelhilfen als Alternative zur Massentötung und Vernichtung kämen aber außer im Fall Nordkorea nicht in Frage. Eine eventuelle Lieferung an Nordkorea würde kostenlos erfolgen. Dabei würde es sich ausnahmslos um BSE-getestetes Fleisch handeln.

Berechnungen des Magazins «Stern» zufolge würde die Lieferung von 40.000 Tonnen Rindfleisch nach Nordkorea, kalkuliert nach Marktpreisen, rund 105 Millionen Mark kosten. Die Vernichtung von 200.000 Rindern würde mit 80 Millionen Mark 25 Millionen Mark weniger kosten.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im nordrhein-westfälischen Landtag, Jürgen Möllemann, sprach sich für eine Rindfleischlieferung nach Nordkorea aus. Künast solle jede weitere Verzögerung unterlassen und eine schnelle positive Entscheidung treffen. Der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrich Heinrich, nannte es «unbegreiflich, wieso die vermeintliche Tierschützerin Künast nicht schon früher die Vorschläge ernsthaft geprüft hat».

Mi, den 21.02.2001 13:20, - AP (Mainz) -
Berichte über ersten BSE-Verdachtsfall in Rheinland-Pfalz
Mainzer Landesregierung schweigt
In Rheinland-Pfalz gibt es nach Presseberichten den ersten BSE-Verdachtsfall. Wie die Rhein-Zeitung und der Südwestrundfunk am Mittwoch berichteten, wurde eine Kuh aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz vom veterinärmedizinischen Untersuchungsamt des Landes in Koblenz positiv getestet. Das verendete Tier stamme von einem rechtsrheinischen Bauernhof und sei in die Tierkörperbeseitigungsanstalt Sandersmühle (Rhein-Lahn-Kreis) gebracht worden. Der betroffene Bauernhof sei gesperrt worden.

Nach Angaben der Zeitung und des SWR wird das Testmaterial der Kuh derzeit von der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen untersucht. Das Mainzer Umweltministerium wollte den BSE-Verdachtsfall am Mittwoch nicht bestätigen. Umweltministerin Klaudia Martini (SPD) habe sich entschieden, grundsätzlich keine Verdachtsfälle öffentlich zu machen, sagte ihr Sprecher Michael Aue. Die Öffentlichkeit werde erst informiert, wenn ein Verdacht bestätigt sei: «Es geht darum, die Bauern zu schützen.»

Alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher würden getroffen, sagte Aue. Der Sprecher wies den Vorwurf zurück, die Landesregierung wolle etwas vertuschen. Auch das Mainzer Landwirtschaftsministerium bestätigte die Presseberichte nicht. Sprecher Jörg Wagner sagte, er sei nicht informiert. Bislang sind in Rheinland-Pfalz rund 7.000 Schlachtrinder ohne Befund auf BSE getestet worden.

Mi, den 21.02.2001 08:45, - dpa (Berlin/Essen) -
Rindfleischkonsum steigt wieder
Der zeitweise völlig zusammengebrochene Rindfleisch-Markt in Deutschland erholt sich wieder. Führende Handelsorganisationen und Schlachtbetriebe verzeichneten steigende Verkaufszahlen, ergab eine Umfrage der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ) in Essen (Mittwoch).

Nachdem der Verkauf von Rindfleisch um Weihnachten völlig zum Erliegen gekommen war, habe er nun auf rund 35 Prozent des zuvor verzeichneten Niveaus angezogen, betonte die Spar-Gruppe (Hamburg).

Der Verkauf stabilisiere sich, wenngleich auf niedrigerem Niveau als vor Ausbruch der BSE-Krise, bestätigte die Rewe-Zentrale (Köln) dem Blatt. «Es hat sich etwas bewegt», meinte auch der Westfleisch- Verbund (Münster). Einige Abnehmer im Handel hätten bereits wieder die Hälfte und teilweise sogar 60 Prozent des früheren Verkaufsvolumens erreicht. Mit 1,9 Milliarden Mark Umsatz gehört Westfleisch zu den fünf größten Schlachterei-Unternehmen in Deutschland. Deutlich angezogen habe auch der Export von Rindfleisch.

Die Bundesregierung führte am Dienstag mit Nordkorea erste Gespräche über eine mögliche Lieferung von Rindfleisch, das durch die Massenschlachtung von Tieren zur Marktentlastung in Deutschland anfällt. Die Bundesregierung ist bereit, einen Teil des Fleisches der 400000 Rinder an das von Hunger geplagte asiatische Land zu liefern.

Wie Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye am Dienstagabend in Berlin mitteilte, wurde der koreanischen Seite allerdings klar gemacht, dass eine Fleisch-Lieferung an Bedingungen geknüpft wird. Das Fleisch müsse von einer unabhängigen internationale Hilfsorganisation verteilt werden. Zudem müsse kontrolliert werden können, dass die Lieferung auch tatsächlich bei den bedürftigen Menschen ankomme.

Unterdessen setzen immer mehr Bundesländer im Kampf gegen die Rinderseuche BSE und ihre Folgen auf Hilfsprogramme für Landwirte. Hessens Landesregierung beschloss ein 15 Millionen Mark teures BSE- Sofortprogramm. Sachsen bereitet ebenfalls ein Hilfsprogramm vor. Bislang haben aber nur Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen der EU-Kommission in Brüssel dargelegt, wie sie den Landwirten helfen wollen. Die Hilfsprogramme müssen in Brüssel genehmigt werden.

In Bayern meldete das Gesundheitsministerium am Dienstagabend einen weiteren BSE-Verdachtsfall. Bei einem im September 1995 geborenen Rind habe der Schnelltest ein positives Ergebnis erbracht, hieß es in München. Zuvor hatte sich ein anderer BSE-Verdachtsfall in Bayern nicht bestätigt. Die Zahl der bestätigten BSE-Fälle liegt bundesweit bei 32.

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, forderte eine zügige Verringerung der Kälbernachzucht angesichts der BSE-Krise. «Es werden weiter Kälber geboren, und in etwa zwölf Monaten sind die Ställe wieder voll», sagte Apel der «Braunschweiger Zeitung» (Mittwoch). In der Folge müsse die Milchquote verändert und den Bauern für weniger Milch mehr Geld gezahlt werden. Der Blick auf die geplante Massenvernichtung von 400000 Rindern in Deutschland sagte Apel, wenn Tiere getötet werden würden, um sie zu Sondermüll zu machen, «ist das Thema Ethik Humanität und Mitgeschöpflichkeit in unserer Gesellschaft beendet».

Di, den 20.02.2001 20:45, - Reuters (Madrid) -
Spanier entwickeln Test zum Nachweis von Tiermehl im Futter
Spanische Wissenschaftler haben im Zuge der BSE-Krise einen Test entwickelt, mit dem beim lebenden Vieh und im Fleisch die Verfütterung von Tiermehl nachgewiesen werden kann. Dabei würden Gewebeproben auf bestimmte Stickstoff-Isotope hin untersucht, sagte Antonio Delgado, einer der beiden Wissenschaftler, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Test könne ein wichtiger Schritt im Kampf gegen BSE sein und im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Tiermehl steht im Verdacht, die Rinderseuche BSE zu übertragen.

Bei dem Test werden Delgado zufolge Stickstoff-Isotope untersucht. Delgado gehört dem obersten Forschungsrat der spanischen Regierung an. Werde Tiermehl verfüttert, sei der Anteil eines bestimmten Isotops höher als bei rein pflanzlichem Futter. Das wichtigste an dem Test sei, dass Tierärzte leicht am lebenden Tier Gewebeproben wie Haar entnehmen und so das Futter überprüfen könnten. Auch könne das Fleisch in Supermärkten auf diese Weise getestet werden. Das Verfahren sei erstmals von Archäologen angewandt worden, die die Ernährung von Menschen und Tier früherer Jahrhunderte untersuchen wollten, sagte Delgado.

Mit dem neuen Test wird allerdings nicht BSE selbst nachgewiesen. Dies ist nach wie vor nur am toten Tier möglich, indem Rückenmark und Hirn untersucht wird. In Deutschland wurden bisher 31 Fälle der Rinderseuche nachgewiesen.

Di, den 20.02.2001 19:05, - AP (Berlin) -
Gespräche zwischen Bundesregierung und Nordkorea
Bedingungen für Rindfleischlieferungen gestellt
Die Bundesregierung hat Nordkorea Bedingungen für die Lieferung von Rindfleisch aus den geplanten Massenschlachtungen gestellt. Bei einem Treffen mit nordkoreanischen Vertretern forderten Regierungsfachleute am Dienstag in Berlin die ungehinderte Kontrolle der Fleischverteilung und die Organisation des Transports durch eine internationale Hilfsorganisation. Die Nordkoreaner kündigten eine umgehende Prüfung der Auflagen an, wie das Bundespresseamt mitteilte.

Nordkorea hatte zuvor in einem Brief an Verbraucherministerin Renate Künast Interesse bekundet, einen Teil der 400.000 deutschen Rinder, die im Zuge des BSE-Maßnahmenprogrammes der Regierung geschlachtet und vernichtet werden sollen, abzunehmen. Die Bundesregierung betonte, dass auch die Prüfung der Infrastruktur durch ein Expertenteam Voraussetzung für die Fleischlieferung sei.

Die Erfüllung der Bedingungen sei «die Grundlage für eine mögliche Nahrungsmittelhilfe für Nordkorea». In jedem Fall sei auch eine Abstimmung auf nordkoreanischer Seite erforderlich. An dem Gespräch mit Vertretern des nordkoreanischen Büros in Berlin nahmen auf deutscher Seite Fachleute aus den Ministerien für Verbraucherschutz und wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie aus dem Auswärtigen Amt teil.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hatte sich in der vergangenen Woche skeptisch zu einer Fleischlieferung nach Nordkorea geäußert. Es gebe erhebliche Mängel bei der Verteilung von Lebensmittel an die Bevölkerung. Da in Nordkorea ausschließlich die Armee Nahrungsmittel verteile, sei unsicher, ob die Hilfsgüter tatsächlich die hungernden Menschen erreichten. Auch die Deutschen Welthungerhilfe hatte Bedenken angemeldet.

Forderungen nach Fleischlieferung werden immer lauter
Die Forderung nach der Lieferungen waren in den letzten Tagen trotzdem immer lauter geworden. Am Dienstag sprach sich auch der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel für eine Lieferung von Rindfleisch aus dem EU-Ankaufprogramm nach Nordkorea aus. Das Angebot Nordkoreas, Rindfleisch aus Deutschland abzunehmen, sei ein gangbarer Weg, sagte der CDU-Politiker. Die dort weit verbreitete Mangelernährung könnte mit den Fleischlieferungen wirksam bekämpft werden. Im Gegensatz zu anderen Entwicklungsländern würde mit einer solchen Hilfslieferung kein einheimischer Markt gestört, da es in Nordkorea keinen Rindfleischmarkt gebe.

Auch der Vorsitzende der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, Franz Maget, forderte die Bundesregierung auf, BSE-getestetes Rindfleisch nach Nordkorea zu liefern. Voraussetzung müsse aber sein, «dass das Fleisch tatsächlich gerecht an die Hungernden verteilt wird und das Regime dazu den internationalen Hilfsorganisationen freien Zutritt in das Land erlaubt», schrieb Maget in einem Brief an Künast. Wenn außerdem keine regionalen Märkte zerstört würden, wäre eine Lebensmittelhilfe eine gute Sache für alle Beteiligten.

Di, den 20.02.2001 17:00, - dpa (Berlin) -
Länder legen BSE-Hilfsprogramme für Landwirte auf
Im Kampf gegen die Rinderseuche BSE setzen immer mehr Bundesländer auf Hilfsprogramme für Landwirte. Hessen hat heute ein 15 Millionen Mark teures BSE-Sofortprogramm beschlossen. Sachsen bereitet ebenfalls ein entsprechendes Programm vor. Bereits gestern hatte Thüringen ein Hilfsprogramm aufgelegt. Unterdessen kritisierten Bauernvertreter die Vorgabe, bei einem BSE-Fall die ganze Herde zu töten. Spanische Forscher haben derweil ein Verfahren entwickelt, mit dem nachgewiesen werden kann, ob ein Rind mit Tiermehl gefüttert wurde.
Di, den 20.02.2001 16:50, - AP (Rostock) -
Initiative zu BSE-Forschung an Universität Rostock
Eine Forschungsinitiative zur BSE-Problematik ist im Fachbereich Agrarökologie der Universität Rostock angelaufen. Das Institut für umweltgerechte Tierhaltung wird gemeinsam mit dem Institut für Experimentelle Innere Medizin Magdeburg, der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie den Tierforschungsinstituten im mecklenburgischen Dummerstorf und im slowakischen Nitra die eventuelle Entstehung von Prionen im Magen-Darm-Trakt erforschen, wie die Universitätsleitung am Dienstag mitteilte.
Der Wissensstand über BSE sei «erschreckend gering», hieß es. Deshalb hätten sich die Wissenschaftler diesem Problem aus der ganz speziellen Sicht der Ernährung und Haltung der Tiere zugewandt. Zudem mache in Rostock ergänzend zu serologischen Testverfahren ein Forschungsprojekt Fortschritte, mit dem über die Herzfrequenzvariabilität möglicherweise schon im Frühstadium Hinweise auf eine BSE-Erkrankung der Tiere gewonnen werden können.

Di, den 20.02.2001 13:35, - AP (Berlin) -
Anleitung für Tiermehlentsorgung veröffentlicht
Das Bundesumweltministerium hat einen Leitfaden zur umweltgerechten Entsorgung von Tiermehl herausgebracht. Die im Internet veröffentlichte Anleitung richte sich an Betreiber von Entsorgungsanlagen, hieß es am Dienstag aus dem Ministerium in Berlin.
Jährlich fielen seit dem Tiermehl-Verfütterungsverbot vom Dezember vergangenen Jahres rund eine Million Tonnen Tiermehl und -fette an, die vernichtet werden müssten, hieß es weiter. Experten halten nach Auskunft des Ministeriums nur die Verbrennung als Entsorgungsweg für geeignet. Hausmüll- und Sonderabfallverbrennungsanlagen aber auch Steinkohlekraftwerke und Zementwerke kämen deshalb in Frage. Voraussetzung sei jedoch eine entsprechende immissionsschutzrechtliche Genehmigung. Der Leitfaden sei zur Vermeidung von Entsorgungsengpässen erforderlich geworden.

Di, den 20.02.2001 10:50, - Reuters (Seoul) -
Südkorea gegen deutsche Rindfleischlieferungen nach Nordkorea
In Südkorea haben Abgeordnete aller Parteien am Dienstag an die Regierung appelliert, Rindfleischlieferungen aus Deutschland und der Schweiz nach Nordkorea zu verhindern. Es sei unmoralisch, die nordkoreanische Bevölkerung mit Rindfleisch zu versorgen, das sie nicht essen könne, sagte ein Abgeordneter der Oppositionspartei GNP unter Anspielung auf die Rinderseuche BSE. Auch die südkoreanische Bevölkerung sei in Gefahr, da die Kontakte zwischen beiden Ländern zunähmen. Der Landwirtschafts- und der Gesundheitsausschuss des südkoreanischen Parlaments sollten am Dienstag über die Rindfleischlieferungen beraten.

Das Bundesagrarministerium hatte angekündigt, in dieser Woche mit Nordkorea Gespräche über mögliche Hilfslieferungen von Lebensmitteln wie etwa Rindfleisch zu führen. Nordkorea hatte nach Angaben des Agrarmininsteriums die Bereitschaft erkennen lassen, das Fleisch von 200.000 von 400.000 Rindern zu übernehmen, die wegen der BSE-Krise in Deutschland geschlachtet werden sollen.

Auch die Schweiz hatte angekündigt, 800 Tonnen Rindfleisch als Nahrungsmittelhilfe nach Nordkorea zu schicken. Dabei handele es sich um Fleisch, das wegen der Rinderseuche BSE von Schweizer Bauern aufgekauft worden sei.

Abgeordnete der südkoreanischen Regierungspartei MDP teilten die Besorgnis der Opposition. Sie würden alles daran setzen, die Lieferung zu verhindern, sagte ein Abgeordneter. Experten vermuten einen Zusammenhang zwischen BSE und einer tödlich verlaufenden Variante der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit beim Menschen.

Nordkorea ist in der Vergangenheit immer wieder von Hungersnöten heimgesucht worden. Naturkatastrophen und Misswirtschaft in der staatlich gelenkten Landwirtschaft haben dazu geführt, dass Nordkorea seit 1995 von Nahrungsmittelhilfe aus dem Ausland abhängig ist.

Mo, den 19.02.2001 20:30, - AP (Bern) -
Neuer BSE-Fall in der Schweiz
In der Schweiz ist ein neuer BSE-Fall entdeckt worden. Die Krankheit der über 13-jährigen Kuh im bernischen Obersimmental war nach der Krankschlachtung festgestellt worden, wie der Berner Kantonstierarzt Christian Huggler am Montag auf Anfrage sagte. Die Schlachtung war bereits am vergangenen 3. Februar erfolgt. Die Kuh war vom Besitzer zugekauft worden und infizierte sich offenbar zwischen 1996 und 1997 durch kontaminiertes Futter mit BSE. Der kantonale Veterinärdienst bezeichnete den Rindfleisch-Konsum in einer Mitteilung als unbedenklich. Mit dem neuesten Fall wurden im laufenden Jahr in der Schweiz bisher drei BSE-Erkrankungen entdeckt. Seit November 1990 wurden insgesamt 368 Erkrankungen festgestellt; davon 33 im vergangenen Jahr.
Mo, den 19.02.2001 15:30, - dpa (München) -
Zwei weitere BSE-Fälle in Bayern bestätigt (31. und 32. Fall bundesweit)
In Bayern hat sich die Zahl der BSE-Fälle auf elf erhöht. Zwei Verdachtsfälle aus Oberbayern wurden durch die Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen in Tübingen bestätigt. Damit gibt es in Bayern elf BSE-Fälle. Bayerns Landwirtschaftsminister Josef Miller sprach sich unterdessen für die Lieferung von Rindfleisch aus dem europäischen Aufkaufprogramm nach Nordkorea aus. Es sei sinnvoller, Nahrungsmittel zur Linderung von Hungersnöten zu verwenden, anstatt sie zu verbrennen.
Mo, den 19.02.2001 12:35, - AP (Berlin) -
Tierschutzbund stellt Strafanzeige gegen Künast
Gegen geplante Vernichtung von 400.000 Rindern -
Für Fleisch soll Absatzmärkte gesucht werden

Der Deutsche Tierschutzbund hat gegen Verbraucherschutzministerin Renate Künast wegen der geplanten Vernichtung von 400.000 Rindern Strafanzeige gestellt. Tierschutzpräsident Wolfgang Apel erklärte am Montag in Berlin, die Tötung der Rinder aus rein marktwirtschaftlichen Gründen sei «nicht hinnehmbar».

Apel appellierte nochmals an die Bundesregierung, für das BSE-negativ getestete Fleisch Absatzmärkte zu suchen. Die Strafanzeige wurde beim Berliner Landgericht eingereicht. Es widerspreche dem Tierschutzgesetz, gesundes Fleisch wie Sondermüll zu entsorgen. Apel forderte Künast auf, auf die Bundesregierung Einfluss zu nehmen, dass das Rindfleisch in Notgebiete exportiert werden könne. Er warf Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul vor, sich aus «rein ideologischen Gründen» gegen einen Export nach Nord-Korea zu stellen.

Auch er sehe, dass die Ställe überfüllt seien und der Tatbestand der Tierquälerei gegeben sei, betonte Apel weiter. Doch habe die EU bisher noch kein schlüssiges Konzept vorgelegt, wie solche Situationen künftig verhindert werden könnten. Gleichzeitig zollte Apel der Verbraucherschutzministerin für ihr «Durchgreifen in der Landwirtschaftspolitik» Respekt. Dabei habe sie seine volle Unterstützung. Der Tierschutzbund wolle Künast «nicht in Ketten legen», sie aber auffordern das Rindfleisch wieder in die Nahrungskette zu bringen.

Mo, den 19.02.2001 09:00, - dpa (Wiesbaden) -
Rindfleischerzeugung ging 12/2000 um die Hälfte zurück
Die Rindfleischproduktion in Deutschland ist im Dezember 2000 wegen der BSE-Krise um die Hälfte zurückgegangen. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Danach wurden noch 169000 Rinder geschlachtet. Das waren über 50 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Menge des Rindfleischs ging ebenfalls um mehr als die Hälfte auf 55600 Tonnen zurück. Ende November 2000 waren die ersten BSE-Fälle in Deutschland gemeldet worden.
Mo, den 19.02.2001 06:30, - Reuters (Paris) -
Chirac wirft Lebensmittelbehörde Panikmache zu BSE vor
Frankreichs Präsident Jacques Chirac hat einen Vorschlag französischer Wissenschaft zu neuen Maßnahmen gegen die Verbreitung der Rinderseuche BSE als Panikmache verurteilt. Chirac äußerte sich bei der Eröffnung einer Landwirtschafts-Messe am Sonntag zu einem Vorschlag der Behörde für Lebensmittelsicherheit (AFSSA), Organe von Schafen und Ziegen wegen der Gefahr einer BSE-Übertragung für den menschlichen Verzehr zu verbieten. Es gebe "keine Beweise", dass BSE auf diese Tiere übertragen werden könne, sagte Chirac. AFSSA- Präsident Bernard Chevassus zeigte sich verblüfft von Chiracs Aussage. Die Behörde habe das Verbot grade deswegen empfohlen, weil BSE im Labor auf Schafe übertragen worden sei.

"Es wäre besser für diese Leute, wenn sie vor dem Sprechen erst prüfen würden, ob ihre Aussagen mit der Realität übereinstimmen werden", sagte Chirac. "Anderenfalls ist es nur Panikmache, was völlig inakzeptabel ist." Landwirtschaftsminister Jean Glavany sagte, dass die Empfehlung der AFSSA eine extreme Form der Vorbeugung sei. Die Regierung werde sich jedoch mit den Wissenschaftlern treffen. Mit BSE infiziertes Rindfleisch steht im Verdacht, beim Menschen eine Variante der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) auslösen zu können.

Zu der Messe werden mehr als eine Halbe Million Besucher erwartet. Hauptthema ist der Versuch, nach der BSE- Krise dem Verbraucher wieder Vertrauen in die französische Landwirtschaft zu geben. Einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage zufolge sind 59 Prozent der Franzosen der Ansicht, die Qualität ihrer Nahrungsmittel habe in den vergangenen Jahren abgenommen.


BSE-Nachrichten der Vorwoche 07/2001 (12.02. - 18.02.2001)

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