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Stand: Saturday, 17. February 2001 - 13:58 Uhr
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Nachrichten-Archiv KW 05/2001:
BSE-Nachrichten der Folgewoche 06/2001 (05.02. - 10.02.2001)
So, den 04.02.2001 16:30, - Reuters (Berlin) -
Schreyer: EU erwägt auch Kälber-Schlachtprogramm
Neben der umstrittenen Tötung von bis zu zwei Millionen älteren Rindern erwägt die EU-Kommission nach den Worten von Haushaltskommissarin Michaele Schreyer auch ein Kälber-Schlachtprogramm, um den wegen der BSE-Seuche eingebrochenen Rindfleischmarkt zu stabilisieren. Die Grünen-Politikerin sagte der Zeitung "Die Welt" (Montagausgabe), bei nachlassendem Rindfleischverzehr sollten die Tiere möglichst früh geschlachtet werden. Agrarministerin Renate Künast (Grüne) lehnte eine von Grünen-Politikern vorgeschlagene Abgabe auf Fleisch- und Wurstwaren zur Bewältigung der BSE-Kosten ab.

Zurzeit setze die EU-Agrarpolitik die falschen Anreize, was dazu führe, dass Tiere erst dick und fett gefüttert würden, ehe sie geschlachtet würden, sagte Schreyer. Die Anreize müssten angesichts der Marktlage aber umgekehrt werden, um Tiere möglichst früh zu schlachten oder den Nachwuchs zu verringern. Zu ethischen Bedenken gegen ein Kälberschlachtprogramm sagte sie: "Wann ein Tier geschlachtet wird - ein halbes Jahr früher oder später - ist doch keine Frage der Ethik, sondern des Gewichts. Ethisch bedenklich ist es, wenn Tiere vernichtet werden müssen, weil keiner das Fleisch nachfragt."

Ministerin Künast verteidigte erneut den geplanten Aufkauf und die Vernichtung von bis zu 400.000 älteren Rindern in Deutschland. Es gebe keine Alternative dazu. "Auch die Vorschläge, das Rindfleisch in Hungerregionen zu verschicken, sind unsinnig", sagte sie der "Bild am Sonntag". EU-weit sollen bis zu zwei Millionen Tiere getötet werden.

Künast kündigte an, sie werde "Spitzenvertreter von Supermarktketten an einen Tisch holen". Die hohen Preise für ökologisch produzierte Lebensmittel seien vor allem eine Frage der Vermarktung, sagte sie der "Bild am Sonntag". Diese Produkte sollten verstärkt auch in Supermärkten angeboten werden. "Dann werden sie auch preisgünstiger sein."

In Mücheln in Sachsen-Anhalt wurde am Sonntag die Tötung von über 1000 Rindern eines Großbetriebes abgeschlossen, in dem sich bei einem Tier der BSE-Verdacht bestätigt hatte. Das letzte der Tiere sei am Vormittag eingeschläfert worden, teilte das Landratsamt mit. Drei Tiere, die mit dem BSE-infizierten Rind verwandt und auch in dessen unmittelbarer Nähe gelebt hätten, seien zu Forschungszwecken von der Tötung verschont worden.

Der betroffene Betrieb wie auch der stillgelegte Schlachthof, in dem die Tiere getötet wurden, wurden von der Polizei großräumig abgesperrt. Mehrere hundert Bauern hatten bei Beginn der Tötungsaktion am vorigen Wochenende versucht, den Abtransport der Tiere mit Menschenketten und Traktorblockaden zu verhindern. Bei Schnelltests der durch Giftspritzen getöteten Rinder war bereits vorige Woche ein neuer BSE-Verdachtsfall entdeckt worden. Das Ergebnis der Nachuntersuchung durch die Bundesanstalt in Tübingen lag am Wochenende noch nicht vor.

So, den 04.02.2001 15:20, - AP (Zagreb) -
Auch in Kroatien Angst vor BSE
Aus Angst vor der Rinderseuche BSE isst fast ein Drittel der Kroaten kein Rindfleisch mehr. Die Zeitung «Jutarnji list» berichtete am Sonntag, in einer Umfrage hätten 26 Prozent der Befragten erklärt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste BSE-Fall in Kroatien bekannt werde. Mehr als 29 Prozent sagten, sie kauften keine Rindfleischprodukte mehr.
39 Prozent bezweifelten, dass die Regierung und die Wissenschaftsinstitute des Landes die Bevölkerung ausreichend über die Gefahren der Krankheit in Kroatien informiere. Nach Angaben der Europäischen Union ist jedes Land gefährdet, dass seit den 80er Jahren Fleisch und Tiermehl aus Westeuropa importierte. In Kroatien wurden Importe während des Krieges von 1991 bis 1995 kaum kontrolliert; das Land erhielt außerdem Nahrungsmittelhilfen aus der EU.

So, den 04.02.2001 15:10, - AP (Schlüchtern) -
Zweites Kalb in Telefonzelle ausgesetzt
Drei Tage nach der Aussetzung des kleinen Kalbs «Max» in einer Darmstädter Telefonzelle hat offenbar derselbe Landwirt das gleiche in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) wiederholt. Passanten fanden am Samstagmorgen ein nur wenige Tage altes schwarzbuntes Kalb ohne Erkennungsmarke in einer Behindertentelefonzelle, die mit Heu gepolstert war. Wie die örtliche Polizei mitteilte, befand sich bei dem Tier wie in Darmstadt ein computergeschriebenes DIN-A-4-Blatt. Die Tür der Telefonzelle war mit einem Kälberstrick versperrt.
Auf dem Zettel stand: «Mein Name ist Moritz. Mein Besitzer möchte mich vor dem Wahnsinn der Bestandskeulung schützen. Sie, Herr Schröder, und Sie, liebe Verbraucher, entscheiden über mein Leben oder den Verbrennungstod. Bitte bringen Sie mich nicht zu einem Landwirt, sondern ins Tierheim. Vielleicht werde ich vor dem Ofen verschont. Ich bin für BSE-Tests, aber auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen und nicht von politischen Entscheidungen. Sonst könnte es passieren, dass bald die Tierheime überquellen. Mit freundlichen Grüßen Moritz und seine Familie.»

Der Polizei gelang es nicht, einen Bauern zu finden, der das Kalb aufzunehmen bereit war. Deshalb wurde «Moritz» ins Tierheim Gelnhausen gebracht. Die Darmstädter Polizei hat nach eigenen Angaben noch keine Erkenntnisse darüber, wer das Kalb «Max» am vergangenen Mittwoch ausgesetzt hatte.

So, den 04.02.2001 14:15, - AP (Tokio) -
Japan stoppt Einfuhr aller Produkte von BSE-infizierten Rindern
Die japanische Regierung will die Einfuhr aller Produkte von BSE-infizierten Rindern offiziell verbieten, wie die Zeitung «Yomiuri» am Sonntag berichtete. Bislang gibt es ein Importverbot für Rindfleisch, Fleischprodukte und Rindersamen aus Europa sowie einzelne weitere Einschränkungen. Darüber hinaus könne die Regierung die Händler nur bitten, auf den Kauf anderer möglicherweise infizierter Produkte zu verzichten.
So, den 04.02.2001 09:15, - Reuters (Berlin) -
Bundesanstalt: Möglicherweise Engpässe bei Rindertötung
Bei der im Zuge de BSE-Krise geplanten Vernichtung von 400.00 Rindern wird es nach einem Pressebericht möglicherweise zu Engpässen kommen. Der Präsident der Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft, Günter Drexelius, sagte der "Welt am Sonntag", man könne zurzeit nicht abschätzen, wie es mit den Kapazitäten in den Tierkörper-Beseitigungsbetrieben oder Verbrennungsanlagen aussehe. Möglicherweise würden als Reaktion auf die BSE-Krise sogar mehr als die vorgesehenen 400.000 Rinder vernichtet, sagte Drexelius. Falls die Bauern mehr Rinder zur Schlachtung anbieten würden, könnte das Kontingent ausgeweitet werden.

Voraussetzung sei jedoch, dass die Gesamtzahl von zwei Millionen zu vernichtenden Rindern in der EU dann noch nicht überschritten wäre. Zudem müsste die Bundesregierung sich bereit erklären, ihre Mittel für die Entschädigung der Bauern aufzustocken, sagte Drexelius.

Die "Welt am Sonntag" meldete weiter, die Schlachtaktion werde nach Einschätzung von Experten rund fünf Monate dauern. Die Aktion solle nach Auskunft der koordinierenden Frankfurter Bundesanstalt von Ende kommender Woche an mit einer Ausschreibung anlaufen. Auf diese Weise solle ermittelt werden, welche Schlachthöfe groß genug seien, um sich an der Massentötung zu beteiligen. Drexelius sagte hierzu: "Ich gehe davon aus, dass in jedem Bundesland mindestens ein Schlachthof zur Verfügung stehen wird."

Mit der Tötung von 400.000 älteren Rindern in Deutschland soll der wegen der BSE-Krise eingebrochene Rindfleischmarkt entlastet werden. Die Rinderkadaver sollen anschließend zu Tiermehl verarbeitet werden, das in speziellen Anlagen verbrannt wird.

Sa, den 03.02.2001 16:15, - dpa (Kiel) -
Fünfter BSE-Fall in Schleswig-Holstein (27. Fall bundesweit)
Die Zahl der BSE-Fälle in Schleswig-Holstein hat sich auf fünf erhöht. Das Landwirtschaftsministerium in Kiel teilte mit, der Verdacht bei einer Kuh aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde habe sich bestätigt. Die Kuh war knapp fünf Jahre alt. Bundesweit ist die Zahl der bestätigten BSE-Fälle damit auf 27 gestiegen. Verbraucherschutzministerin Renate Künast hat sich unterdessen gegen eine BSE-Sonderabgabe auf Fleisch- und Wurstwaren ausgesprochen. Eine einseitige Belastung der Verbraucher sei mit ihr nicht zu machen, sagte Künast der dpa.
Sa, den 03.02.2001 15:00, - AP (Frabnkfurt/Main) -
BSE-Abgabe auf Fleisch und Wurst kommt nicht
Eichel und Kuhn lehnen Vorschlag von Grünen-Politikern ab - Künast gegen Rindfleischlieferung in Hungergebiete
Die Verbraucher müssen nicht mit einer BSE-Abgabe auf Wurst- und Fleischwaren rechnen. Bundesfinanzminister Hans Eichel und Grünen-Chef Fritz Kuhn lehnten einen entsprechenden Vorschlag von Grünen-Politikern ab. Landwirtschaftsministerin Renate Künast wies Forderungen auch aus der eigenen Partei, Rindfleisch aus der geplanten Tötung von 400.000 Tieren in Hungerregionen zu schicken, als unsinnig zurück. Sie will die Supermarktketten dazu bewegen, verstärkt ökologisch produzierte Lebensmittel anzubieten.

Finanzminister Eichel empfahl in der «Bild am Sonntag» den Verbrauchern, weniger, dafür eine bessere Qualität zu wählen. «Das regelt der Markt. Dazu braucht man keine neue staatliche Abgabe», sagte der SPD-Politiker.

Grünen-Chef Kuhn sagte der «Berliner Morgenpost» (Sonntagausgabe 04.02.2001): «Die Partei wird sich die Forderung nicht zu Eigen machen... Es wäre absurd, wenn jetzt die Verbraucher auch noch eine Strafgebühr zahlen müssten.» Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Michael Müller sagte demselben Blatt. «Wir brauchen Strukturveränderungen und keine neuen Abgaben. Der Sektor bekommt schon genug Geld. Die Bauern sollten nicht so tun, als hätten sie mit der ganzen Entwicklung nichts zu tun.»

Die Grünen-Abgeordnete Ulrike Höfken hatte vorgeschlagen, mit einer BSE-Sonderabgabe Länder und Kommunen zu entlasten und eine ökologische Wende in der Landwirtschaft zu finanzieren. Auch der Grünen-Europaabgeordnete Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf hatte in «Bild» eine solche Abgabe befürwortet.

«Aktion darf sich nicht wiederholen»
Baringdorf plädierte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» dafür, das Fleisch der 400.000 Rinder an arme Länder zu verschenken, sofern damit dort nicht die Fleischmärkte und die Landwirtschaft zerstört würden. «Hier wird hochwertiges Fleisch vernichtet», kritisierte er. Damit gerieten Deutschland und Europa ethisch in eine Schieflage.

Künast, die noch Grünen-Chefin ist, sagte dagegen der «Bild am Sonntag»: «Die Menschen in den Ländern können damit kaum etwas anfangen. Die einzige Folge wäre, dass man dort den lokalen Markt zerstört.» Alle Fachleute hätten erklärt, «es macht keinen Sinn, in Entwicklungsländer Tausende von Dosen mit Rindfleisch zu schicken, nur damit wir uns hier am Sonntag wohlfühlen.»

Die Ministerin betonte: «Aber klar ist auch: Eine solche Aktion darf sich nicht wiederholen. Genau dafür müssen wir jetzt die Voraussetzungen schaffen.» Subventionen und Vorschriften müssten geändert werden, erklärte Künast. «So bin ich zum Beispiel für den Abbau der derzeitigen Rinderprämien, denn mit denen wird zurzeit eine Überproduktion von Rindfleisch subventioniert.»

Der schweizerische UNO-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, kritisierte in der «Welt am Sonntag» die geplante Massentötung. Diese offenbare nicht nur die Absurdität der deutschen und europäischen Agrarpolitik, sondern der Welternährungspolitik überhaupt. Einen Export des Rindfleischs in Länder der Dritten Welt hält er dennoch für abwegig, weil damit die Ursachen für die Not nicht beseitigt würden.

Nach Informationen von «Focus» will die bayerische Landesregierung am Dienstag beschließen, das gesamte auf den Bauernhöfen des Landes gelagerte Tiermehl aufzukaufen und zu verbrennen. Dies würde 30 Millionen Mark kosten.

Sa, den 03.02.2001 09:30, - n-tv-online -
Auch USA verhängen Einfuhrverbot für Rindfleisch aus Brasilien
Die Angst vor der Rinderseuche BSE grassiert weltweit: Nach Kanada haben jetzt auch die USA ein vorübergehendes Importverbot für Rindfleischprodukte aus Brasilien verhängt. Der Einfuhrstopp soll so lange gelten, bis die notwendigen Informationen zur Einschätzung des BSE-Risikos vorliegen. Das teilte das US-Landwirtschaftsministerium mit.

Hintergrund: Es bestehe der Verdacht, dass bestimmte brasilianische Rindfleischprodukte mit Fleisch aus Europa in Kontakt gekommen seien. In Europa wurden im vergangenen Jahrzehnt mehr als 180.000 BSE-Fälle bei Rindern nachgewiesen. Brasilien hatte noch bis 1999 Rinder aus Europa eingeführt.

Auch Mexiko will sich dem Verbot anschließen. Die Brasilianer zeigen sich verständnislos. Das Importverbot sei "wissenschaftlich ungerechtfertigt". Die Ängste seien unbegründet, weil in Brasilien - das Land hat weltweit den größten Rinderbestand - noch kein einziger BSE-Fall entdeckt worden sei. Die USA hegen allerdings Zweifel, ob in Brasilien vertrauenswürdige BSE-Kontrollen durchgeführt werden.

Sa, den 03.02.2001 08:25, - Reuters (Rom) -
Italien verschärft Kontrollen der Futtermittelindustrie
Italien will nach offiziellen Angaben wegen der Rinderseuche BSE seine Kontrollen in der Futtermittelproduktion verstärken. Das Landwirtschaftsministerium teilte am Freitag mit, 100 zusätzliche Kontrolleure sollten dafür sorgen, dass die gesetzlichen Regeln in der Produktion strikt eingehalten würden. In den vergangenen Wochen haben Polizei und tierärztliche Dienste tonnenweise verschmutztes Tierfutter und tausende Rinder ohne Gesundheitsnachweise entdeckt, die womöglich illegal importiert wurden. Landwirtschaftsminister Alfonso Pecoraro Scanio sagte, mit den Kontrollen reagiere die Regierung auf die Forderungen der Bauern nach Garantien für sicheres Futter.

Die Behörden entdeckten nicht angemeldete Schlachthöfe und schlossen inzwischen mehrere fleischverarbeitende Betriebe wegen unhygienischer Zustände. Die Mängel wurden im Rahmen von Kontrollen aufgedeckt, die wegen der Rinderseuche BSE verschärft wurden. Im Januar wurde in Italien die erste und bislang einzige mit BSE infizierte Kuh festgestellt.

Sa, den 03.02.2001 08:15, - dpa (Berlin) -
Grünen-Forderung: Verbraucher sollen wegen BSE-Krise zur Kasse gebeten werden
Die Verbraucher sollen wegen der BSE-Krise zur Kasse gebeten werden. So hat sich die agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Höfken, für eine Sonderabgabe auf Fleisch- und Wurstwaren ausgesprochen. Dadurch sollen Handel, Produzenten und Verbraucher an den Folgekosten der Rinderseuche beteiligt werden, berichtet die «Berliner Zeitung». Der Bundesverband Praktischer Tierärzte hat sich unterdessen gegen die Massentötung von 400 000 Rindern wegen der BSE-Krise ausgesprochen.
Sa, den 03.02.2001 01:50, - AP (Ottawa) -
Kanada misstraut brasilianischen Rinderprodukten
Wegen BSE-Bedenken verbietet Kanada die Einfuhr von Corned Beef und Rindfleischextrakt aus Brasilien. Ein Sprecher der Nahrungsmittelbehörde in Ottawa bezeichnete den Schritt am Freitag als Vorsichtsmaßnahme. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass brasilianische Rinder an BSE erkrankt seien. Brasilien arbeite aber nicht ausreichend mit den kanadischen Behörden zusammen, um zweifelsfrei nachzuweisen, dass die Rinderprodukte nicht infiziert seien.
Kanada importiert jährlich Corned Beef im Wert von neun Millionen kanadischen Dollar (12,5 Millionen Mark/6,4 Millionen Euro) sowie Rinderextrakt im Wert von einer Million Dollar (1,4 Millionen Mark/709.000 Euro) aus Brasilien.
Die Handelsbeziehungen zwischen beiden Staaten sind wegen eines Streits über Exportsubventionen für Flugzeughersteller ohnehin gespannt. Kanada hat die Erlaubnis der Welthandelsorganisation (WTO), Handelssanktionen gegen Brasilien zu verhängen. Dies ist bislang nicht geschehen.

Fr, den 02.02.2001 17:20, - AP (Augsburg) -
Run auf Rindfleisch im schwäbischen Rain am Lech
Mit Rindfleisch zum halben Preis hat ein Metzger im schwäbischen Rain am Lech sein Geschäft wieder auf Hochtouren gebracht. Wie Metzger Ambrosius Stöckle am Freitag erklärte, hatte er wegen der BSE-Krise nicht einmal mehr ein Viertel der früheren Menge verkauft. Darauf habe er eine Aktion gestartet: Rinderbraten für DM 7,90, Rouladen für DM 8,80 und Filet für DM 24,50. «Es war überwältigend!» berichtete Stöckle. Am ersten Tag seien die Kunden schon frühmorgens gekommen. Sein Vakuumkühllager sei inzwischen leer, und statt fünf schlachte er 13 Rinder pro Woche.
Fr, den 02.02.2001 16:00, - dpa (Berlin) -
BSE: Erste Anzeige wegen Tötung von Tieren
Tierschützer sind fest entschlossen, juristisch gegen die im Zuge der BSE-Krise beschlossene Massentötung von rund 400000 älteren Rindern vorzugehen. Der Bundesverband der Tierversuchsgegner (Aachen) zeigte unterdessen den Agrarminister des Landes Sachsen-Anhalt, Konrad Keller (SPD), bei der Staatsanwaltschaft Halle an.

Begründet wurde die Anzeige gegen den Minister mit seiner Anordnung zur Tötung einer Rinderherde mit 1000 Tieren. In der Herde des Müchelner Agrarbetriebs war ein Rind positiv auf BSE getestet worden.

Eine Klage des Deutschen Tierschutzbundes gegen die Massenschlachtung von Rindern werde von Juristen und Staatsrechtlern geprüft, berichtete der Präsident des Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, in einem dpa-Gespräch am Freitag in Bonn. Es sei verfrüht zu sagen, wie die Klage laute und ob sie sich gegen die Bundesregierung oder die Europäische Union richten werde.

«Aber wir wollen klagen, weil wir das nicht hinnehmen wollen und können.» Die geplanten Massentötungen seien für ihn «eine der größten Skandale und Schocks», die er im Tierschutz miterleben müsse, sagte Apel. Es sei nicht nur «ethisch und moralisch verwerflich», sondern vom Tierschutz her «nicht gerechtfertigt», wenn das Fleisch der Tiere einfach vernichtet werden solle.

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) kritisierte die Massenschlachtung, der in der EU 1,5 Millionen Tiere zum Opfer fallen sollen. «Viele Menschen empfinden Trauer, Wut oder das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts der Überlegungen, 400000 Rinder zu töten, nur weil sie sich nicht mehr vermarkten lassen», erklärte der EKD- Umweltbeauftragte, Hans Diefenbacher, in Hannover.

EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler verteidigte die Massenschlachtungen der Rinder. Der Österreicher sagte in einem Interview von n-tv online: «Eins möchte ich aber klarstellen: Wir reden hier nicht über ein blutrünstiges Massenvernichtungsprogramm. Kein Tier wird zusätzlich geschlachtet. Wir reden davon, dass Tiere, die ohnehin geschlachtet werden würden und für die der Bauer keinen Abnehmer findet, aufgekauft und beseitigt werden. Wir bedauern das sehr, aber es gibt keine Alternative.»

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will am kommenden Montag (5. Februar) mit einem bundesweiten Aktionstag auf die schwierige Lage für die Fleischverarbeitung und die Futtermittelindustrie aufmerksam machen. Durch die BSE-Krise seien in diesen Branchen in ganz Deutschland 40000 Arbeitsplätze bedroht.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) betonte in Berlin bei der Vorlage eines neuen Naturschutzgesetzes, angesichts der BSE-Krise und Fleischskandalen sei das Gesetz ein Beitrag zu dem geforderten ökologischen Umsteuern in der Landwirtschaft. Umweltschützer kritisierten den Entwurf als unzureichend für den Neuanfang in der Landwirtschaft.

Bei einer BSE-Fachtagung auf Einladung der CDU-Landtagsfraktion in Düsseldorf haben mehrere Experten deutlich höhere Strafen für Verstöße gegen das Lebensmittelrecht gefordert. Bislang würden falsche Inhaltsangaben auf Etiketten als Kavaliersdelikt behandelt, bemängelte der Agrarexperte der Verbraucherzentrale NRW, Dirk Wendland: «Das zahlen viele Unternehmen aus der Portokasse.»

Auseinandersetzung gibt es in Schleswig-Holstein weiterhin um das zum Symbol des Bauernprotestes aufgestiegene Kälbchen «Jeanne d'Arc». Das Tier aus einer Herde mit einem BSE-Fall wurde von Landwirten versteckt. Regierungschefin Heide Simonis (SPD) sagte anlässlich eines «Runden Tisches» zu den Folgen der BSE-Krise, das Verhalten der Bauern gefährde Rinderexporte aus Schleswig-Holstein etwa nach Nordafrika. Probleme mit dem Export gibt es, weil mit «Jeanne d'Arc» nicht alle Rinder aus einem Bestand mit einem BSE-Fall getötet wurden. Darüber gibt es jedoch entsprechende Vereinbarungen mit einigen Ländern.

Das zweite BSE-verdächtige Tier in Nordrhein-Westfalen aus einem Aachener Mastbullenbetrieb ist aus Polen importiert worden. Der Landwirt habe das Tier mit weiteren Bullen im April 1999 von einem hessischen Viehhändler gekauft, teilten die Behörden mit. In Baden- Württemberg war am Donnerstagabend ein weiterer BSE-Fall und damit der 26. in Deutschland bestätigt worden. Als landesweit viertes Tier war eine Kuh aus dem Landkreis Sigmaringen mit dem Rinderwahnsinn infiziert.

Fr, den 02.02.2001 15:45, - AP (München) -
Kalb von BSE-Kuh entwickelt sich normal
Infektion ungewiss - Forscher erwarten neue Erkenntnisse
Das Kalb einer BSE-kranken Kuh aus dem bayerischen Landkreis Sonthofen entwickelt sich bislang normal. Ob das Tier infiziert ist, ist aber noch unklar, wie Professor Manfred Stangassinger von der Tierärztlichen Fakultät der Uni München am Freitag erklärte. Das Kalb kam vor sieben Tagen per Kaiserschnitt zur Welt. Die Mutter, die bereits BSE-Symptome zeigte, starb kurz danach. Von dem «bundesweit einmaligen Fall» versprächen sich die Tierärzte Erkenntnisse über die Übertragbarkeit von BSE, sagte Stangassinger.

Falls das Kalb infiziert wäre, hätten die Forscher eine «ideale Reihe» von Gewebeproben, erklärte Stangassinger. So ließe sich die Entwicklung der Infektion nachzeichnen, was wichtige Erkenntnisse für neue Diagnosewege liefern könnte. Da sich aber eine bloße Infektion am lebenden Tier noch nicht nachweisen lässt, wächst «Heike» derzeit in einer Isolierstation der Universität auf. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Der Mikrobiologe Oskar-Rüger Kaaden sagte: «Es ist derzeit ein Rätselraten, ob das Kalb infiziert ist.» Die Ärzte beobachteten es genau und setzten auch neue Diagnosemöglichkeiten ein. Stangassinger zufolge wollen die Forscher außerdem weitere ähnliche Fälle untersuchen, um zu gesicherten Erkenntnissen zu kommen. Weitere Aufschlüsse erwarten die Tierärzte von Milch, die sie dem kranken Muttertier entnommen haben. Die Untersuchung der Proben könnte Hinweise darauf ergeben, ob BSE auch über Milch übertragen wird. Das sei aber äußerst unwahrscheinlich, sagte Stangassinger.

Bei der hochträchtigen Kuh hatten die Münchner Forscher auffällige BSE-Symptome festgestellt. Sie reagierte überempfindlich auf Berührung, Lärm und Licht. Auffällig war insbesondere, dass sich das Tier nicht an die Reize gewöhnte, sondern immer wieder zusammenzuckte. Außerdem litt das Tier an Bewegungsstörungen -zuletzt kam es nicht mehr auf die Beine.

Fr, den 02.02.2001 11:05, - AP (München) -
BSE-Verdachtsfall in Niederbayern nicht bestätigt
Der BSE-Verdacht bei einem Rind aus Niederbayern hat sich nicht bestätigt. Wie das bayerische Gesundheits- und Verbraucherschutzministerium am Freitag mitteilte, hat die Krankheit bei einer Untersuchung im deutschen Referenzzentrum für BSE-Diagnostik in Tübingen nicht nachgewiesen werden können. Bei dem am 25. Januar geschlachteten Tier waren zunächst zwei BSE-Schnelltests positiv ausgefallen.
Fr, den 02.02.2001 06:30, - AP (Regina) -
Weitere BSE-ähnliche Fälle unter kanadischen Wapitis (nordamerikanische Großhirsche)
In der kanadischen Provinz Saskatchewan haben Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde auf insgesamt zehn Wapiti-Farmen weitere 21 Fälle von Infektionen mit einer BSE-ähnlichen Krankheit entdeckt. Wie der Rundfunksender CBC am Donnerstag berichtete, müssen deswegen voraussichtlich bis zu 1.000 Tiere getötet werden. Bereits im Dezember waren 1.500 Wapitis getötet worden, weil sie Kontakt zu 14 infizierten Tieren hatten.
Die Bundesregierung in Ottawa zahlte den Züchtern bislang sechs Millionen Dollar (8,4 Millionen Mark/4,3 Millionen Euro) Entschädigung. Die Entdeckung der neuen Fälle könnte weitere vier Millionen Dollar kosten. Die Hirschkrankheit befällt ähnlich wie BSE das Nervensystem und führt zum Tod. Die Krankheit wurde vor zehn Jahren über ein infiziertes Tier aus den USA nach Kanada eingeschleppt. Der Übertragungsweg ist noch unbekannt. Die Regierung von Saskatchewan untersucht nun laut CBC, ob die Krankheit auch auf frei lebende Tiere übergegriffen hat.

Do, den 01.02.2001 20:00, - AP (Dresden) -
Neuer BSE-Verdachtsfall in Sachsen
In Sachsen gibt es einen neuen BSE-Verdachtsfall. Ein Sprecher des Sozialministeriums in Dresden gab am Donnerstag bekannt, dass ein Schnelltest bei einem am 30. Januar geschlachteten Rind positiv ausgefallen sei. Ein endgültiges Ergebnis müsse aber noch die Untersuchung in der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen erbringen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre es der erste BSE-Fall in Sachsen.

Das 1995 geborene Tier stammt nach Angaben des Sprechers aus dem Bestand einer Jungrinderaufzuchtgenossenschaft in Freital. Der gesamte Bestand der Anlage wurde gesperrt. In Sachsen gab es bisher einen BSE-Verdachtsfall, der sich aber nicht bestätigte.

Do, den 01.02.2001 19:50, - AP (Lissabon) -
Klon-Experiment in Portugal fällt BSE-Krise zum Opfer
Der BSE-Krise ist nun auch das erste Klon-Experiment mit Tieren in Portugal zum Opfer gefallen. Nach zweijährigen Forschungsarbeiten musste der Wissenschaftler Mario Sousa aus Porto seine Versuchsreihe, an der auch eine Kuh beteiligt war, am Donnerstag einstellen, wie er der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa sagte. Die Benutzung von Eizellen von Rindern wurde wegen der BSE-Krise untersagt. In Portugal gibt es 503 bestätigte Fälle von Rinderwahn.
Do, den 01.02.2001 19:45, - dpa (Stuttgart) -
Vierter bestätigter BSE-Fall in Baden-Württemberg (26. Fall bundesweit)
In Baden-Württemberg ist ein weiterer BSE-Fall bestätigt worden. Als landesweit viertes Tier wurde bei einer Kuh aus dem Landkreis Sigmaringen Rinderwahnsinn festgestellt. Der gesamte Bestand des Betriebs soll in den kommenden Tagen getötet werden.
Do, den 01.02.2001 18:45, - dpa (Berlin) -
Rindfleisch aus Massenschlachtung wird möglicherweise eingelagert
Ein Teil der 400000 Rinder, die zur Entlastung des Marktes in Deutschland getötet werden sollen, wird möglicherweise nach dem BSE-Test eingelagert. Im Gegenzug könnten dann bis zu 10000 Tonnen gelagertes Fleisch von nicht getesteten, über 30 Monate alten Rindern vernichtet werden. Das entspräche etwa 70000 Tieren.

Derzeit werde geprüft, ob ein solcher Austausch möglich sei, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) am Donnerstag in Bonn. Der Austausch werde aber nur einen «kleinen Teil» ausmachen.

EU-Agrarkommissar Franz Fischler habe ihr bereits beim letzten Agrarrat zugesagt, über eine solche Sonderaktion in Deutschland könne geredet werden. Eine Entscheidung sei aber nicht gefallen, sagte Künast. Zunächst müsse abgewartet werden, wie viele Tiere von den Bauern zu dem Aufkaufprogramm überhaupt angeboten würden. Eine Sprecherin des Bundeslandwirtschaftsministeriums sagte in Berlin, Details der Tauschaktion müssten noch mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und den betroffenen Verbänden besprochen werden.

Nach Angaben des Verbandes der Fleischwirtschaft laufen bereits erste Gespräche. Hauptgeschäftsführerin Heike Harstick sagte, die betroffenen Unternehmen sähen einen solchen Austausch «sehr gerne». Der Verband schätzt, dass in deren Kühlhäusern «deutlich weniger als 10000 Tonnen» ungetestetes Fleisch von älteren Schlachtrindern lagern. Dieses Fleisch lasse sich nur sehr schwierig absetzen. Über die Austauschaktion könnten die betroffenen Zerlegebetriebe und Verarbeitungsunternehmen mit Entschädigung für diese Ware rechnen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, schätzte die Lagerbestände an ungetestetem Fleisch auf rund 50000 Tonnen. Es sei «unsinnig», nun getestetes Fleisch zu vernichten, sagte der NGG-Chef der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Er plädierte dafür, die ungetesteten Lagerbestände durch das Fleisch der zur Tötung anstehenden, getesteten Kühe zu ersetzen.

Angaben von Nordrhein-Westfalens Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne), es gehe bei der Tauschaktion um Fleisch aus Interventionsbeständen, dementierte das Landwirtschaftsministerium in Berlin. Bei den Interventionsbeständen handele es sich um rund 12000 Tonnen Fleisch von jungen Bullen, das nach der EU- Rindermarktordnung wegen dramatisch gesunkener Preise vom Markt genommen worden sei. Getauscht werden könnten aber nur von der Fleischwirtschaft gelagerte Bestände älterer Kühe, die nicht auf BSE getestet wurden.

Der Grünen-Europapolitiker Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf schloss im InfoRadio Berlin-Brandenburg nicht aus, dass bei anhaltend niedrigem Rindfleischpreis und -verbrauch über weitere Interventionen nachgedacht werde. Nach den Worten von Mecklenburg- Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) haben die Preise für Rindfleisch inzwischen ein bislang unerreichtes Niveau erreicht. Bei Schlachtpreisen von 2,60 Mark je Kilogramm für Bullen und 2 Mark für Kühe sei ein Kosten deckendes Wirtschaften nicht mehr möglich.

Die Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern werden am kommenden Mittwoch in Potsdam über die Verteilung der finanziellen Belastungen durch die BSE-Krise beraten.

In mehreren Bundesländern gingen am Donnerstag erneut Hunderte von Bauern auf die Straße, um auf ihre desolate Lage infolge der BSE- Krise aufmerksam zu machen. In Schwerin demonstrierten rund 600 Bauern für klare Regelungen im Umgang mit der Rinderseuche. Im niedersächsischen Westerstede sorgten ebenfalls etwa 600 Bauern mit einem Trecker-Korso für teilweise erhebliche Verkehrsbehinderungen. Auch in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen waren Aktionen geplant.

Do, den 01.02.2001 16:10, - AP (Madrid) -
Massenhaft Verstöße gegen BSE-Vorschriften in Spanien entdeckt
Sieben Personen verhaftet
In Spanien hat die Polizei in den vergangenen Wochen 2.000 Verstöße gegen die Vorschriften zur Bekämpfung der Rinderseuche BSE entdeckt. Wie Polizeichef Santiago Lopez Valdivielso der Zeitung «El Mundo» (Donnerstagausgabe) sagte, wurden in diesem Zusammenhang auch sieben Personen verhaftet. Seit dem 15. Dezember nahm die Polizei den Angaben zufolge 3.000 Kontrollen vor.

Eigentlich hätten die Kontrollen am Mittwoch abgeschlossen sein sollen, sagte Valdivielso. Wegen der hohen Zahl von Verstößen werde die Aktion jetzt aber fortgeführt. Zu Einzelheiten der Beanstandungen wollte sich Valdivielso nicht äußern. Aus Polizeikreisen verlautete jedoch, dass dazu mangelhafte Angaben über den Viehbestand, der Einsatz verbotener Futtermittel und ordnungswidrige Beseitigung toter Rinder gehörten. Erst am Mittwoch waren drei neue BSE-Fälle in Spanien bekannt geworden. Damit stieg die Zahl der erkrankten Tiere nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums auf zwölf.

Do, den 01.02.2001 16:05, - AP (Magdeburg) -
Zweiter BSE-Verdachtsfall in Sachsen-Anhalt
Bei erster Massentötung in Tierzuchtbetrieb
Bei der bundesweit ersten Massentötung von Rindern wegen BSE in einem Tierzuchtbetrieb im sachsen-anhaltinischen Mücheln ist ein zweites Tier positiv auf Rinderwahnsinn getestet worden. Von den rund 1.000 Rindern des Betriebes seien bislang 350 Tiere getötet und auf BSE untersucht worden, teilte am Donnerstag eine Sprecherin des Magdeburger Landwirtschaftsministeriums mit.

Das positiv geteste Rind stamme aus dem gleichen Jahrgang wie die Kuh, wegen der nun die gesamte Herde gekeult werden muss. Der Test müsse allerdings noch vom Tübinger Referenzzentrum bestätigt werden, erklärte das Ministerium.

In der Landwirtschaftlichen Produktions- und Vertriebsgesellschaft Mücheln war am 5. Januar ein Rind notgeschlachtet worden, bei dem sich der BSE-Verdacht nach mehreren Tests bestätigt hatte. Daraufhin hatte am vergangenen Samstag unter dem Protest von mehr als 1.000 Bauern die bundesweit erste Massentötung von Rindern wegen BSE begonnen.

Die Tiere sollten nach und nach in einen nahe gelegenen Schlachthof transportiert und dort per Injektion getötet werden. Die Beseitigung der Tierkörper soll den Angaben zufolge in Genthin bei Magdeburg erfolgen.

An allen getöteten Tieren wird ein BSE-Test vorgenommen, bevor die Kadaver zu Tiermehl verarbeitet werden, das anschließend in Niedersachsen verbrannt wird. Dabei wurde der neue positive Befund von Rinderwahnsinn festgestellt.

Do, den 01.02.2001 15:05, - AP (Aachen) -
Zweiter BSE-Verdachtsfall in Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen gibt es einen zweiten BSE-Verdachtsfall. Das Düsseldorfer Umweltministerium berichtete am Donnerstag, bei einem 23 Monate alten Rind aus einem größeren Mastbullenbestand in Aachen habe ein BSE-Schnelltest zu einem nicht eindeutigen Ergebnis geführt. Zurzeit werde eine Gegenprobe im staatlichen Veterinärungersuchungsamt Krefeld überprüft. Der landwirtschaftliche Betrieb wurde gesperrt. Der Schlachthof werde umfassend gereinigt, sagte die Sprecherin. Futtermittelproben seien veranlasst.
Das Veterinäramt der Stadt Aachen wies gleichzeitig allerdings daruf hin, dass sich bei dem in diesem Fall verwendeten Schnelltest bereits mehrere Verdachtsfälle durch eine genaue Überprüfung als unbegründet erwiesen hätten. Ein endgültiges Ergebnis werde frühestens in einer Woche nach einer Untersuchung in der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen erwartet.

Do, den 01.02.2001 14:45 , - AP (Greifswald) -
Noch keine deutsche BSE-Forschung am lebenden Rind
Bundesforschungsanstalt wartet auf grünes Licht - Keine «Frankensteinschen Wissenschaftler» - Lange Vorlaufzeit
Von AP-Korrespondentin Vera Hella Fröhlich
Im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien oder der Schweiz gibt es in Deutschland keinerlei BSE-Forschung am lebenden Rind. In der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) auf der Insel Riems bei Greifswald sind derzeit lediglich vier Rinder zur Beobachtung. Leiter Thomas Mettenleiter hofft, dass noch 2001 die Versuche beginnen können. Aber zunächst müsse es einen Konsens in der Gesellschaft geben. Wenn nicht, sei er «nicht der Frankensteinsche Wissenschaftler», der trotzdem forscht.

Wenn das entführte Kalb «Jeanne d' Arc» aus Schleswig-Holstein nach Riems gebracht wird, trifft es dort auf «Manfred» (als Sohn einer BSE-positiven importierten Fleckviehkuh seit 1997 auf der Insel), «Rafi» und «Otto» (Zwillingsschwester und Bullenkalb einer BSE-positiven Kuh aus Neumarkt) sowie «Luzie» (Kalb aus Osnabrück, dessen Mutter nach der Geburt notgeschlachtet wurde und BSE-positiv testete). Sie leben in einem normalen Stall im Sperrgebiet der Insel, in den nicht jeder Mitarbeiter Zugang hat.

Mettenleiter hofft auf BSE-Rinder-Versuche noch 2001. Im Laufe des Jahres sollen auch seine Kollegen vom BFAV-Standort Tübingen nach Riems kommen. Auf der Insel sind 200 Millionen Mark an Investitionen unter anderem für Einrichtungen mit der höchsten Sicherheitsstufe vorgesehen. Der Leiter sagte, für die BSE-Versuche brauche er zumindest einen völlig abgedichteten Stall, der einfach zu desinfizieren sei und eine tiergerechte Aufstallung über einen langen Zeitraum möglich mache.

Mit den Versuchen will der Wissenschaftler beispielsweise klären, wie der Erreger des Rinderwahns vom Futter ins Gehirn kommt. Auch müsse erforscht werden, in welchen Teilen des Tieres der BSE-Erreger sicher nicht ist und ob er über das Blut verbreitet wird. «So ein Versuch wird sicherlich vier bis sechs Jahre dauern.»

Mettenleiter erinnerte an die Versuche des Bakteriologen und Begründers der Forschungsstätte Riems, Friedrich Loeffler. Er habe bereits vor 100 Jahren ein Virus beschrieben. Aber trotzdem habe man bis heute das Aids-Virus nicht im Griff.

Bei BSE gebe es «Evidenzen», aber «keinen letzten Beweis», dass der Erreger ein Prion, ein fehlgefaltetes Eiweiß, ist, sagte der Wissenschaftler. Mit der Forschung müsse man deshalb «in eine neue Dimension eintauchen», denn es sei ein «Quantensprung vom Virus zum Prion».

Prognosen über BSE-Zahlen «Kaffeesatzleserei»
«Wir werden sicherlich sehr lange daran forschen», erklärte Mettenleiter. Deshalb brauche er nicht sofort Geld in Millionenhöhe, sondern in zehn Jahren immer noch. Selbst wenn die Gesellschaft 1.000-prozentige Sicherheit für die BSE-Forschung verlange, könne man das auf Riems gewährleisten. Als «Kaffeesatzleserei» bezeichnete der Wissenschaft Prognosen darüber, wie viel BSE-Fälle es in Deutschland geben wird.

Der Leiter des Riemser Instituts für Virusdiagnostik, Horst Schirrmeier, sagte, auch wenn bislang in Deutschland rund zwei Dutzend Rinder BSE-positiv getestet worden seien, hätten sie nicht notwendigerweise an Rinderwahn erkranken müssen. In Großbritannien seien auf 177.000 BSE-kranke Rinder 90 Fälle der neuartigen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, einer Gehirnerweichung beim Menschen, gekommen. Falls ein solcher Fall in Deutschland auftrete, werde man sicher über Rinderwahn noch einmal verschärft diskutieren.

Mettenleiter sagte zum Zusammenhang der beiden Krankheiten: «Den letzten Beweis wird es niemals geben.» Der könnte nur über Menschenversuche erbracht werden. Der Erreger beim Menschen lasse sich aber vom BSE-Auslöser beim Rind nicht unterscheiden. Trotzdem warnten beide Wissenschaftler vor Panikmache. Mettenleiter sagte: «Ich esse genau das gleiche, was ich vor zehn Jahren auch gegessen habe» - und zu seinem Speiseplan gehöre auch Rindfleisch.

Do, den 01.02.2001 13:30, - AP (Greifswald) -
Stichwort: Ostseeinsel Riems und die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV)
Die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) hat ihren Hauptsitz auf der Insel Riems im Greifswalder Bodden in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wird künftig die deutsche Forschung über Rinderwahn konzentriert. Derzeit ist das nationale BSE-Referenzlabor noch am BFAV-Standort Tübingen in Baden-Württemberg angesiedelt.
Die Bundesforschungsanstalt ist eine selbstständige Bundesoberbehörde und gehört zum Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Sie betreibt Forschung auf dem Gebiet infektionsbedingter Krankheiten von Haustieren. Zu ihren Aufgaben gehören die Diagnose von neuen Tierseuchen, die Entwicklung von Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Tierbestände, Studien zum Krankheitsverlauf sowie Entwicklung von Impfstoffen.

Die BFAV auf der Insel Riems sitzt in den historischen Friedrich-Loeffler-Instituten, der ältesten virologischen Forschungsstätte der Welt mit einer mehr als 85-jährigen Geschichte. Friedrich Loeffler (1852 bis 1915) war Ordinarius für Hygiene an der Universität Greifswald. Er beschrieb den Erreger der Maul- und Klauenseuche (MKS) und gilt als einer der Begründer der Virologie. Da es im Laufe seiner Arbeit im Greifswalder Umland immer wieder zu MKS-Seuchenzügen kam, suchte er sich die Greifswald in der Ostsee vorgelagerte Insel Riems als Standort.

Riems ist seit 1997 Hauptsitz der Bundesantalt. Bis 2005 soll die BFAV mit ihren derzeitigen Standorten Tübingen und Wusterhausen (bei Berlin) auf der Insel zusammengeführt werden. Früher war Riems nur mit einer Seilbahn zum Materialtransport mit dem Festland verbunden und sonst nur mit dem Schiff zu erreichen. Seit Anfang der 70-er Jahre gibt es einen Damm.

Riems ist in seiner West-Ost-Ausrichtung 1.250 Meter breit und von Norden nach Süden 300 Meter lang. Von einem Wohnbezirk abgetrennt ist der eigentliche Forschungsbereich mit Laboratorien und Stallungen, der als Sperrbezirk mit einem Sicherheitszaun umgeben ist. Die gesamte deutsche Tiervirusforschung soll auf die Insel, auf der Investitionen von 200 Millionen Mark geplant sind. Derzeit arbeiten 35 wissenschaftliche Angestellte auf der Insel, 14 in Tübingen und 15 in Wusterhausen.

Do, den 01.02.2001 12:05, - AP (Greifswald) -
BSE-Forscher warnen vor Panikmache wegen Rinderwahns
Mettenleiter: «Rindfleisch noch nie so sicher wie jetzt» - Rauchen riskanter - «Radarfallenproblem»
Zwei renommierte deutsche BSE-Forscher haben vor Panikmache wegen Rinderwahns gewarnt. Der Leiter der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, Thomas Mettenleiter, verwies auf die BSE-Tests und sagte: «Rindfleisch war sicherlich noch nie so sicher wie jetzt.» Das bedeute weder, dass es heute 100 Prozent sicher sei, noch, dass es vorher unsicher war.

Die Bundesforschungsanstalt auf der Insel Riems im Greifswalder Bodden wird künftig das nationale Referenzlabor für BSE sein, das derzeit noch in Tübingen ist. Mettenleiter sprach von einem «Radarfallenproblem» des Verbrauchers: «Wer die letzten zehn Jahre Rindfleisch gegessen hat, braucht jetzt nicht aufzuhören.» Wenn jemand in einer Radarfalle geblitzt worden sei, sei der Schaden auch schon eingetreten. Nach Einschätzung des Molekularbiologen ist es für die menschliche Gesundheit erheblich riskanter zu rauchen, als den Rest des Lebens ausschließlich Rindfleisch zu essen.

Der Leiter des Instituts für Virusdiagnostik, Horst Schirrmeier, meinte, der Verbraucher brauche vor BSE «nicht mehr Angst haben, als von der Treppe zu fallen und sich das Genick zu brechen». Zwar sei auch in deutschen Rinder das Prionenprotein nachgewiesen worden. Aber keiner wisse, ob von den BSE-positiv getesteten Rindern jemals ein Tier an Rinderwahn erkrankt wäre.

Mettenleiter, der am Mittwoch die wegen der Erforschung von Tierseuchen normalerweise gesperrte Insel ausnahmsweise für internationale Journalisten öffnete, sagte auf die Frage, ob Milchprodukte für die Verbraucher sicher seien, der Erreger des Rinderwahns sei bisher weder in Milch noch in Muskelfleisch gefunden worden. Als Wissenschaftler könne er aber nur sagen: «Theoretisch ist immer alles möglich.»

Zu den umstrittenen Schnelltests erklärte Mettenleiter: «Die Tests sind nicht schlecht.» Sie könnten natürlich verbessert werden, aber man könne sich mit Einschränkungen auf sie verlassen. Auch Schirrmeier erklärte, die Tests seien im Prinzip ausgereift. Wer mangelnde Empfindlichkeit beklage, müsse sich auch bewusst sein, dass zu empfindliche Tests mehr positive Anzeigen zu Folge hätten und mehr Bestände gekeult werden müssten.

Der Leiter der Forschungsanstalt erklärte, die jetzt beschlossene Tötung von 400.000 Rindern habe mit Wissenschaft nichts zu tun, sondern sei eine Maßnahme zur Marktentlastung. Die neue Verbraucherschutzministerin Renate Künast habe sich bisher noch nicht zu einem Besuch in Riems angemeldet, sagte Metterleiter, und fügte hinzu: «Ich hoffe, sie tut das bald.» Zu seiner Position im BSE-Streit sagte der Forscher: «Es ist nicht schwer, Wissenschaftler zu sein, wenn man nur als Wissenschaftler gefragt wird.» Ein Problem habe er allerdings, wenn Handlungsanleitungen gefordert würden.

Do, den 01.02.2001 11:45, - AP (Brüssel) -
Entfernung der Wirbelsäule birgt Probleme
Byrne verweist auf Schwierigkeiten im Schlachthof - Ausnahmeregelungen für neue BSE-Maßnahmen angedeutet
Bei Umsetzung der Beschlüsse im Agrarrat zum Schutz vor BSE gibt es nach den Worten von EU-Verbraucherkommissar David Byrne noch einige Schwierigkeiten. So sei zu klären, an welchem Ort die Wirbelsäule von Rindern entfernt werden solle, sagte Byrne am Donnerstag vor dem Europäischen Parlament in Brüssel. Zugleich stellte der Kommissar in Frage, ob die Entfernung des Rückgrats auch in den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden solle, die bislang als BSE-frei gälten.

Im Schlachthaus sei die Entfernung der Wirbelsäule von Rindern am besten zu kontrollieren, sagte Byrne. Dementgegen stünden aber technische Fragen im Schlachtprozess. Mehrere Mitgliedstaaten haben bereits darauf hingewiesen, dass die Entfernung des Rückgrats im Schlachthof erhebliche Umstrukturierungen erforderlich machen würde. Byrne sagte, die Wirbelsäule könne auch vom Metzger oder im Einzelhandel entfernt werden. Aber auch dort gebe es technische Fragen, die noch zu klären seien.

Zugleich gab der Kommissar zu bedenken, ob auch als BSE-frei geltende Mitgliedsstaaten wie Schweden und Österreich das Verbot umsetzen müssten und verwies auf populäre Speisen wie T-Bone-Steak und Bistecca alla Fiorentina. Sie müssten mit dem Verbot der Wirbelsäule von Ladentheken und Speiskarten verschwinden. Byrne kündigte an, die Kommission werde schon in den nächsten Tagen dem ständigen Veterinärausschuss Vorschläge unterbreiten, wie die Beschlüsse des Agrarrats vom Dienstag umgesetzt werden könnten.

Neben der Wirbelsäule soll auch Separatorenfleisch von Wiederkäuern als Risikomaterial deklariert werden. Fette von Wiederkäuern sollen künftig nur noch verfüttert werden, wenn sie mit einem speziellen Hochdruckverfahren bearbeitet worden sind. Zudem will die Kommission vorschlagen, dass die Mitgliedsstaaten künftig ein Mal im Monat Bericht über die Entwicklung der BSE-Krise erstatten. Wegen der besonders hohen Zahl an BSE-Fällen müssen Großbritannien und auch Portugal bereits monatliche Berichte vorlegen.

Scharfe Kritik an den von Byrne angedeuteten möglichen Ausnahmen bei der Entfernung der Wirbelsäule übte die Abgeordnete Dagmar Roth-Behrendt von der Sozialdemokratischen Partei Europas. Es dürfe keine Schlüpflöcher geben. Solange die Schnelltests nicht flächendeckend angewendet würden, könne bei keinem Land gesagt werden, dass es BSE-frei sei, sagte Roth-Behrendt. Deshalb müssten die Beschlüsse des Agrarrats ausnahmslos umgesetzt werden.

Do, den 01.01.2001 09:10, - Reuters (Berlin) -
Höhn rechnet mit Klagen gegen Massenschlachtung
Die nordrhein-westfälische Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) hat Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Schlachtung von bis zu 400.000 Rindern angemeldet und rechnet mit Klagen gegen die Massenschlachtung. Der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Donnerstagausgabe) sagte die Ministerin, ein Gericht werde entscheiden müssen, ob die zur Marktbereinigung beschlossene Schlachtungsaktion mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sei. Das Tierschutzrecht sage eindeutig, dass Tier nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden dürften. Sie habe Zweifel, ob es für die Massenschlachtung vernünftige Gründe gebe.

Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) hatte nach dem Kabinettsbeschluss über die Schlachtungsaktion erklärt, es habe für die Bundesregierung keine Alternative dazu gegeben, sich an dem von der Europäischen Union (EU) initiierten Schlachtprogramm zu beteiligen. Bis zuletzt hatte die Ministerin ethische Bedenken gegen die Tötung der Tiere und Vernichtung des Fleisches geltend gemacht. Insgesamt sollen EU-weit bis zu zwei Millionen Rinder im Alter von über 30 Monaten getötet werden, um den wegen der BSE-Krise zusammengebrochenen Rindfleischmarkt zu stützen. Künast sagte, in Deutschland seien maximal 400.000 Tiere betroffen. Sie erwarte aber, dass nicht so viele Tiere geschlachtet würden.

Höhn sagte, es sei ein Erfolg Künasts, dass etwa die Hälfte der getöteten Rinder dazu genutzt werde, die Interventionsbestände der EU mit BSE-getestetem Rindfleisch aufzufrischen. Zugleich plädierte Höhn dafür, die Rinderbestände in der EU auf Dauer zu vermindern. Es sei nicht abzusehen, dass sich die Märkte rasch wieder erholen und die Nachfrage das alte Niveau wie vor der BSE-Krise erreichen würde. Daher müssten jetzt die Milchquoten und Bullenprämien neu abgestimmt worden, da es sonst in einem Jahr die gleichen unverkäuflichen Überschüsse geben würde wie derzeit.

Mi, den 31.01.2001 18:50, - AP (Warschau) -
Polen nimmt zehntausende Tonnen Rindfleisch vom Markt
Produkte aus Staaten mit bestätigten BSE-Fällen
Aus Sorge vor BSE nehmen die polnischen Behörden zehntausende Tonnen Rindfleischprodukte vom Markt. Nach Angaben des staatlichen Gesundheitsbeauftragten Pawel Policzkiewicz sollen aus den Regalen sämtliche Produkte mit Rinderanteil verschwinden, die aus Staaten mit bestätigten BSE-Fällen importiert wurden. Es handele sich dabei um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Polen sei nach wie vor ein Land mit niedrigem BSE-Risiko, betonte Policzkiewicz am Mittwoch in Warschau.

Nach Angaben der Behörden wurden seit Ende November rund 37.000 Tonnen Fleisch- und Fleischnebenprodukte aus dem Handel genommen, darunter 12.000 Tonnen gelatinehaltige Süßwaren und Joghurt. Die Nahrungsmittel würden entweder an die Hersteller zurückgegeben oder vernichtet, sagte Policzkiewicz. In Polen wurden bislang noch keine Fälle von Rinderwahnsinn bekannt. Policzkiewicz führte dies auf ein seit Jahren geltendes Tiermehlverbot zurück.

Mi, den 31.01.2001 17:45, - AP (Rom) -
BSE-Krise erreicht den Esstisch des Papstes
Die BSE-Krise wirkt sich jetzt auch auf den Speiseplan des Papstes aus. Wie der Metzger von Johannes Paul II. am Mittwoch mitteilte, kommt bei dem Kirchenoberhaupt in dieser Woche erstmals kein Rindfleisch auf den Esstisch. «Letzte Woche stand Rindfleisch noch auf der Einkaufsliste und in dieser Woche nicht mehr», sagte Giulio Lucarelli der Nachrichtenagentur AP.
Für den Essensplan des Papstes ist eine Gruppe polnischer Nonnen verantwortlich, die auch die Zutaten einkaufen und die Mahlzeiten kochen. Lucarelli ist Inhaber einer Metzgerei in Rom, die seit September vergangenen Jahres offizieller Fleischlieferant des Vatikan-Supermarktes ist. Dort dürfen nur Beschäftigte des Heiligen Stuhls einkaufen. Der Papst galt bislang als Fleischliebhaber.

Mi, den 31.01.2001 16:00, - AP (Nordhastedt/Kiel) -
Dithmarscher Bauern entführten Kalb aus BSE-Herde
Export von Rindern aus Schleswig-Holstein gefährdet
Ein von Bauern entführtes Kalb namens «Jeanne d'Arc» aus Nordhasted bei Dithmarschen gefährdet den Export von Rindern aus Schleswig-Holstein: Am Mittwoch weigerten sich die Bauern, das Tier, das zu einer Herde mit BSE-Fall gehört, herauszugeben. Das Kalb war am Dienstag vor dem Abtransport zur Keulung entführt worden.

Die Bauern gefährden damit nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums Rindfleischexporte in Drittländer. Diese höben ihre Exportsperre nur dann auf, wenn der gesamte Bestand eines von BSE betroffenen Betriebes gekeult werde.

Gemäß einer Vereinbarung vom Mittwochmorgen zwischen dem Ministerium und der Familie, die «Jeanne d'Arc» aufgenommen hatte, sollte das Kalb der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Riems (Mecklenburg-Vorpommern) zur Beobachtung übergeben werden. Das Ministerium bezeichnete diese Einigung als «für alle akzeptabel». Entgegen der Vereinbarung sei das Kalb jedoch anschließend von Nachbarn versteckt worden.

Mi, den 31.01.2001 16:05, - AP (Brüssel) -
EU droht wegen BSE Haushaltskrise
50 Prozent mehr Geld für Rindfleischsektor im Jahr 2001 - Kommission beschließt Nachtragsbudget
Die Rinderseuche BSE bringt die Europäische Union an den Rand einer Haushaltskrise. Für das laufende Jahr stellte die EU-Kommission für den Rindfleischsektor mit insgesamt sieben Milliarden Euro (fast 14 Milliarden Mark) 50 Prozent mehr Geld zur Verfügung als im Vorjahr, wie EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer in Brüssel mitteilte. Darin enthalten ist ein Nachtragshaushalt von 971 Millionen Euro, den die EU-Kommission zusätzlich zur Bewältigung der BSE-Krise am Mittwoch beschloss.

Schreyer betonte, das Limit sei damit erreicht. Von den zusätzlich bewilligten 971 Millionen Euro sollen 700 Millionen in das Vernichtungsprogramm für Rindfleisch investiert werden. Betroffen davon sind EU-weit rund 1,7 Millionen Tiere, 400.000 davon in Deutschland. Weiter 238 Millionen Euro sind für die klassische Intervention vorgesehen, bei der Rindfleisch aus dem Markt herausgekauft und eingelagert wird. Da in Brüssel davon ausgegangen wird, dass dieses Fleisch später nicht mehr verkauft werden kann und ebenfalls vernichtet werden muss, ist die Intervention allerdings weitaus teurer als die sofortige Vernichtung.

Die verbliebenen 33 Millionen Euro sollen für die seit dem 1. Januar EU-weit vorgeschriebenen BSE-Schnelltests für Rinder, die älter als 30 Monate sind, als Kofinanzierung bereitgestellt werden. Der Nachtragshaushalt wird den EU-Finanzministern bei ihrer nächsten Sitzung am 12. Februar vorgelegt. Schreyer sagte, sie gehe davon aus, dass die Minister das Budget billigten. Danach muss das Europäische Parlament noch zustimmen.

Schreyer betonte, die zusätzlichen Mittel könnten allein aus dem Haushaltsüberschuss aus dem vergangenen Jahr finanziert werden. Insgesamt stehen dafür 1,23 Milliarden Euro zur Verfügung, wie dies in der Agenda 2000 beschlossen wurde. Da aber rund 260 Millionen Euro für Währungsschwankungen im Etat bleiben müssen, sind die Mittel damit ausgeschöpft. Bei der Berechnung der 971 Millionen Euro war die Kommission allerdings davon ausgegangen, dass der Verbrauch von Rindfleisch in diesem Jahr insgesamt um zehn Prozent zurückgehen würde.

EU-Agrarkommissar Franz Fischler hat indes bereits Szenarien entworfen, falls der Rückgang des Verbrauchs mehr als zehn Prozent betragen würde, und dafür weit höhere Ausgaben als bislang erwartet prognostiziert. Dann gibt es nur noch die Möglichkeit, aus anderen Sektoren des Agrarhaushalts umzuschichten, oder Rückflüsse an die Mitgliedstaaten zurückzuhalten. Schreyer betonte, angesichts der BSE-Krise seien Umstrukturierungen dringend geboten. So müsse das Angebot an Rindern EU-weit reduziert werden. Fischler will dazu in den nächsten Wochen Vorschläge vorlegen.

Mi, den 31.01.2001 15:45, - AP (Saarbrücken) -
BSE-Tests im Saarland bei Rindern ab 20 Monaten
Im Saarland werden ab sofort alle geschlachteten Rinder schon ab einem Alter von 20 Monaten auf BSE getestet. Dazu hat sich das Fleischerhandwerk in einer gemeinsamen Erklärung mit der Fleischindustrie, der Landesregierung und der Verbraucherzentrale verpflichtet. In einem «Bündnis für Verbraucherschutz», dessen Text am Mittwoch vom saarländischen Gesundheitsministerium veröffentlicht wurde, sind außerdem zusätzliche Kontrollen vorgesehen. So erhält die Verbraucherzentrale das Recht, jederzeit und unangemeldet die Betriebsstätten zu besuchen. Weiter sollen die Fleischprodukte über die amtlichen Kontrollen hinaus regelmäßig von unabhängigen amtlichen Sachverständigen analysiert werden. Die Probenverteilung soll nach dem Zufallsprinzip erfolgen und die Ergebnisse der Verbraucherzentrale übermittelt werden.
Mi, den 31.01.2001 13:25, - AP (Berlin) -
Deutschland beteiligt sich an der Aufkaufaktion von Rindern
Schätzgröße: rund 400.000 Rinder - Tiere sollen auf BSE getestet werden
Deutschland wird sich an der EU-weiten Aufkaufaktion von Rindern zur Markentlastung für die in die Krise geratene Landwirtschaft beteiligen. Das bestätigte am Mittwoch in Berlin eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Als Schätzgröße wurde eine Zahl von rund 400.000 Rinder genannt. Die Maßnahme war nötig geworden, nachdem durch die BSE-Krise die Schlachtzahlen von Rindern dramatisch zurückgegangen sind.

Die für die Schlachtung vorgesehenen Rinder sollten älter als 30 Monate sein und würden auf BSE getestet, hieß es weiter. Nach Ministeriumsangaben ist die Aufkaufaktion ein Angebot an die Landwirtschaft. Sie soll «schnellst möglich» beginnen. Der Preis für ein Stück Vieh und das Ablaufschema der Maßnahme müsse jedoch noch festgelegt werden, hieß es weiter.

Die Aufkaufaktion war am Mittwoch Thema im Bundeskabinett. Danach hatte Verbraucherschutzministerin Renate Künast der EU-Aufkaufaktion zugestimmt. Tierschutzverbände hatten bereits erhebliche ethische Bedenken gegen die Tötung der Rinder angemeldet und die Aktion als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gewertet.

Bei einer Schlachtzahl von 400.000 Tieren kämen auf den Bund Kosten in Höhe von 362 Millionen Mark zu. Derzeit würden in Deutschland jährlich rund vier Millionen Rinder geschlachtet, sagte die Sprecherin. Deshalb handle es sich bei der Aktion um «keine Massenschlachtung».

Mi, den 31.01.2001 10:10, - AP (Stuttgart) -
Erneut BSE-Verdachtsfall in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg ist erneut bei einer Kuh ein BSE-Verdachtsfall festgestellt worden. Wie das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte, wurde das Tier 1995 geboren. Es stammt aus Baden-Württemberg und wurde am 29. Januar geschlachtet. Es stand bei einem Bauern im Landkreis Sigmaringen im Stall. Der betroffene Hof wurde gesperrt. Ein endgültige Bestätigung des Verdachtsfalls müsse durch die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen erfolgen.
Mi, den 31.01.2001 10:05, - dpa (Potsdam) -
Erster BSE-Fall in Brandenburg (25. Fall bundesweit)
Brandenburg hat seinen ersten BSE-Fall. Das teilte das Potsdamer Landwirtschaftsministerium mit. Auch der zweite Test im zentralen Referenzlabor in Tübingen sei positiv ausgefallen, hieß es. Damit gibt es bundesweit 25 bestätigte BSE-Fälle. Verbraucherschutzministerin Renate Künast wird voraussichtlich heute die Entscheidung über eine Tötung 400000 älterer Rinder treffen. Damit soll der infolge der BSE-Krise schwer angeschlagene deutsche Rindfleischmarkt entlastet werden.
Mi, den 31.01.2001 09:15, - AP (Seoul) -
Creutzfeldt-Jakob-Verdacht in Südkorea
Die südkoreanischen Gesundheitsbehörden haben am Mittwoch einen ersten Verdachtsfall auf die neue Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gemeldet. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre es möglicherweise die erste bekannte Erkrankung außerhalb Europas. Es wird vermutet, dass die neue Variante der Krankheit durch den Verzehr von BSE-infizierten Rindfleischprodukten ausgelöst wird. Südkorea hat seit 1997 immer weitergreifende Importverbote für Rindfleisch aus Europa verhängt.
Mi, den 31.01.2001 08:15, - AP (Washington) -
US-Futterhersteller kauft mit Tiermehl gefütterte Herde
Ein amerikanischer Futterhersteller hat eine texanische Rinderherde aufgekauft, die versehentlich mit Tiermehl kontaminiertes Futter aus seiner Produktion gefressen hatte. Die US-Gesundheitsbehörde (FDA) lobte am Dienstag in Washington das Verhalten der Firma Purina Mills, die damit beweise, dass das System zum Schutz der amerikanischen Verbraucher vor möglicherweise BSE-verseuchtem Fleisch funktioniere. Purina hatte seinen Fehler bei der Futterherstellung selbst bei der FDA angezeigt, die darauf die 1.222 Rinder bis zur Klärung des Gefährdungsgrades unter Quarantäne stellte. Nach dem Aufkauf der Herde werden diese Tiere nicht mehr in die menschliche Nahrungskette gelangen.
Nach Einschätzung der FDA nahm jedes rund 270 Kilogramm schwere Rind mit dem Futter knapp 30 Gramm Tiermehl zu sich, das zudem aus amerikanischer - und damit nach derzeitigem Erkenntnisstand BSE-freier - Produktion stammte. Eine Gefährdung für die Verbraucher hätte damit ausgeschlossen werden können. Die US-Rindfleischindustrie hat Tiermehl als Zusatz für Wiederkäuerfutter 1996 als Reaktion auf den in Europa ausgebrochenen Rinderwahnsinn in freiwilliger Selbstkontrolle verboten.

Mi, den 31.01.2001 06:30, - Reuters (Washington) -
US-Gesundheitsbehörde entdeckt verbotenes Tiermehl-Futter
Die amerikanische Bundesgesundheitsbehörde FDA hat am Dienstag im Futter für eine 1200 Rinder starke Herde Tiermehl entdeckt, das wegen des Verdachts auf eine Übertragung des Rinderwahns BSE verboten ist. Das Tiermehl sei im Bundesstaat Texas festgestellt worden, teilte die Behörde mit. Es sei jedoch nicht davon auszugehen, das es mit den BSE-Erregern infiziert sei, weil es in den USA hergestellt sei. Nach FDA-Angaben entschied die Herstellerfirma des Futters, die Tiere der Herde aus der Nahrungsmittelproduktion zurückzuziehen.

In den Vereinigten Staaten ist im Gegensatz zu Europa bislang kein BSE-Fall aufgetreten. Das Verbot von Tiermehl in der Fütterung gehört jedoch zu den Vorbeugemaßnahmen gegen ein Auftreten der Seuche.

Unterdessen verstärkte sich am Dienstag an den amerikanischen Viehmärkten die Verunsicherung durch die europäische BSE-Krise. In New Yorker Läden wurden Bonbons entdeckt, deren Verkauf wegen ihrer deutschen Herkunft und einer vermuteten Verwendung von Rindergelatine in Polen verboten ist. Die Nachricht sorgte für einen starken Rückgang der Viehpreise am Handelsplatz Chicago.

In ganz Europa wurden in den vergangenen Jahren etwa 180.000 BSE-Fälle nachgewiesen, großenteils bei britischen Tieren.

Di, den 30.01.2001 19:00, - dpa (Berlin) -
Morgen beginnt BSE-Testpflicht bei Rindern ab 24 Monaten
Zur Eindämmung des Rinderwahnsinns müssen ab morgen Schlachtrinder schon ab einem Alter von zwei Jahren auf BSE getestet werden. Verbraucherschutzministerin Renate Künast hatte am Freitag die Altersgrenze für BSE- Pflichttests bei Rindern von 30 auf 24 Monate herabgesetzt. Das bisher jüngste deutsche BSE-Rind war 28 Monate alt. Außerdem ist die Ministerin offenbar entschlossen, aus wirtschaftlichen Gründen der Vernichtung von 400000 älteren Rindern zuzustimmen. Eine entsprechende Entscheidung werde demnächst erwartet, hieß es in Berlin.
Di, den 30.01.2001 18:45, - AP (Stuttgart) -
Wissenschaftler wegen BSE-Krise in Kabinett berufen
Acht Wochen vor der Landtagswahl ist der Heidelberger Molekularbiologe Konrad Beyreuther zum ehrenamtlichen Staatsrat in das baden-württembergische Kabinett berufen worden. Ein Sprecher des Stuttgarter Staatsministeriums sagte, der Wissenschaftler solle die Landesregierung im Zusammenhang mit der BSE-Krise, beim Verbraucherschutz sowie der Gentechnik und Biotechnologie beraten. Der Staatsrat sei Mitglied des Kabinetts. Er besitze aber kein Stimmrecht.
Beyreuther ist vor allem durch seine Forschungen im Bereich der Alzheimer-Krankheit bekannt geworden. Er ist Direktor des Zentrums für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg. Von Haus aus ist der Wissenschaftler Chemiker.

Im Streit über den Umgang mit der BSE-Krise wird sich der Stuttgarter Landtag am kommenden Donnerstag mit der politischen Zukunft von Landwirtschaftsministerin Gerdi Staiblin (CDU) befassen. Grüne und SPD hatten ihre Entlassung beantragt. Beide Parteien werfen ihr vor, sie habe sich noch im vergangenen August gegen eine EU-Vorschrift eingesetzt, die zum Ziel hatte, bei der Herstellung von Tiermehl kein Risikomaterial zu verwenden. Außerdem habe sie sich über Warnungen des Landessozialministeriums hinweggesetzt.

Zur Entlassung von Staiblin ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Ministerpräsident Erwin Teufel hatte ihr vor kurzem das Vertrauen ausgesprochen. Beobachter erwarten, dass der Antrag auf Entlassung mit der Mehrheit der CDU/FDP-Regierungskoalition abgelehnt wird.

Di, den 30.01.2001 17:30, - Reuters (London) -
Angst in Großbritannien vor BSE durch Blutprodukte
In Großbritannien ist das Blut eines eines später an der neuen Form der Creutzfeldt-Jakob- Krankheit (vCJK) verstorbenen Mannes möglicherweise zu Medikamenten verarbeitet worden. Das Gesundheitsministerium räumte am Dienstag ein, dass Bluter ein Gerinnungsmittel aus dem Blutplasma dieses Mannes erhalten haben könnten. Die Bluter-Patienten warteten nun voller Bangen auf die Information, ob sie ein Medikament dieser Charge erhalten hätten, sagte die Sprecherin ihres Interessenverbandes.

Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass die Krankheit durch Blut oder Blutprodukte übertragen wird. Schottische Wissenschaftler hatten jedoch nachgewiesen, dass BSE von einem symptomfreien aber infizierten Schaf durch Blutübertragung auf ein anderes Schaf übertragen werden kann.

Bislang sind in Großbritannien 80 und in Frankreich zwei Menschen an der neuen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gestorben. Sie war erstmals 1996 erkannt worden und wird auf den Verzehr von BSE-verseuchtem Fleisch zurückgeführt. Einige Länder schließen Menschen von der Blutspende aus, wenn sie zwischen 1980 und 1996 für mehr als sechs Monate in Großbritannien gelebt haben.

Di, den 30.01.2001 16:35, - AP (München) -
Zwei neue BSE-Verdachtsfälle in Bayern
Probe bei 17 Monate altem Rind positiv - Schweinefleisch in Bayern um sieben Prozent verteuert
In Bayern gibt es zwei neue BSE-Verdachtsfälle. Die Zahl der bestätigten BSE-Fälle und der Verdachtsfälle erhöhte sich damit im Freistaat auf insgesamt zwölf, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte. Bei den beiden neuen Fällen handele es sich um Tiere aus Niederbayern und dem Nürnberger Land. Das Rind aus Niederbayern wurde am Donnerstag letzter Woche geschlachtet und ist nach Ministeriumsangaben 17 Monate alt. Das männliche Fleckvieh stamme aus einem Betrieb mit 175 Tieren.

Bei einer Kuh aus dem Nürnberger Land fielen nach Angaben des Landratsamts in Lauf zwei BSE-Schnelltests positiv aus. Beide Fälle würden nun vom Deutschen Referenzzentrum für die BSE-Diagnostik in Tübingen überprüft.

Als Folge der BSE-Krise hat sich der Preis von Schweinefleisch in Bayern im Januar um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verteuert. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilte, greifen die Verbraucher vermehrt zu Schweinefleisch. Allein im vergangenen Monat sei der Schweinefleischpreis um drei Prozent angestiegen. Die Preise von Frischfisch liegen um 5,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Rindfleisch habe sich um 1,7 Prozent verteuert, weil die Kosten der BSE-Schnelltests umgelegt worden seien.

Di, den 30.01.2001 16:30, - AP (New York) -
New York will womöglich Verkauf von «Mamba» verbieten
Sorge vor BSE wegen Gelatineanteils in Kaubonbon
Aus Sorge vor BSE wollen die Gesundheitsbehörden in New York möglicherweise das gelatinehaltige Kaubonbon «Mamba» des deutschen Herstellers Storck vom Markt nehmen. Experten untersuchten derzeit, ob von der Süßware eine Gefahr für die Gesundheit ausgehe, sagte Behördensprecherin Sandra Mullin am Dienstag. Storck wies die Bedenken zurück. «Das Produkt ist sicher», erklärte Tony Nelson, Vizepräsident der Storck-Vertriebsgesellschaft in Chicago.

Die deutschen Gesundheitsbehörden hätten bestätigt, dass «Mamba» trotz seines Gelatineanteils bedenkenlos verzehrt werden könne, sagte Nelson. Storck USA werde das Rezept für das Fruchtbonbon nicht ändern. Das Unternehmen vertreibt «Mamba» in 80 Ländern. In den vergangenen Woche wurde die Süßigkeit in Polen aus den Regalen genommen, nachdem die Regierung in Warschau den Verkauf aller Rinderprodukte aus Ländern mit bestätigten BSE-Fällen verboten hatte. Storck kündigte daraufhin an, für den polnischen Markt künftig «Mamba» ohne Gelatine herstellen zu wollen.

Di, den 30.01.2001 16:00, - AP (Kiel) -
Neuer BSE-Verdachtsfall in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein ist am Dienstag ein weiterer Fall von BSE-Verdacht entdeckt worden. Es handelt sich nach offiziellen Angaben um eine rotbunte Kuh von einem Hof aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. Das Tier wurde im März 1996 auch in diesem Bestand geboren, der Milchbetrieb hat 168 Rinder, wie das Landwirtschaftsministerium in Kiel mitteilte. Der Betrieb wurde gesperrt, ein Fachlabor in Tübingen muss den Verdacht noch bestätigen. Erst am Montag waren in dem Bundesland zwei Verdachtsfälle bekannt geworden, darunter erstmals ein nur 14 Monate altes Tier.
Di, den 30.01.2001 15:45, - dpa (Madrid) -
Spanien von BSE-Krise überrollt!
«In Spanien gibt es keinen Rinderwahnsinn. Das Land wird auch in Zukunft BSE-frei bleiben.» So beschied die Madrider Regierung noch vor wenigen Monaten eine Anfrage im Parlament. Aber schon bald musste sie sich eines Besseren belehren lassen. Als die ersten Fälle von BSE auftraten, wurde Spanien von der Krise förmlich überrollt.

«Das nun einsetzende Wirrwarr in den Behörden schürte die Panik in der Bevölkerung ebenso wie die eigentliche BSE-Krankheit», schreibt das Magazin «Tiempo».

Gesundheitsministerin Celia Villalobos gab Spaniens Hausfrauen den Rat: «Kochen Sie die Suppen und Eintöpfe nicht mehr mit Rinder-, sondern mit Schweineknochen. Die schmecken ebenso gut.» Rinderzüchter verklagten die Ministerin wegen Geschäftsschädigung. Die Opposition verlangte ihren Rücktritt.

Beim Kampf gegen BSE fehlt es an allen Enden an Mitteln. Ein kleines Labor in Saragossa ist das einzige im Land, das die Krankheit nachweisen kann. In mehreren Regionen haperte es bei den Schnelltests. Die Verbrennungsanlagen verfügen nicht über genügend Kapazitäten, um die Kadaver älterer Rinder zu vernichten. In einzelnen Orten wurden tote Tiere illegal vergraben oder auf Müllhalden geworfen.

Der Rindfleischverbrauch ging um etwa 40 Prozent zurück. Zur Stabilisierung des Marktes erwägt die Regierung, 180000 Rinder verbrennen zu lassen. Sie will zudem das Tiermehl, das keine Abnehmer findet, aufkaufen. Zur Finanzierung des Anti-BSE-Kampfes will Madrid eine Sonderabgabe einführen. Zugleich versucht sie, die aufgeschreckten Verbraucher zu beruhigen: «Die Lage ist unter Kontrolle. In Spanien gibt es keine Epidemie», heißt die Parole.

Während die einen sich vor BSE fürchten, fürchten die anderen um das T-Bone-Steak, das von der EU verboten werden soll. In vielen spanischen Restaurants ist das «Chuleton», ein 500 Gramm schweres Rückensteak mit Knochen, das Topgericht auf der Speisekarte. «An irgendetwas muss man doch sterben», sagt ein Gast in einem Zider- Lokal in Berriz im Baskenland, schneidet sich ein dickes Stück von seinem Steak ab und lässt es sich schmecken.

Di, den 30.01.2001 14:05, - Reuters (München) -
Eberhard Sinner wird bayerischer Verbraucherschutzminister
Künftiger bayerischer Verbraucherschutzminister wird der überregional weitgehend unbekannte CSU-Landespolitiker Eberhard Sinner. Dies bestätigte der unterfränkische Landtagsabgeordnete am Dienstag kurz vor Beginn einer Fraktionssitzung im Münchener Landtag. "Warum soll ich nein zu der Aufgabe sagen", sagte er. Sinner tritt das Amt anstelle des Münchener Chemieprofessors Wolfgang Herrmann an, der am Montag wegen eines laufenden Steuerverfahrens seinen Verzicht erklärt hatte. Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte das Verbraucherschutzministerium als Konsequenz aus der BSE-Krise geschaffen und dafür der inzwischen zurückgetretenen Sozialministerin Barbara Stamm (CSU) und Agrarminister Josef Miller (CSU) Kompetenzen entzogen.

Das neue Ministerium soll künftig die Bekämpfung der Rinderseuche BSE koordinieren. Sinner, der in der Fraktion als Querdenker gilt, erhält dafür die Kompetenzen für Gesundheits- und Ernährungspolitik, die bislang bei den Ministerien von Stamm und Miller lagen. Sinner soll am Nachmittag zusammen mit der neuen Sozialministerin Christa Stewens (CSU) im Landtag vereidigt werden. Staatssekretärin im Verbraucherschutzministerium soll die Abgeordnete Erika Görlitz (CSU) werden.

Di, den 30.01.2001 13:25, - dpa (Zürich) -
BSE-Experte: Auch Muskelfleisch kann verseucht sein
Der Schweizer Molekularbiologe Markus Moser warnt davor, Muskelfleisch von Rindern als gänzlich BSE-frei einzustufen.

«Es ist fahrlässig, den Leuten weiszumachen, dass überhaupt kein Risiko besteht», sagte der Miterfinder des Prionen-Tests in einem dpa-Gespräch (Dienstag). Die bloße Tatsache, dass im Muskelfleisch, das bisher als unbedenklich gilt und teilweise in Wurstsorten wie Rindswürsten oder Rindersalami verarbeitet wird, bislang noch nichts gefunden worden sei, rechtfertige noch «kein absolutes Unbedenklichkeitszertifikat», meinte der Zürcher Experte.

Eine Verseuchungsquelle ist nach Ansicht Mosers die Schlachttechnik, bei der das Rückenmark mit einer Kettensäge längsseitig gespalten wird. «Dabei wird ein Sprühnebel erzeugt, der über den ganzen Schlachtkörper verspritzt wird», sagte der Experte. Tests in England hätten eindeutig gezeigt, dass BSE-infiziertes Rückenmark auch durch die Flüssigkeit, die über das Sägeblatt laufen kann, andere Körperteile des Rindes kontaminiert. Das Problem sei in der Schweiz seit Jahren bekannt.

Eine weitere Gefahr sieht Moser im Tötungsvorgang: «Nicht alle Rinder werden durch Elektroschocks getötet, einige sterben auch durch den so genannten Bolzenschuss. Durch die Zerstörung des Rindergehirns wird aber das Blut kontaminiert.» Da das Herz eine halbe Minute weiterschlage, werde das verseuchte Blut noch einmal im Körper des Tieres umgewälzt und könne auch Teile des zermanschten Hirns weiterleiten. «Bei Versuchen in England sind ganze Hirnstücke in den Lungen der Tiere gefunden worden», sagte Moser. Der Verbraucher müsse wissen: Es bestehe nur dann kein Risiko, wenn man ganz auf den Verzehr von Rinderfleisch verzichte.

Di, den 30.01.2001 11:30, - AP (Mainz) -
Saarländischer BSE-Verdachtsfall nicht bestätigt
Der BSE-Verdacht bei einem aus dem Saarland stammenden Schlachtrind hat sich nicht bestätigt. Wie das rheinland-pfälzische Umweltministerium am Dienstag in Mainz berichtete, ergab eine in Leipzig vorgenommene histologische Untersuchung, dass das Rind gesund war. Das Fleisch des Tieres sei daraufhin zum Verkauf frei gegeben worden. Das Rind war in der vergangenen Woche im westpfälzischen Zweibrücken geschlachtet worden. Nach Angaben des Ministeriums wurden bis einschließlich Montag landesweit 4.642 durchgeführt, davon 222 an Rindern unter 30 Monaten. Alle Tests seien letztlich negativ verlaufen.
Di, den 30.01.2001 09:45, - Reuters (Berlin) -
Fischler: EU-Beschlüsse zu BSE werfen technische Fragen auf
EU-Agrarkommissar Franz Fischler hat vor technischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Beschlüsse der EU-Agrarminister zur BSE-Krise gewarnt. Die Minister seien sich zwar in der Zielsetzung einig, künftig Rinder-Rückgrat und T-Bone-Steaks vom Markt zu nehmen, sagte Fischler am Dienstag in der ARD. "Aber es gibt eine ganze Reihe von technischen Fragen zu lösen." So sei unklar, ob der Knochen im Metzgerladen oder bereits im Zerlegungsbetrieb entfernt werden solle. Falls dies schon im Schlachtbetrieb geschehen sollte, müsste der gesamte Fleischhandel neu organisiert werden. Zudem müsse geklärt werden, wo die Knochen entsorgt würden.

Die zuständigen Veterinärexperten würden sich noch vor der nächsten Sitzung des Ministerrats Mitte Februar treffen und Vorschläge dazu ausarbeiten, fügte Fischler hinzu. Die Agrarminister der Europäischen Union (EU) hatten sich bei ihrem Treffen am Montag in Brüssel nach Angaben von Gesundheitskommissar David Byrne unter anderem darauf geeinigt, zum Schutz der Verbraucher vor der Rinderseuche BSE Rinder-Rückgrat als Risikomaterial aus der Nahrungsmittelkette zu nehmen. Vor allem in Ländern wie Deutschland, in denen Tiermehl in Rinderfutter gelangt war und ein höheres BSE-Risiko besteht, könnte dies ein Verbot des Verkaufs von T-Bone-Steaks bewirken. Auch Separatorenfleisch von Wiederkäuern soll vom Markt verschwinden.

Die neue Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) scheiterte mit dem Versuch, das Mindestalter von Rindern für verpflichtende BSE-Tests wie in Deutschland von 30 auf 24 Monate abzusenken. Die Entscheidung über eine Beteiligung Deutschlands am Rinderschlachtprogramm der EU kündigte Künast für diese Woche an, Anfang Februar will sie eine Regierungserklärung zur Weichenstellung in der Agrarpolitik abgeben.

Di, den 30.01.2001 07:30, - AP (London) -
London verschärft Kontrollen für deutsches Rindfleisch
Nach dem Fund von BSE-Risikomaterial in deutschem Rindfleisch hat die britische Regierung verschärfte Kontrollen angekündigt. Nach Angaben britischer Behördensprecher vom Montag wurden bei der Routinekontrolle in einer Lieferung von 19.000 Kilogramm Rindfleisch aus Oldenburg in eine Fleischfabrik nach Eastbourne Rückstände von Rückenmark entdeckt. Vor zwei Wochen seien bei einer Lieferung von 40.000 Kilogramm deutschen Rindfleisch nach Nordirland ähnliche Rückstände gefunden worden. Der Vorsitzende der britischen Lebensmittelbehörde, Sir John Krebs, bezeichnete dies als «völlig unakzeptabel». Mit verstärkten Inspektionen wolle man von Dienstag an sicherstellen, dass deutsche Rindfleischexporte die Richtlinien erfüllen.
Mo, den 29.01.2001 21:30, - dpa (Brüssel) -
EU befürchtet wegen BSE-Krise Kostenexplosion
Wegen der BSE-Krise drohen der EU möglicherweise Mehrkosten von bis zu sechs Milliarden Mark. Diese Schätzung legte heute Agrarkommissar Franz Fischler den Landwirtschaftsministern der Gemeinschaft in Brüssel vor. Fischler sprach sich für das Aufkauf- Programm der EU zur Rinder-Vernichtung aus. Dabei sollen allein in Deutschland 400 000 Tiere getötet werden. Außerdem wollen die EU- Agrarminister die Sicherheitsmaßnahmen gegen BSE verschärfen. So soll die Wirbelsäule der Rinder künftig aus dem Schlachtvieh entfernt und Separatorenfleisch verboten werden.
Mo, den 29.01.2001 19:20, - Reuters (Brüssel) -
Grundsatz-Einigung bei EU zu neuen Schritten gegen BSE
Die Agrarminister der Europäischen Union haben sich nach Angaben von EU- Gesundheitskommissar David Byrne grundsätzlich auf drei neue Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher vor der Rinderseuche BSE verständigt. Byrne sagte am Rande der Beratungen am Montag in Brüssel, danach solle Separatorenfleisch nicht mehr in die Nahrungsmittelkette gelangen. Zudem dürfe nur noch Rinderfett in Tierfutter gelangen, das unter hohen Sicherheitsstandards produziert werde. Der Verbrauch von Fleisch vom Rückgrat solle grundsätzlich eingeschränkt werden. Die EU-Kommission werde hier aber noch bis Februar Details ausarbeiten.

Die neue deutsche Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hatte zuvor in Brüssel einen grundsätzlichen Verzicht auf die Verfütterung von Rinderfetten gefordert. Für das Verbot von Separatorenfleisch hatte sie sich ebenfalls eingesetzt. Künast hatte sich zudem dafür ausgesprochen, nicht nur Fleisch vom Rückgrat, sondern auch Herz und Lungen von Rindern nicht mehr zu verkaufen.

Mo, den 29.01.2001 19:05, - AP (Kiel) -
Zwei Fälle von BSE-Verdacht in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein sind am Montag zwei weitere Fälle von BSE-Verdacht festgestellt worden. Beide Rinder stammen von zwei verschiedenen Höfen im Landkreis Rendsburg-Eckernförde, wie die Landesregierung mitteilte. Betroffen sind ein einjähriger Bulle aus einem Bestand von 420 Tieren und eine vier Jahre alte Kuh von einem Hof mit 124 Tieren. Beide wurden am Freitag geschlachtet. Die Bestätigung der Ergebnisse durch das Fachlabor in Tübingen steht noch aus. Beide Höfe wurden gesperrt.
Mo, den 29.01.2001 17:05, - Reuters (Bonn) -
Fleischwarenindustrie kritisiert Namensnennung
Die deutsche Fleischwarenindustrie hat die von einigen Bundesländern angekündigte Veröffentlichung von Herstellern kritisiert, deren Wurstsorten trotz gegenteiliger Etikettierung offenbar Rindfleisch enthalten. Die geplante Nennung dieser Hersteller entbehre jeder Rechtsgrundlage, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF), Joachim Wiegener am Montag in Bonn. Die Messmethoden bei Wurstwaren, die angeblich Rindfleisch nachweisen würden, seien zu unsicher. Zudem würde die Existenz der betroffenen Wursthersteller vorschnell unwiderruflich gefährdet.

Der Verband ziehe Schadenersatzklagen gegen die jeweiligen Behörden in Betracht, sagte Wiegener. Einige Betriebe hätten schon Klage eingereicht. Nach Angaben des BVDF wollen Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Saarland, Sachsen und Thüringen die Namen von betroffenen Herstellern veröffentlichen.

Der BVDF, der nach eigenen Angaben über 200 Fleischwarenhersteller vertritt, forderte, die Messverfahren zu verbessern und bundeseinheitlich zu machen. Nur so seien Unternehmen auszumachen, die ihre Wurstwaren vorsätzlich falsch etikettierten und den Verbraucher täuschten, sagte Wiegener. Um ein eindeutiges Ergebnis zu erhalten, müssten die verschiedene Testverfahren miteinander kombiniert werden. Bei einem positiven Befund sei mindestens ein zweites Testverfahren notwendig. Das bedeute, auf einen positiven immunologischen Befund müsse eine genetische Untersuchung folgen.

Nach den bisher angewandten Messmethoden könne man nicht mit Sicherheit sagen, dass Rindfleisch in der getesteten Wurst enthalten sei, sagte Wiegener. Auch der Zusatz von Rinderbrühe oder Molkeprodukten könne einen positiven Testbefund hervorrufen. Rinderbrühe darf nach Angaben des Verbandes einer als Rindfleisch frei deklarierten Wurst zugesetzt werden.

Der Absatz der Fleischwarenindustrie ist nach Angaben des Verbandes in den vergangenen Wochen um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Die Hersteller seien erheblich wirtschaftlich gefährdet. In vielen Betrieben gebe es bereits Kurzarbeit. Auch habe es schon Entlassungen gegeben. Das Vorgehen der Länder bedrohe rund 10.000 Arbeitsplätze.

Mo, den 29.01.2001 16:05, - Reuters (Bremen) -
Minister: Risikomaterial bei allen Rindern entfernen
Die für Verbraucherschutz und Gesundheit zuständigen Länderminister haben sich am Montag in Bremen darauf verständigt, dass künftig bei Schlachtrindern jeden Alters Risikomaterial entfernt werden muss. Dazu gehöre neben der Wirbelsäule und dem Gehirn auch die Zunge, sagte die Vorsitzende der Ministerkonferenz, die Bremer Gesundheitssenatorin Hilde Adolf (SPD). Bislang wurde dieses Material nur bei Tieren entfernt, die älter als ein Jahr waren. Zudem vereinbarten die Minister, die Forschung für die Entwicklung neuer BSE-Schnelltests zu verstärken. Neben dem Bund wollten hierzu auch die Länder eigene Finanzmittel beisteuern.

Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) forderte in einer Konferenzpause, die Hersteller von Lebensmitteln gesetzlich zur Kennzeichnung aller Inhaltsstoffe zu verpflichten. Angegeben werden müssten dann zum Beispiel auch Pflanzenschutzmittel, die während der Lebensmittelproduktion eingesetzt würden, sagte Höhn.

Ein weiteres Thema der Beratungen war ein Antrag Bremens, BSE-getestetes Fleisch im Handel als solches zu kennzeichnen. Händler müssten mit einem Aufdruck damit werben dürfen, dass von ihnen angebotene Produkte BSE- getestet seien, sagte Höhn.

Keine einheitliche Linie gab es nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministers Uwe Bartels (SPD) zunächst in der Frage der von der Europäischen Union (EU) zur Marktstützung geplanten Tötung von 400.000 deutschen Rindern. Insgesamt sollen EU-weit zwei Millionen Rinder getötet werden, um den zusammengebrochenen Rindfleischmarkt zu stützen. Er selbst halte den Aufkauf der Rinder für nötig, teile aber auch ethische Bedenken von Tierschützern, sagte Bartels. Zur Tötung der Tiere gebe es aber keine Alternative, weil die Ställe wegen der in der BSE-Krise unverkäuflichen Tiere überquöllen.

Vor dem Veranstaltungsgebäude in der Bremer Innenstadt protestierten am Nachmittag rund 500 Bauern mit Transparenten. Sie wollten den Ministern eine Resolution übergeben, in der der unverzügliche Start des Schlachtprogramms gefordert wird, um den Landwirten zu helfen. Die Ergebnisse der Konferenz sollten auf einer Pressekonferenz um 17.00 Uhr bekannt gegeben werden.

Mo, den 29.01.2001 14:45, - AP (Brüssel) -
Tötung von 400.000 Rindern wird wahrscheinlicher
Künast sieht kaum Alternativen - EU-Agrrarat befasst sich mit BSE - Festhalten an Herdentötung
Eine Beteiligung Deutschlands an dem EU-weiten BSE-Programm, zur Stützung des Marktes rund zwei Millionen Rinder zu töten, wird immer wahrscheinlicher. Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast sagte am Montag in Brüssel zwar, sie habe weiter ethische Bedenken gegen eine solche Aktion, von der in Deutschland 400.000 Tiere betroffen wären. Sie sehe aber «angesichts der Marktsituation schwarz». Am Mittag wollten der EU-Agrarrat zusammenkommen, um über die Rinderseuche zu beraten. Künast nahm daran erstmals teil.

Die Grünen-Politikerin betonte, das Vernichtungsprogramm sei «ein Zeichen alter Landwirtschaft». Dies dürfe nicht von Dauer sein. Vielmehr müsse es darum gehen, eine neue Agrarpolitik zu entwickeln. Sie werde sich auf dem EU-Agrarrat mit ihren Kollegen beraten und dann eine Entscheidung fällen, ob die 400.000 Rinder in Deutschland älter als 30 Monate getötet werden können. Eine Teilnahme der Bauern daran ist freiwillig.

In einem EU-Nachtragshaushalt für BSE von 971 Millionen Euro (1,9 Milliarden Mark) sind 700 Millionen Euro für das Vernichtungsprogramm veranschlagt. Bislang haben sechs EU-Staaten erklärt, daran nicht teilzunehmen: Finnland, Schweden, Österreich, Dänemark, die Niederlande und das Vereinigte Königreich. In Deutschland haben Tierschützer ihre Bedenken gegen das Programm geäußert. Der Bauernverband unterstützt die Aktion.

In der Frage der Herdentötung bei einem BSE-Fall bekräftigte Künast, vorerst an dieser Regelung in Deutschland festzuhalten. Eine Aufweichung hin zur so genannten Kohorten-Regelung, bei der nur die direkten Vor- und Nachfahren sowie der Jahrgang einer BSE-Kuh getötet werden, sei den Verbrauchern derzeit nicht zu vermitteln. Allerdings müsse die Diskussion weitergehen. So könne es sein, dass Bauern bei einer Kohorten-Regelung eher bereit seien, ein auffälliges Tier zu melden. Die Bundesregierung könne zu einem späteren Zeitpunkt auch mit einer EU-weiten Kohorten-Regelung leben.

Generelles Verbot der Wirbelsäule gefordert
Beim Thema BSE-Schnelltests verteidigte Künast die Linie der Bundesregierung, das Alter auf 24 Monate herunterzusetzen. Dabei verwies die Ministerin darauf, dass in Deutschland bereits zwei Tiere mit 28 Monaten positiv getestet worden seien. Dennoch sprach sich Künast für eine EU-weite Regelung aus. EU-weit müssen seit dem 1. Januar alle Rinder älter als 30 Monate getestet werden.

Entscheidungen standen bei dem Ministerrat nicht an. Ausgeschlossen wurde aber nicht, dass sich die Ressortchefs darauf verständigen würden, weiteres Risikomaterial aus der Nahrungskette zu nehmen. Das Hauptaugenmerk galt der kompletten Wirbelsäule bei Rindern über zwölf Monaten und dem T-Bone-Steak.

Künast betonte, die Bundesregierung wolle die Wirbelsäule ohne Altersbeschränkung aus der Nahrungskette nehmen und verlange auch ein generelles Verbot von Herz und Lunge. Dies müsse auch für Separatorenfleisch gelten.

Dass sich Deutschland mit der Forderung durchsetzen würde, das seit dem 1. Januar geltende und auf sechs Monate befristete EU-weite Verbot von Tiermehl unbefristet zu erlassen, wurde nicht erwartet. In der Bundesrepublik gilt seit Dezember ein generelles Verbot. Bislang hat nur Österreich Unterstützung signalisiert. Künast bekräftigte diese Linie und forderte auch ein Verbot der Verfütterung von tierischen Fetten.

Mo, den 29.01.2001 10:30, - dpa (Brüssel) -
Künast rechnet mit Mehrheit im EU Agrarrat für BSE-Testalter 24 Monate
Landwirtschaftsministerin Renate Künast rechnet mit der Zustimmung ihrer EU-Kollegen zur Senkung des BSE-Testalters für Rinder auf 24 Monate. Das sagte sie bei ihrer Ankunft zur Sitzung des EU-Agrarrates in Brüssel. In Deutschland war am Wochenende zum zweiten Mal bei einem 28 Monate alten Rind die BSE-Krankheit entdeckt worden. Tests sind bisher EU-weit erst für Rinder über 30 Monate vorgeschrieben. Laut Künast führt an der Tötung von 400000 Rindern in Deutschland kaum noch ein Weg vorbei.
Mo, den 29.01.2001 07:30, - Reuters (Chicago) -
FEATURE - Amerika irritiert - Rinderwahn im Hamburger?
- von Greg McCune -

Schlagartig wird es den Amerikanern klar: Die in Europa grassierende Rinderseuche BSE könnte zur Bedrohung für eine Ikone des amerikanischen Lebensstils werden, den Hamburger. Doch nach wie vor sind die USA das Land der Fleisch-Esser, das Land der Cowboys und das Land eines Präsidenten, der sein Refugium auf seiner Rinder- Ranch in Texas findet. 45 Kilogramm Rind- und Kalbfleisch im Jahr isst statistisch jeder Amerikaner. Rindfleisch gehört auch auf die Partys zur Football-Meisterschaft, dem "Super Bowl".

Doch bis vor kurzem haben die Amerikaner die alarmierende Ausbreitung des Rinderwahnsinns von Großbritannien auf Kontinental-Europa kaum zur Kenntnis genommen. Was die Europäer in Scharen zum Verzicht auf Rindfleisch veranlasste, war auf der anderen Seite des großen Teichs kein Thema - bis in der vergangenen Woche ausgerechnet in Texas eine Rinderherde unter Quarantäne gestellt wurde, weil sie mit Tiermehl gefüttert worden sein soll. Der Futtermittelhersteller Purina Mills Inc räumte am Freitag ein, das von ihm hergestellte Futter habe Fleisch- und Knochenmehl enthalten.

Zwar wurde bislang kein BSE-Fall registriert, doch bei der Agrarindustrie und einigen Märkten schrillten die Alarmglocken. Der Aktienkurs der Fast-Food-Kette McDonald's und die Preise bei Rinder- Termingeschäften gingen vorübergehend in den Keller.

"Es wäre unvorstellbar, was passierte, wenn wir hier in den USA einen (BSE-)Verdachtsfall hätten", sagte ein Experte für Viehhandel der Alaron Trading Corp in Chicago. "Es wäre eine Katastrophe für die Agrarindustrie."

Rund 100 Millionen Rinder gibt es in den USA. Die US-Rinderproduktion gehört aller Cowboy-Romantik zu Trotz zu den intensivsten in der Welt. In riesigen Mastanlagen wachsen jeweils Tausende Rinder heran. In den Ebenen der Bundesstaaten Texas, Oklahoma, Kansas und Nebraska, wo es die meisten dieser industriellen Mastanlagen gibt, sind diese oft meilenweit am Geruch zu erkennen. In Europa ist gerade die Intensivhaltung wegen der Gefahr der Verbreitung von Krankheiten wie BSE in der Kritik.

Verbraucherschützer in den USA weisen darauf hin, dass die Quarantäne in Texas die Löcher im amerikanischen Schutzwall gegen BSE aufzeigt. Den offiziellen Versicherungen, BSE könne es in den USA nicht geben, glauben sie nicht. Inzwischen rückt BSE auch in die Schlagzeilen der amerikanischen Presse. Die immer öfter erscheinenden Berichte über die Seuche in Europa kreisen um Frage "Sind die Amerikaner sicher vor dem Rinderwahn?", wie der Titel einer Abendsendung im ABC-Fernsehen lautete. Die offizielle Antwort ist Ja, die Verbraucherschützer sind skeptisch.

Für sie zählt weniger die Tatsache, dass die USA alles unternehmen, um ein Übergreifen der Seuche von Europa zu verhindern. Der Erreger könnte schon längst im Land sein, befürchten sie. Auch in den USA gibt es zwei Tierkrankheiten, die der BSE sehr ähnlich sind: Scrapie bei Schafen und eine ähnliche Erkrankung bei Elchen und Hirschen.


BSE-Nachrichten der Vorwoche 04/2001 (22.01. - 28.01.2001)

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