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Nachrichten-Archiv © 2000 - 2001 by M. Stoldt Stand: Sunday, 25. March 2001 - 19:04 Uhr
Nachrichten-Archiv KW 03/2001:
Mo, den 22.01.2001 09:00, - WOCHENWECHSEL! -
BSE-Nachrichten der Folgewoche 04 (22.01. - 28.01.2001)

So, den 22.01.2001 16:30, - Reuters (Berlin) -
Erstmals BSE-Verdacht in einer deutschen Großherde
In Deutschland gibt es drei neue BSE-Verdachtsfälle, darunter erstmals einen in einer Großherde mit über 900 Tieren. Das teilte das Agrarministerium von Sachsen-Anhalt am Sonntag in Magdeburg mit. Zwei weitere Verdachtsfälle wurden aus Bayern gemeldet. Zur Bekämpfung der Rinderseuche brachte Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) eine europäische Lebensmittelbehörde ins Gespräch. Ihr Ministerium bestätigte, dass BSE- Schnelltests keine absolute Sicherheit bieten. Der Fleischwirtschaft beschert die BSE-Krise Kurzarbeit, Ökobauern einen bislang ungeahnten Nachfrageboom.

Die am 5. Januar im Landkreis Merseburg-Querfurt eingeschläferte Kuh sei beim zweiten BSE-Schnelltest als positiv aufgefallen, teilte das Ministerium in Magdeburg mit. Der erste Test sei unklar ausgefallen. Endgültige Klarheit werde nun die Untersuchung der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen erbringen. Mit dem Ergebnis werde nicht vor Mittwoch gerechnet. Bislang gibt es in Deutschland 16 bestätigte BSE-Fälle, darunter mit sieben die meisten in Bayern.

Nach Angaben des Landratsamts von Merseburg-Querfurt handelt es sich bei dem betroffenen Unternehmen um die Landwirtschaftliche Produktions- und Vertriebsgesellschaft Mücheln mit 950 Tieren. Die Herde sei gesperrt worden. Im schlimmsten Fall müsste der gesamte Bestand mit einem geschätzten Wert von einer Million Mark getötet worden. Vom Unternehmen war am Sonntag keine Stellungnahme zu erhalten. Das bayerische Gesundheitsministerium meldete zwei neue Verdachtsfälle in der Oberpfalz. Die beiden Rinder stammten aus verschiedenen Höfen mit 45 Tieren beziehungsweise 100 Tieren. Auch diese Bestände wurden gesperrt.

Verbraucherschutz- und Agrarministerin Künast sagte im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF), in einer europäischen Lebensmittelbehörde könnte EU-weit Sachverstand gebündelt werden. "Es sind ja in anderen Ländern längst Untersuchungen gemacht worden, die man zusammenbinden muss." Dann könne das, was an etwa Risikobewertung vorhanden sei, auch breit genutzt werden. Sie bekräftigte, dass es ein Gegeneinander von Landwirtschaft und Verbraucherschutz nicht geben müsse. "Eine Zukunft für die deutsche Landwirtschaft ist nicht denkbar ohne den Verbraucherschutz", sagte Künast.

Skeptisch äußerte sich Künast zu Überlegungen, das Fleisch der zur Tötung vorgesehenen 400.000 deutschen Rinder einzulagern und an Nicht-EU-Länder zu verkaufen. Es sei fraglich, anderen Ländern etwas anzubieten, was in Deutschland niemand konsumieren wolle. Die EU hat vorgeschlagen, über zwei Millionen Rinder, darunter 400.000 aus Deutschland, zur Stützung der Preise zu schlachten und zu verbrennen.

Künasts Ministerium bestätigte einen "Spiegel"-Bericht, dem zufolge die obligatorischen Schnelltests zum Nachweis von BSE nicht völlig sicher. Eine Sprecherin sagte in Berlin, in Untersuchungen hätten die Tests bei einer an BSE erkrankten Kuh nicht angeschlagen. Nach dem Bericht schlugen die Tests der Firma Bio-Rad und auch der Firma Prionics bei Versuchen der Tübinger Forschungsanstalt für die Viruskrankheiten nicht an, obwohl eine untersuchte Kuh BSE-infiziert war. In einem Schreiben an das bayerische Gesundheitsministerium habe Institutsleiter Martin Groschup seine Ergebnisse jedoch vor allem auf die schlechte Qualität der Hirnprobe zurückgeführt und nicht auf die der Tests, berichtete der "Spiegel". Bei der Entnahme könnten Fehler gemacht worden sein, da man das Nervenzellgewebe genau treffen müsse

Seit Ende des Jahres sind BSE-Tests für Schlachtrinder über 30 Monate verpflichtend. Die Bundesregierung will in einem BSE-Bekämpfungsgesetz Tests demnächst die Altergrenze auf 24 Monate verringern.

In der Fleischwirtschaft arbeiten nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" derzeit 5000 Menschen kurz. In nächster Zeit sei wegen der BSE-Krise mit einem weiteren Anstieg der Kurzarbeit zu rechnen. Die Ökoproduzenten erwarten dagegen nach Verbandsangabe in diesem Jahr mit 5,4 nach 4,5 Milliarden Mark einen Rekordumsatz.

So, den 21.01.2001 09:30, - dpa (Kempten) -
Staatsanwalt geht von zahlreichen BSE-Ermittlungsverfahren aus
Die BSE-Krise wird in Bayern eine Vielzahl von Ermittlungsverfahren nach sich ziehen. Dies sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Kempten Günter Meltendorf der dpa. Die Behörde ist für alle bayerischen Ermittlungsverfahren in der BSE-Krise zuständig. Bayern will indes im Bundesrat eine Initiative zur BSE-Bekämpfung auf Bundes- und EU-Ebene einbringen. Der Vorstoß ziele auf die Entfernung sämtlichen Risikomaterials bei geschlachteten Rindern, Schafen und Ziegen, sagte Bayerns neuer Verbraucherschutzminister Wolfgang Herrmann der «Welt am Sonntag».
Sa, den 20.01.2001 21:15, - AP (Magdeburg) -
Erster BSE-Verdachtsfall in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt hat seinen ersten BSE-Verdachtsfall. Er sei bei einer verendeten Kuh im Labor des Landesveterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamtes in Stendal festgestellt worden, teilte das Magdeburger Agrarministeriums am Samstag mit. Das verdächtige Tier stammt den Angaben zufolge aus einem Betrieb im Landkreis Merseburg-Querfurt und wurde dort 1996 geboren. Der Bestand des Betriebes sei sofort amtstierärztlich gesperrt worden.
Das positive Schnelltestergebnis müsse nun durch die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere in Tübingen bestätigt werden, hieß es weiter. Mit dem Ergebnis dieser Referenzuntersuchung werde nicht vor kommenden Mittwoch gerechnet.

In dem neuen Bundesland wurden den Angaben zufolge vom 20. November vergangenen Jahres bis 19. Januar 2001 insgesamt 2.043 Tiere auf Rinderwahnsinn getestet. Davon waren 500 Schlachtrinder und 1.543 verendete beziehungsweise nach Verletzungen getötete Risikotiere.

Sa, den 20.01.2001 16:00, - Reuters (Berlin) -
"Spiegel" - Schnelltests versagten bei BSE-Fällen
Die gebräuchlichen Schnelltests zum Erkennen der Rinderseuche BSE sind nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" nicht sicher. Obwohl eine untersuchte Kuh BSE-infiziert war, hätten die Tests der Firma Bio-Rad und auch der Firma Prionics bei Versuchen der Tübinger Forschungsanstalt für die Viruskrankheiten der Tiere nicht angeschlagen, berichtet das Magazin am Samstag vorab. CDU-Chefin Angela Merkel forderte die Einrichtung einer unabhängigen Verbraucherschutzbehörde. Wegen widersprüchlicher Schnelltest-Ergebnisse bei einer BSE-infizierten Kuh habe der Leiter der Tübinger Forschungsanstalt, Martin Groschup, eine neue Versuchsreihe gestartet, berichtet der "Spiegel". Dabei sei der Prionics-Test einmal nur sehr schwach und einmal gar nicht angeschlagen. Die Bio-Rad-Tests seien sogar beide Male ohne Befund gewesen. In einem Schreiben an das bayerische Gesundheitsministerium habe Garsching seine Ergebnisse jedoch vor allem auf die schlechte Qualität der Hirnprobe zurückgeführt und nicht auf die der Tests. Bei der Entnahme könnten Fehler gemacht worden sein, da man das Nervenzellgewebe genau treffen müsse, schrieb er. Nach Informationen des "Spiegel" führt auch Bio-Rad das Versagen auf mangelhaftes Material zurück.


Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung von BSE dürfen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" künftig keine Speisereste aus Restaurants, Krankenhäusern oder Kantinen mehr an Schweine verfüttert werden. Eine solche Maßnahme sei die logische Konsequenz aus dem seit Dezember gültigen Gesetz, das das Verfüttern von Tierfetten etwa in Form von Tiermehl verbiete. Tiermehl von BSE-infizierten Kühen gilt als Hauptübertragungsweg der Rinderseuche.

Der britische BSE-Forscher Charles Weissmann forderte im "Focus" verlässliche Untersuchungen über die Möglichkeiten einer BSE-Übertragung durch Milch. Man wisse nicht, wie hoch der Verseuchungsgrad wirklich sei. Aus den bisherigen Untersuchungen lasse sich nicht ableiten, dass in Milch keine Erreger vorhanden seien. Um Sicherheit zu erhalten, sollten alle bisher gemachten Versuche wiederholt werden.

Se, den 20.01.2001 08:35, - dpa (Berlin) -
Beck für härtere Strafen für falsche Lebensmitteletikettierung
Der rechtspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, hat härtere Strafen für Etikettenschwindel bei Lebensmitteln gefordert. Die falsche Kennzeichnung von Wurst mit Rindfleisch- Bestandteilen sollte wie Betrug bestraft werden können, sagte Beck der dpa. CDU-Chefin Angela Merkel hat angesichts der BSE-Krise die Einrichtung einer «unabhängigen Verbraucherschutzbehörde« gefordert. Diese sollte ähnlich wie das Bundeskartellamt nur in Ausnahmefällen weisungsgebunden gegenüber der Regierung sein, so Merkel gegenüber der «Bild am Sonntag»
Sa, den 20.01.2001 0:30, - n-tv -
Künast: Sofortprogramm kommt nächste Woche
Die neue Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) will bereits am kommenden Mittwoch im Kabinett die ersten Punkte ihres BSE-Sofortprogrammes vorstellen. Das sagte die Grünen-Politikerin am Rande der Grünen-Woche in Berlin. Sie bekräftigte zugleich, eine Verbraucherpolitik voranzutreiben, die ”Vorsorge betreibt und nicht erst eingreift, wenn Tiere krank werden”.

Künast hatte sich bei ihrem Rundgang über die Grüne Woche zugleich für eine Zusammenarbeit mit den Bauern stark gemacht. Sie sagte, sie setze bei dem angestrebten Umbau der deutschen Agrarwirtschaft auf die Landwirte. Die Politikerin wurde von Bauernpräsident Gerd Sonnleitner und Berlins Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen begleitet. Sonnleitner sagte, er betrachte das Verhältnis zu Künast als ”momentant sehr gut”.

Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach sich im Bundestag als Konsequenz aus der BSE-Krise für eine klare Abgrenzung der Kompetenzen in der Europäischen Union aus. "Es muss nicht Alles und jedes in Brüssel entschieden werden", sagte er. Die Regierung stehe auch in nationaler Verantwortung.

EU-Agrarkommissar hält indes eine Abkehr von der Tötung der ganzen Rinderherde nach Auftreten eines BSE-Falls für vertretbar. Der "Frankfurter Rundschau " sagte er, es reiche unter Umständen aus, nur die Tiere aus derselben Futtergruppe wie das BSE-Tier zu schlachten. Künast will dazu bis Ende Januar eine Entscheidung treffen.

Inzwischen ist ein erster BSE-Verdachtsfall in Sachsen bekannt geworden. Auch bei zwei geschlachteten Tieren aus Baden-Württemberg und Bayern besteht der Verdacht einer Infizierung. Insgesamt gibt es in Deutschland bislang 16 bestätigte Fälle. Das Bundesgesundheitsministerium teilte mit, dass bis Mitte Januar 112.281 BSE-Tests vorgenommen wurden.

Eine Blitzumfrage von Emnid für n-tv ergab unterdessen, dass 89 Prozent der Befragten bereit sind, für ökologisches Fleisch mehr Geld auszugeben. Zehn Prozent sagten nein, ein Prozent machte keine Angaben.

Fr, den 19.01.2001 22:05, - AP (Madrid) -
Zahl der bekannten BSE-Fälle in Spanien auf sieben gestiegen
Das spanische Landwirtschaftsministerium hat am Freitag zwei weitere BSE-Fälle im Land bestätigt. Tests bei zwei geschlachteten Kühen von verschiedenen Höfen in der Region Asturien seien positiv ausgefallen, erklärte das Ministerium in Madrid. Bei zwei weiteren getöteten Rindern besteht der Verdacht auf eine BSE-Infektion. Ein endgültiges Testergebnis steht bei ihnen noch aus. Die Zahl der bestätigten BSE-Fälle in Spanien stieg damit auf insgesamt sieben. Der erste Fall trat im November auf.
Fr, den 19.01.2001 20:15, - AP (Düsseldorf/Mainz) -
Aus Rinderdarm hergestelltes Operationsgarn verboten
Die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben die Verwendung von chirurgischem Nahtmaterial auf der Basis von Rinderdarm verboten. Grundlage der Entscheidung sei die Einschätzung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, dass ein BSE-Risiko bei dem Nahtmaterial nicht auszuschließen ist, erklärte das Düsseldorfer Gesundheitsministerium am Freitag.
Das Nahtmaterial, das sich im Lauf der Zeit im Körper auflöst, wird den Angaben zufolge nur bei fünf bis zehn Prozent der stationären und ambulanten Operationen verwendet. Bei den allermeisten chirurgischen Eingriffen werde bereits synthetisch hergestelltes Nahtmaterial verwendet, das über die gleichen Eigenschaften verfügt.

Fr, den 19.01.2001 17:00, - AP (Berlin) -
Fleischwirtschaft vor wirtschaftlichem Desaster
Ein Viertel der Deutschen isst kein Rindfleisch mehr

Die deutsche Fleischwirtschaft sieht sich wegen der BSE-Krise vor einer wirtschaftlichen Katastrophe. Seit dem ersten Fall von Rinderwahn in Deutschland am 24. November sei der inländische Rindfleischverbrauch um rund 80 Prozent zurückgegangen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Fleischwirtschaft, Manfred Härtl, am Freitag auf der Agrarmesse Grünen Woche in Berlin. Bis zu 10.000 Arbeitsplätze seien akut gefährdet.

Vizevorsitzender Peter Malt sagte, auch importiertes Rindfleisch, überwiegend aus Argentinien, sei «in den Sog des aktuellen Konsumverhaltens» geraten. Der Verbrauch sei bereits vor Weihnachten schlagartig um rund 50 Prozent zurückgegangen. Mit Ausnahme der Steak-Häuser hätten viele Gastronomiebetriebe generell Rindfleisch von der Karte genommen. Als Folge sei der Preis außergewöhnlich stark um sechs bis acht Mark pro Kilogramm gesunken.

Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hat die BSE-Krise mehr als jeden zweiten Bundesbürger dazu bewogen, seine Essgewohnheiten zu ändern. Knapp ein Viertel (24 Prozent) erklärte, gar kein Rindfleisch mehr zu essen und 34 Prozent gaben, weniger Rindfleisch zu esse. 34 Prozent erklärten, nichts an ihren Essgewohnheiten geändert zu haben. Fast jeder Zweite (48 Prozent) der 2.107 Befragten fühlt sich persönlich von der Seuche gefährdet. 51 Prozent der Frauen glaubten, sie selbst könnten krank werden. Bei den Männern sind es 44 Prozent.

Ökobranche skeptisch gegenüber weiterem Prüfzeichen

Die Verleiher von Öko-Prüfzeichen reagierten zurückhaltend auf das von Verbraucherschutzministerin Renate Künast geplante staatliche Gütesiegel für ökologische Lebensmittel. Fred Hoffmann, Geschäftsführer der Öko-Prüfzeichen GmbH, sagte auf der Grünen Woche: «Ein weiteres Ökosiegel - selbst ein staatliches Zeichen -ist da kontraproduktiv. Viel wichtiger ist es, das vorhandene Öko-Prüfzeichen zu unterstützen.»

Nach Ansicht von Experten birgt auch Öko-Fleisch ein BSE-Risiko. Die Gefahr der Verseuchung sei allerdings geringer als bei konventionellen Produkte, erklärten Wissenschaftler der Tierärztlichen Fakultät der Universität München. Tierzucht-Professor Martin Förster warnte Ökobauern und Politiker davor, den Verbrauchern BSE-Unbedenklichkeit im kontrolliert ökologischen Landbau vorzutäuschen. Auf diese Weise würden sie deren Vertrauen missbrauchen. Im klassischen Öko-Landbau würden als organische Düngemittel Blut-, Fleisch- und Knochenmehle eingesetzt, bei denen ein BSE-Risiko nicht ausgeschlossen werde, erklärte Förster.

Fr, den 19.01.2001 14:15, - dpa (Kiel) -
BSE: Die ersten Landwirte vor der Pleite
Der nahezu vollständige Zusammenbruch des Rindermarktes zeigt Folgen: In Schleswig-Holstein stehen die ersten Betriebe vor der Pleite, vorzeitige Betriebsaufgaben werden bereits angekündigt. «Ohne staatliche Unterstützung geht es nicht», sagt Landwirt Hans Karstens, der in Röst (Kreis Dithmarschen) einen Rindermast- und Milchviehbetrieb unterhält.

Karstens kennt die Lage seiner Berufskollegen. Er selbst vermarktet pro Jahr etwa 100 Bullen. Doch seit November geht nichts mehr. Die Tiere bleiben im Stall und müssen sogar aus Platzgründen auf die Weide.

In den Schlachthöfen hat sich die Lage weiter verschlimmert, erzählt er. «Jetzt werden auch keine Kühe mehr geschlachtet, die älter als 30 Monate sind. Die befürchten, dass sie bei einem BSE-Fall dann die ganze Tagesproduktion vernichten müssen.»

Wer jetzt einen Mastbullen verkaufen will erzielt um 800 Mark, berichtet der Referent für Rindfleischproduktion der schleswig- holsteinischen Landwirtschaftskammer, Hans-Jürgen Kunz. In normalen Zeiten lag der Erlös etwa doppelt so hoch. Nach seiner Schätzung stehen in Schleswig-Holstein derzeit etwa 50000 Rinder in den Ställen, die seit November hätten vermarktet werden müssen. Die Tendenz ist steigend, weil kaum jemand einen Käufer findet. Andere hätten einfach nur Angst, dass der BSE-Test positiv ausfallen könnte.

Damit verschärfen sich für die Rinderhalter die Liquiditätsprobleme. Bauern wie Hans Karstens trifft es nicht ganz so schlimm. Der Familienbetrieb hat Milchproduktion als zweites Standbein. Das verschafft ihm etwas wirtschaftlichen Spielraum. Wer jedoch nur auf Rindermast spezialisiert ist, holt sich mit jedem verkauften Rind ein Defizit von etwa 300 Mark in seine Bilanz, berichtet Kunz. Auch beim Zukauf zahle der Bauer unter dem Strich drauf. «Was das bei einem Betrieb mit 300 Bullen bedeutet, kann man sich ausrechnen.» Wer jetzt einen neuen Stall gebaut oder anderweitig investiert hat, gerät schnell in Schwierigkeiten. «Den ersten steht das Wasser bis zum Hals,» sagt Karstens. Ein Insolvenzfall sei bereits bekannt.

Er fordert schnelle Hilfe der Politik. Eine Marktentlastung um 400000 Tiere sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. «Wir brauchen jetzt einen Fleisch-Export für unsere hochwertige Ware und finanzielle Unterstützung.» Wenn nicht schnell Hilfe komme, würden viele Betriebe die Krise nicht überstehen, «es wird konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe gleichermaßen treffen», ist sich Karstens sicher. Dies werde weit reichende Folgen haben. Der Landhandel und die Landtechnik bekämen dies bereits zu spüren. Investieren könne zurzeit niemand. Die Krise sei längst nicht mehr ein Problem nur für die Landwirte, sie treffe die ganze Gesellschaft.

Fr, den 19.01.2001 11:05, - Reuters (Stuttgart) -
Neuer BSE-Verdachtsfall in Baden-Württemberg (Kreis Reutlingen)
In Baden-Württemberg ist ein neuer BSE-Verdachtsfall festgestellt worden. Wie das Landwirtschaftsministerium am Freitag in Stuttgart mitteilte, ergab ein Schnelltest bei einer Kuh aus dem Landkreis Reutlingen einen Verdacht auf die Rinderseuche BSE. Das fünfeinhalb Jahre alte Tier stamme aus Baden- Württemberg und sei vor einer Woche wegen einer Erkrankung getötet worden. Der betroffene Betrieb sei gesperrt worden. Das Ergebnis einer Untersuchung durch die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten in Tübingen, das endgültige Klärung bringen solle, werde für Anfang nächster Woche erwartet. Bislang sind 16 BSE-Fälle bei Rindern aus Deutschland bestätigt, zwei davon in Baden-Württemberg und sieben in Bayern.
Do, den 18.01.2001 22:05, - AP (Bukarest) -
Creutzfeldt-Jakob-Fall in Rumänien
In Rumänien ist offenbar erstmals ein Fall der menschlichen Form des Rinderwahnsinns aufgetreten. Eine Patientin, die mehrere Jahre im Ausland gelebt hat, wurde nach einem Bericht des Fernsehsenders Pro TV vom Donnerstag mit entsprechenden Symptomen in ein Bukarester Krankenhaus eingeliefert. Die vorläufige Diagnose laute Creutzfeldt-Jakob, erklärte der Leiter der neurologischen Abteilung des Universitätskrankenhauses. Die Frau sei vor kurzem nach Rumänien zurückgekehrt. Wo sie zuvor lebte, wurde nicht gesagt.
Do, den 18.01.2001 20:45, - Reuters (Berlin) -
Künast plant wegen BSE Behörde für Verbraucherschutz
Die Bundesregierung will die Rinderseuche BSE mit einem Sofortprogramm sowie einer Bundesbehörde für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bekämpfen. Zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche, die ganz im Zeichen der BSE-Krise steht, kündigte Agrarministerin Renate Künast (Grüne) am Donnerstagabend darüber hinaus ein Rahmengesetz zum Verbraucherschutz und zur neuen Landwirtschaftspolitik an. Sie wolle vorsorgenden statt nachsorgenden Verbraucherschutz. Ihr Ziel sei, dass irgendwann kein ungetestetes Rindfleisch mehr in den Handel gelange, sagte Künast in ihrer ersten Rede vor dem Bundestag. Aus Bayern wurde ein neuer BSE-Verdachtsfall gemeldet.

Künast sagte zur Eröffnung der Landwirtschaftsmesse, sie habe die BSE-Beauftragte der Bundesregierung, Hedda von Wedel, gebeten, Vorschläge für eine entsprechende Behörde zu unterbreiten. Bereits weit vor dem Bericht von Wedels zu Schwachstellen bei der Bekämpfung der Rindeseuche BSE werde sie in ihrem Ministerium ein wissenschaftliches Beratungsgremium einrichten. Künast kündigte ein BSE-Sofort-Programm sowie ein Rahmengesetz zum Verbraucherschutz und zur neuen Landwirtschaftspolitik an.

Notwendig seien eine Positivliste für erlaubte Futtermittel, stärkere Kontrollen, ein EU-weites Verfütterungsverbot von Tiermehl und -fetten sowie die Ausweitung von BSE-Tests auch auf Schlachtrinder, die jünger als 30 Monate seien, sagte Künast. Bereits in der nächsten Woche werde sich das Bundeskabinett mit der Entsorgung der Altbestände an Tiermehl und -fetten auf den Bauernhöfen befassen.

Bei der BSE-Bekämpfung heiße das Zauberwort der Stunde vorbeugender Verbraucherschutz, sagte Künast zur Eröffnung der Grünen Woche und im Bundestag. Sie forderte die Opposition auf, mit der Koalition an einem Strang zu ziehen. Gleichzeitig warf sie der Vorgängerregierung aber vor, die BSE-Krise verschleppt zu haben. Nur so lasse sich das Vertrauen der Konsumenten wiedergewinnen, was auch im Interesse der finanziell angeschlagenen Bauern liege. Schätzungen von Experten, die Zahl der BSE-Fälle werde in diesem Jahr auf 200 bis 500 steigen, könnten noch zu niedrig liegen.

Verstöße gegen das Verbot von Tiermehl in Rinderfutter würden künftig härter bestraft, kündigte die Ministerin an. Altbestände an Futtermitteln will sie vernichten, die Verarbeitung von als riskant geltenden Fleischbestandteilen verbieten lassen. Das Sofortprogramm deckt sich mit einer Anti-BSE-Strategie, auf die sich die Agrar-Staatssekretäre von Bund und Ländern bereits am Mittwochabend geeinigt hatten. Sie hatten sich für ein eigenes BSE-Bekämpfungs-Gesetz ausgesprochen, um bundeseinheitliche Standards zu erreichen.

Die Union forderte die Regierung auf, einen Solidarfonds für die geschädigten Bauern zu errichten. Bei besonderen Notlagen könnten sich Bund und Länder die Finanzierung der Hilfen teilen, heißt es in einem Papier der Agrarexperten der Union. Im Bundestag warfen Unionsabgeordnete der Bundesregierung vor, sie habe in der BSE- Krise "teilweise bewusst desinformiert" und zeige noch immer Hilflosigkeit und Kommunikationsprobleme.

EU-Agrarkommissar Franz Fischler sagte zur Eröffnung der Grünen Woche, es müsse jetzt endlich das in der Landwirtschaft umgesetzt werden, was die Gesellschaft von der Landwirtschaft erwarte. Dazu gehöre, dass die Qualität und Sicherheit von Nahrungsmitteln gesichert sei. In einem Interview der "Frankfurter Rundschau" (Freitagausgabe) sagte Fischler, Deutschland könne darauf verzichten, bei nur einem BSE-Fall die komplette Herde zu töten. Es sei nicht nachzuvollziehen, warum ein Tier getötet werden solle, das erst vor kurzem in die Herde zugekauft worden sei, während die Infektion des BSE-Rindes wahrscheinlich schon länger zurückliege. Die Bundesregierung solle der EU entsprechende Pläne vorlegen, nur die Tiere zu töten, die im selben Jahr wie das erkrankte Rind sowie in dem Jahr davor und danach geboren seien. Wenn der Werdegang der Tiere "ordentlich dokumentiert ist, kann das von uns gehmigt werden", sagte Fischler, der die BSE-Krise als Menetekel bezeichnete.

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner forderte die Supermarkt-Ketten auf, auf extreme Billigangebote bei Lebensmitteln zu verzichten. "Lockvogel-Angebote" seien oft nur unter Verzicht auf Qualität möglich. Zugleich begrüßte er den Neuzuschnitt des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft.

Einen neuen BSE-Verdachtsfall meldete das bayerische Gesundheitsministerium. Betroffen ist eine im oberbayerischen Waldkraiburg geschlachtete Kuh, die 1996 geboren worden war. Eine Untersuchung der Bundesforschungsanstalt für die Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen solle endgültige Klarheit bringen, hieß es. Sieben der 16 Fälle von Rinderwahnsinn in Deutschland kommen aus Bayern.

Do, den 18.01.2001 19:45, - dpa (London/Kopenhagen/Warschau) -
Briten beschlagnahmen deutsches Rindfleisch
Die britische Lebensmittelbehörde hat 41000 Kilogramm Rindfleisch aus Deutschland beschlagnahmt. Das Fleisch enthalte Reste von Rückenmark und verletze damit die EU-Bestimmungen, teilte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag in London mit.

Es gehe um 20503 Kilogramm aus dem Landkreis Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) und 20399 Kilogramm aus dem Kreis Minden- Lübbecke (Nordrhein-Westfalen).

Das Fleisch sei nach Nordirland eingeführt und dort am Mittwoch in zwei Verarbeitungsfabriken von Beamten des Landwirtschaftsministeriums untersucht und sichergestellt worden. Es werde nun wahrscheinlich vernichtet. Diese Verletzung der BSE- Bestimmungen würden zur weiteren Untersuchungen an die deutschen Behörden und die EU-Kommission weitergeleitet.

Dänische Bauernverbände drohen unterdessen mit Steuerboykott ihrer Mitglieder, weil die Regierung in Kopenhagen keine Kompensation für vermehrte Kosten durch BSE-Untersuchungen zahlen will. Lebensmittelministerin Ritt Bjerregaard hatte die Verweigerung von Kompensationszahlungen damit begründet, dass die BSE-Probleme durch das Auftreten von Rinderwahnsinn in Dänemark von den Landwirten selbst zu verantworten sei.

Bjerregaard sagte: «Die Probleme sind eine Konsequenz der Produktionsmethode, für die man sich entschieden hat. Es gilt für die Landwirtschaft ebenso wie für andere Erwerbszweige, dass man Lasten daraus selbst zu tragen hat.»

Die Fachverbände der Viehzüchter und Milchbauern hatten die durchschnittlichen Einkommensverluste durch neue EU-Bestimmungen gegen Rinderwahnsinn auf knapp 25000 Mark je Hof von normaler Größe errechnet.

Der polnische Chefveterinär Andrzej Komorowski hat zum Schutz vor BSE die Einfuhr von Rindfleisch, Fleischprodukten und lebenden Rindern aus Italien und Österreich verboten. Bereits seit dem 10. Dezember war der Import von Tiermehl aus den beiden Ländern verboten worden. Dieses Verbot wurde mittlerweile auf sämtliche EU-Staaten ausgedehnt.

Aus Furcht vor BSE dürfen nun aus zwölf EU-Staaten kein Rindfleisch oder Rindfleischprodukte nach Polen eingeführt werden. Von dem Einfuhrverbot sind unter anderem Großbritannien, Irland, Spanien, Frankreich und Deutschland betroffen. In Polen ist bisher kein Fall von BSE bekannt geworden. (URL: http://www.wetgiw.gov.pl/aktual.html )

Do, den 18.01.2001 19:05, - dpa (Berlin) -
Bundesinstitut erwägt Aufbau einer BSE-infizierten Herde auf Ostseeinsel Riems
Zur besseren Erforschung der Rinderseuche BSE erwägt die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere den Aufbau einer Herde mit BSE-infizierten Tieren auf der Ostseeinsel Riems. Die Voraussetzungen auf der Insel wären ideal, sagte der Präsident der Anstalt, Thomas Mettenleiter. Allerdings müssten für diesen Plan die gesetzlichen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen geschaffen werden. Auf Riems werden derzeit vier mit BSE-infizierten Rindern verwandte Tiere zur Beobachtung in einem Sicherheitsstall gehalten.
Do, den 18.01.2001 16:05, - AP (Wiesbaden) -
100 fraglich positive BSE-Testergebnisse in Hessen
Bei BSE-Schnelltests in Hessen sind 100 Proben «schwach positiv» getestet worden. Wie das hessische Sozialministerium am Donnerstag in Wiesbaden berichtete, handelt es sich um Gewebeproben von Rindern, die in den vergangenen Tagen in Gießen geschlachtet wurden. Ein zweiter Schnelltest beim staatlichen Veterinäruntersuchungsamt Gießen habe die Ergebnisse bestätigt.
Dennoch geht das Ministerium davon aus, dass die horrend hohe Zahl fraglich positiver Ergebnisse auf eine Überempfindlichkeit des Testverfahrens zurückzuführen ist. «Das Land Hessen geht aber selbstverständlich auf Nummer sicher», sagte Sozialministerin Marlies Mosiek-Urbahn (CDU). Um Klarheit zu gewinnen, sei der Test noch ein drittes Mal durchgeführt worden. Ergebnisse würden für Donnerstagabend erwartet.

Sollte auch der dritte Schnelltest identische Ergebnisse bringen, werde die Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen eingeschaltet. Mosiek-Urbahn forderte die Bundesregierung auf, die Forschung zur Verbesserung der Schnelltest zu verstärken.

Do, den 18.01.2001 13.45, - dpa (Berlin) -
Künast rechnet mit starkem BSE-Anstieg
Die neue Ministerin für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, Renate Künast, rechnet mit einem weiteren starkem Anstieg der BSE-Fälle in Deutschland und der EU. Für die BSE-Krise machte sie die jahrzehntelange verfehlte Agrarpolitik verantwortlich. Zugleich unterstrich die neue Ministerin in ihrer ersten Rede vor dem Bundestag, dass sie ihr Amt nicht gegen die Bauernschaft führen wolle.
Do, den 18.01.2001 12:35, - dpa (Berlin) -
Weitere Entwicklungen in der BSE-Krise
Die neue Ministerin für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, Renate Künast, ist nach ihrer Vereidigung in Berlin mit EU-Agrarkommissar Franz Fischler zusammengetroffen. Einzelheiten der Unterredung wurden zunächst nicht bekannt. Unterdessen hat Künast noch nicht entschieden, ob in Deutschland bis zu 400 000 ältere Rinder aufgekauft, geschlachtet und verbrannt werden sollen, um den Markt zu entlasten.
Do, den 18.01.2001 07:00, - Reuters (Paris) -
Französische Ministerien wegen BSE-Klagen durchsucht
Die Staatsanwaltschaft Frankreichs hat nach Angaben aus Justizkreisen in Paris mehrere Ministerien im Zusammenhang mit Vorwürfen zu mutmaßlichen BSE-Todesfällen durchsucht. Staatsanwälte und Polizisten hätten am Mittwoch in Büros des Wirtschafts-, Gesundheits- und Finanzministeriums Dokumente beschlagnahmt, hieß es. Familie von Opfern der Creutzfeldt- Jakob-Krankheit (CJD) hatten im Dezember Klage auf fahrlässige Tötung gegen Unbekannte eingereicht. Sie werfen französischen, britischen und europäischen Behörden vor, nicht ausreichend gegen die Verbreitung der Rindseuche BSE vorgegangen zu sein.

Bei den Klagen in Frankreich geht es um den Tod eines 27-jährigen Mannes 1996 und einer 36-jährigen Frau im Februar 2000 sowie um einen 19-Jährigen, der sich vermutlich im Endstadium von CJD befindet. Die Kläger werfen der Europäischen Union (EU) vor, nicht die Ausfuhr von Tierfutter aus Großbritannien gestoppt zu haben, weil sie die Öffnung der europäischen Grenzen 1992 nicht verzögern wollten. Frankreich habe dem zugestimmt, um die eigene Fleischindustrie zu schützen. Die Pariser Staatsanwaltschaft erwägt nach eigenen Angaben ebenfalls eine Klage.

Mi, den 17.01.2001 23:15, - Reuters (Berlin) -
Bund und Länder einigen sich auf Plan zur BSE-Bekämpfung
Bund und Länder haben sich auf auf ein gemeinsames Vorgehen in der BSE-Krise verständigt. Die Agrar-Staatssekretäre hätten vereinbart, nun schnellstmöglich ein BSE-Bekämpfungsgesetz zu erlassen, sagte Brandenburgs Landwirtschaftsminister Wolfgang Birthler (SPD) am Mittwoch in Berlin. Bundeseinheitliche Regelungen seien vor allem für die Tötung einer ganzen Herde nach Auftreten eines BSE-Falls nötig. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner appellierte an den Bund, sich zur umstrittenen Vernichtung von 400.000 Rindern durchzuringen. Der BSE-Verdacht bei einer dritten Kuh aus Niedersachsen und bei einem Rind aus Baden- Württemberg wurden bestätigt. Damit stieg die Zahl der an BSE erkrankten Rinder in Deutschland auf 16.


Nach Birthlers Worten machten Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen und Bayern zwar Bedenken gegen das Verfahren geltend, doch sei der Beschluss für eine einheitliche Regelung einstimmig gefallen. Im Gegensatz zu den anderen Bundesländern wird in Bayern die so genannte Schweizer Kohortenschlachtung angewendet, die nur verwandte und Tiere des gleichen Jahrgangs betrifft.


Die Staatssekretärsrunde habe sich zudem darauf verständigt, die gesetzlich vorgeschriebenen BSE-Tests umgehend auch auf Rinder auszudehnen, die jünger als 30 Monate sind. Bislang ist dies die Grenze. Zudem solle festgelegt werden, wie mit noch vorhandenem Futtermittel umgegangen werden soll, das Tiermehl oder Tierfette enthält und somit dem Verfütterungsverbot unterliegt. Hierbei geht es nach Worten des schleswig-holsteinischen Staatssekretärs Rüdiger von Plüskow vor allem um die Frage, ob der Bund für die Entschädigungen aufkommt. Auch die Frage, wer die Kosten für die anfallenden BSE-Tests trage, sei noch nicht geklärt.

Mi, den 17.01.2001 20:10, - AP (Bremen/Stuttgart) -
Zwei weitere BSE-Fälle in Deutschland bestätigt
In Niedersachsen und in Baden-Württemberg

Zwei weitere BSE-Verdachtsfälle haben sich am Mittwochabend bestätigt - einer in Niedersachsen und einer in Baden-Württemberg. Dies teilten das Gesundheitsressort in Bremen und das Ministerium ländlicher Raum in Stuttgart unter Berufung auf die Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen mit.

Die in Niedersachsen betroffene Kuh stammte von einem Hof in Loxstedt vor den Toren von Bremerhaven. Dort war das 1996 geborene Tier am 12. Januar geschlachtet worden. Wie bei allen über 30 Monate alten Rindern wurde routinemäßig eine Gehirnprobe zur Untersuchung entnommen. Am Sonntag traf in Bremen dann die Mitteilung ein, dass BSE-Verdacht bestehe. Die Probe ging daraufhin nach Tübingen, wo sich der Verdacht bestätigte. Für das weitere Vorgehen seien nun die Behörden in Niedersachsen zuständig, sagte eine Sprecherin von Bremens Gesundheitssenatorin Hilde Adolf (SPD). Es handelt sich bereits um den dritten BSE-Fall in Niedersachsen.

Das in Baden-Württemberg betroffene Rind stammte aus dem Landkreis Ravensburg. Das Stuttgarter Ministerium ländlicher Raum erklärte nach der Bestätigung dieses zweiten BSE-Falls in dem Bundesland, die zuständige Verwaltungsbehörde vor Ort sei unverzüglich angewiesen worden, «die eingeleiteten erforderlichen Maßnahmen nach den Bestimmungen des Bundestierseuchengesetzes umzusetzen». Dies bedeutet die Tötung aller übrigen Rinder der Herde.

Mi, den 17.01.2001 17:50, - AP (Paris) -
Französische Gesundheitsbehörde in BSE-Ermittlungen durchsucht
Im Zuge von Ermittlungen in der BSE-Affäre ist am Mittwoch die französische Gesundheitsbehörde DGS in Paris durchsucht worden. Die Aktion wurde von der Untersuchungsrichterin Marie-Odile Bertella-Geffroy geleitet, wie Justizkreise berichteten. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete kurz vor Weihnachten ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt ein, nachdem Angehörige von Opfern der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit Klage eingereicht hatten. Die Direction Generale de la Sante untersteht dem französischen Gesundheitsministerium. Rinderwahn gilt als Auslöser der neuen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen.
Mi, den 17.01.2001 17:00, - AP (Magdeburg) -
Sachsen-Anhalt startet Gendatenbank für Rinder
Neue Methode soll Herkunft und Abstammung zweifelsfrei dokumentieren

In Sachsen-Anhalt fällt in der kommenden Woche der Startschuss für ein neues Erfassungssystem für Rinder, das Abstammung und Herkunft der Tiere zweifelsfrei dokumentieren soll. Die Landesregierung in Magdeburg wolle mit dem neuen Ohrmarkensystem eine bundesweite Innovation anstoßen, erklärte Agrarminister Konrad Keller am Mittwoch in Magdeburg. Der SPD-Politiker kündigte zudem einen Bundesratsantrag Sachsen-Anhalts zur Einrichtung einer bundes-und europaweiten Gendatenbank für Kühe an.

Bei der neuartigen Methode werden nach Angaben Kellers beim Durchstechen der Ohren zum Anbringen der Marke automatisch Gewebeproben aller neugeborenen Kälber entnommen. Angesichts der BSE-Krise wandte sich Keller entschieden gegen Diskussionen um zu hohe Kosten. «Das sei kurzfristig gedacht», sagte er. Die Gendatenbank werde erstmals das Kennzeichnungssystem der Rinder auf eine verlässliche Basis stellen. Zudem könne die Einrichtung die Zucht vereinfachen. «Sollten sich Vermutungen bestätigen, dass BSE auf eine genetische Veranlagung zurückgeht, können wir ganz gezielt nach kritischem Genmaterial suchen», erklärte der Minister.

Bis die Kennzeichnung aller Rinder überall gesetzlich und verbindlich vorgeschrieben ist, will Sachsen-Anhalt den Angaben zufolge das neue System auf freiwilliger Basis einführen. Dabei werde sich das Land an den Kosten für die Ohrmarken beteiligen. Die Gewebeproben sollen im Landesveterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamt gesammelt und ausgewertet werden.

Mi, den 17.01.2001 16:15, - AP (Hannover) -
Nach BSE-Fall nur Teil der betroffenen Rinderherde getestet
Landkreis Celle hielt Test bei jüngeren Tieren für sinnlos

In Niedersachsen ist bei der Untersuchung einer Rinderherde, in der ein BSE-Fall aufgetreten war, eine Panne passiert. Nach Angaben des Landwirtschaftsministerium in Hannover wurden am Samstag bei der Tötung des Bestandes eines Hofes in Celle-Klein-Hehlen von 26 jüngeren Tieren keine Gehirnproben für die vorgeschriebenen BSE-Tests genommen. Der Landkreis Celle habe sich auf dem Standpunkt gestellt, dass bei den 26 Tieren im Alter bis zu 13 Monaten ein BSE-Test noch keinen Sinn mache, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch.

Die untergeordnete Behörde sei damit eigenmächtig von dem zwischen Bund und Ländern abgestimmten Katalog über Maßnahmen bei BSE-Infektionen abgewichen, kritisierte der Ministeriumssprecher. Nach dem zweiten niedersächsischen BSE-Fall waren am Samstag alle 105 Rinder des Hofes in Klein Hehlen gekeult worden. Die BSE-Test bei den untersuchten 79 Kadavern fielen den Angaben zufolge negativ aus. Der Landkreis Celle war zunächst gegen die Tötung des gesamtes Bestandes und hatte sie erst nach einer Weisung des Ministeriums angeordnet.

Mi, den 17.01.2001 16:05, - AP (München) -
Forscher wirft Behörden Behinderung von BSE-Tests vor
Der Schweizer BSE-Forscher Markus Moser hat den deutschen Behörden schwere Versäumnisse beim Verbraucherschutz vorgeworfen. Der Zürcher Wissenschaftler, der 1998 den ersten BSE-Schnelltest auf den Markt gebracht hatte, sagte dem ZDF-Magazin «Kennzeichen D» vom Mittwoch: «Es wurde von Anfang an Druck ausgeübt von der Bürokratie, zum Teil auch von der Fleischwirtschaft, eben keinen BSE-Test in Deutschland durchzuführen.»
Erst im Dezember 2000 habe die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere den Schnelltest zugelassen, den die Firma Prionics an der Universität Zürich entwickelt habe. Der Test ist seit 1999 Bestandteil des Schweizer Untersuchungsprogramms. Mit ihm war es erstmals möglich, infizierte Tiere, die noch keine Symptome des Rinderwahns zeigten, zu entdecken und aus der Nahrungskette herauszuhalten. Der Chefveterinär des Bundeslandwirtschaftsministeriums hatte noch Mitte November 2000 erklärt, nur kranke und verendete Tiere sollten untersucht werden. Jedes Rind zu untersuchen, erzeuge eine falsche Sicherheit.

Mi, den 17.01.2001 14:59, - AP (Wiesbaden) -
Länder wollen Wursthersteller an den Pranger stellen
Mehrere Bundesländer haben sich darauf verständigt, Wursthersteller künftig öffentlich an den Pranger zu stellen, sollte erneut falsch deklarierte Ware in den Handel kommen. Wie die hessische Sozialministerin Marlies Mosiek-Urbahn (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden berichtete, haben sich in einer Telefonkonferenz die Länder Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Saarland, Sachsen und Thüringen auf dieses Vorgehen geeinigt. Um Transparenz für die Verbraucher herzustellen, müssten bei Verstößen Ross und Reiter genannt werden.
Nach den Worten Mosiek-Urbahns werden Hessen und das Saarland zudem eine Bundesratsinitiative einbringen, damit die falsche Deklarierung von Wurstwaren künftig strenger bestraft werden kann. So müsse künftig auch dann der Staatsanwalt aktiv werden, wenn Fleisch und Fleischerzeugnisse grob fahrlässig mit falschen Etiketten in den Handel kämen. Bislang sind falsche Deklarierungen nur dann strafbar, wenn ein Vorsatz nachgewiesen werden kann. Zudem müsse der Strafrahmen, der bislang Freiheitsstrafen von maximal einem Jahr vorsieht, erweitert werden, forderte die CDU-Politikerin.

Mi, den 17.01.2001 14:00, - AP (Kiel) -
Bundesanstalt hält Milch für sicher vor BSE
Milch und Milchprodukte können offenbar trotz BSE-Gefahr problemlos weiter konsumiert werden. Das gab am Mittwoch die Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel bekannt. Nach Angaben der Behörde liegen keine experimentellen Erkenntnisse vor, die für eine BSE-Ansteckung über die Milch sprächen.
Die Forscher beriefen sich auf Ergebnisse aus Großbritannien, wo in einem Experiment Mäusen Milch und Milchdrüsengewebe in das Gehirn gespritzt worden sei, die Tiere aber gesund geblieben seien. Auch 193 Kälber, die von BSE-befallenen Rindern gesäugt wurden, seien nicht selbst krank geworden. Dennoch hält es die Bundesanstalt für richtig, diese fünf Jahre alten Ergebnisse zu überprüfen und neue Experimente vorzunehmen. Die Ergebnisse könnten dann in drei bis fünf Jahren vorliegen. Bis dahin «ist davon auszugehen, dass Milch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit unbedenklich ist», hieß es.

Mi, den 17.01.2001 10:30, - AP (Hamburg) -
Konsumenten würden für gesunde Lebensmittel mehr bezahlen
Als Konsequenz aus der BSE-Krise würden fast 80 Prozent der Verbraucher mehr Geld für Fleisch, Milch oder Eier aus artgerechter Tierhaltung ausgeben. Wie eine am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag des «Stern» ergab, wäre für knapp zwei Drittel ein Preisanstieg bei Rindfleisch von jetzt 16 auf 20 Mark pro Kilo akzeptabel. Bei 35 Mark pro Kilo scheint aber die Schmerzgrenze der 1.012 Befragten erreicht: Dann wären nur noch fünf Prozent zum Kauf bereit.
Ähnlich war das Ergebnis den Angaben zufolge bei Eiern, Milch und Hühnern: Auch hier wollten die meisten befragten Verbraucher allenfalls moderate Preissteigerungen hinnehmen. Gut 70 Prozent der Konsumenten würden für ein Ei statt 30 auch 40 Pfennig zahlen; bei einem Preis von 60 Pfennig sind es aber nur noch 13 Prozent. Das gleiche Bild bei der Milch: 71 Prozent schien auch ein Literpreis von 1,30 Mark akzeptabel; bei einem Preis von zwei Mark würden hingegen nur noch 14 Prozent zugreifen.

Mi, den 17.01.2001 07:05, - Reuters (Wien) -
Erster BSE-Verdacht in Österreich nicht bestätigt
Der erste BSE-Verdachtsfall in Österreich hat sich nach Regierungsangaben als unbegründet erwiesen. Wie der Landeshauptmann (Ministerpräsident) von Tirol, Wendelin Weingartner, der Nachrichtenagentur APA am Dienstagabend mitteilte, hätten Tests an der Universität Tübingen ergeben, dass ein Schlachtrind aus Tirol nicht von BSE befallen gewesen sei. Das siebenjährige Tier war im November nach Deutschland verkauft und vor kurzem in Baden-Württemberg geschlachtet worden. Dort hatte ein erster Test auf eine BSE-Infektion hingedeutet.

In Österreich wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit Anfang des Jahres rund 4500 Proben von Schlachtrindern mit Schnelltests untersucht. Dabei habe sich kein Verdacht auf die Rinderseuche ergeben.

Di, den 16.01.2001 22:05, - Reuters (Madrid) -
Zwei neue BSE-Verdachtsfälle in Spanien
In Spanien sind am Dienstag nach Behördenangaben mindestens zwei weitere Verdachtsfälle der Rinderseuche BSE bekannt geworden. Agrarminister Miguel Arias Canete sagte, in der nordspanischen Region Asturien gebe es zwei Verdachtsfälle. Einen Rundfunkbericht, es gebe noch einen dritten BSE-Verdachtsfall in der Region Kastilien-Leon, bestätigte das Ministerium zunächst nicht.

In Spanien sind bislang fünf BSE-Fälle bestätigt worden. Canete rief die Bevölkerung im Rundfunk auf, nicht in Panik zu verfallen. Bisher gebe es in Spanien keinen Fall eines durch BSE-Erregern infizierten Menschen. Am Montag hatten die oppositionellen Sozialisten Canete und Gesundheitsministerin Celia Villalobos mit der Begründung zum Rücktritt aufgefordert, sie nähmen BSE nicht ernst genug.

Di, den 16.01.2001 20:20, - Reuters (Wien) -
In Tirol deutsches Rinderfutter mit Tiermehl entdeckt
In dem Tiroler Dorf, aus dem das unter BSE-Verdacht stehende österreichische Rind stammt, ist am Dienstag verbotenes Tiermehl im Tierfutter entdeckt worden. Die Knochenreste seien bei einer Futtermittelprobe nachgewiesen worden, sagte der Sprecher der Tiroler Landesregierung, Herwig Ortner, der Nachrichtenagentur Reuters. Das Futter stamme aus Deutschland. Nach dem BSE-Verdacht gegen das Tier aus Schattwald waren in der Umgebung Futterproben gezogen worden. Tiermehl sei in jenem Betrieb festgestellt worden, in dem das möglicherweise mit BSE infizierte Tier geboren wurde, sagte Ortner.

Bei dem mit Tiermehl versetzten Produkt handelt es sich den Angaben zufolge um ein Ergänzungsfutter für Milchkühe eines Herstellers aus Würzburg. An dem Fund sei vor allem brisant, dass der Landwirt eine Bestätigung der Erzeugerfirma vorlegen konnte, dass dieses Futter frei von Tiermehl und Fleischknochenmehl sei, sagte Ortner. In dem Bericht des Testlabors hieß es, in der Probe seien Spuren von Landtierknochenteilchen nachgewiesen worden. Ihr Anteil sei mikroskopisch gerade noch erfassbar und liege bei etwa 0,5 Prozent. In Österreich ist Tiermehl im Futter von Wiederkäuern seit zehn Jahren verboten.

In den Futterproben von dem Bauernhof, auf dem die Kuh lebte, bei der sich der BSE-Verdacht ergeben hatte, wurde nach Angaben von Landwirtschaftsminister Willi Molterer jedoch kein Tiermehl gefunden. Das siebenjährige Tier wurde im November nach Deutschland verkauft und vor kurzem in Baden-Württemberg geschlachtet. Dort deutete ein erster Test auf eine Infektion mit der Rinderseuche BSE hin. Das Ergebnis einer Untersuchung an der Universität Tübingen, die klären soll, ob damit auch Österreich seinen ersten BSE-Fall hat, wurde für Mittwoch oder Donnerstag erwartet.

Di, den 16.01.2001 19:45, - AP (Rom) -
Erster BSE-Fall in Italien bestätigt
Fleischlieferant von McDonalds betroffen

Auch Italien ist nicht mehr frei vom Rinderwahn: Abschließende Tests haben am Dienstag den ersten BSE-Fall einer italienischen Kuh bestätigt. Das erkrankte Tier stammt von einem Hof bei Brescia und wurde in einem Schlachthaus in Lodi getötet, das auch die Schnellimbisskette McDonalds beliefert. Die übrigen 190 Kühe des betroffenen Betriebs werden nun vermutlich getötet.

Das Schlachthaus in Lodi gehört zur Cremonini-Gruppe, dem ausschließlichen Fleischlieferanten für McDonalds in Italien, wie ein Sprecher von Cremonini am Montag bestätigte. Ob das Fleisch aus Lodi auch in Filialen des amerikanischen Unternehmens in anderen europäischen Ländern gelangt ist, war zunächst unklar. McDonalds erklärte, es werde an seinem italienischen Zulieferer festhalten; der Schutz der Verbraucher sei gewährleistet.

Bei der erkrankten Milchkuh handelt es sich um ein sechs Jahre altes Tier. Bereits 1994 hatte es in Italien zwei BSE-Fälle gegeben, diese waren allerdings bei aus Großbritannien importierten Tieren aufgetreten.

Di, den 16.01.2001 17:48, - Reuters (Frankfurt) -
Erster BSE-Verdachtsfall im Saarland
Auch im Saarland gibt es einen ersten BSE-Verdachtsfall. Der BSE-Schnelltest bei einem am Freitag geschlachteten 25 Monate alten Tier aus dem Landkreis Saarlouis sei schwach positiv ausgefallen, teilte das saarländische Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Auch ein Wiederholungstest bei dem im Saarland geborenen Tier sei schwach positiv. Gewissheit solle nun eine Untersuchung in der Bundesforschungsanstalt in Tübingen bringen, deren Ergebnis allerdings frühestens am Freitag vorliegen werde. Der betroffene Betrieb sei gesperrt und die Verwertung der Milch auf Weisung des Ministeriums untersagt worden.


Unklare Testergebnisse seien bei BSE-Untersuchungen nicht ungewöhnlich, da die Laborwerte anhand einer Skala interpretiert würden, erklärte das Ministerium. Bei dem Tier aus Saarlouis sei die Positiv-Marke nur knapp überschritten gewesen. Getestet wurde das lediglich 25 Monate alte Tier überhaupt nur, weil im Saarland nach einer Vereinbarung zwischen Gesundheitsministerium und Fleischerinnung auch Tiere untersucht werden, die jünger als 30 Monate sind. Sollte sich der BSE-Verdacht bestätigen, wäre es der 15. BSE-Fall in Deutschland.

Das positiv getestete Tier stamme aus einem Bestand mit 102 Tieren, teilte das Ministerium mit. Drei weitere Tiere vom gleichen Hof, die ebenfalls am Freitag geschlachtet worden seien, hätten eindeutig negative Ergebnisse. Sollte sich das Ergebnis bestätigen, kündigte das Ministerium die Tötung des gesamten Rinder-Bestandes auf dem betroffenen Hof an. Dies sei im Interesse der Verbraucher nötig, um alle erdenklichen potenziellen Gefährdungen auszuschließen, solange es kein Testverfahren gebe, um lebende Tiere auf BSE zu untersuchen.

Di. den 16.01.2001 17:05, - AP (Magdeburg) -
Aus für chirurgisches Nahtgut aus Rinderdarm in Sachsen-Anhalt
Gesundheitsministerin sprach Anwendungsstopp aus

Fäden aus Rinderdarm dürfen in Sachsen-Anhalt ab sofort nicht mehr in der Chirurgie verwendet werden. Gesundheitsministerin Gerlinde Kuppe (SPD) habe einen Anwendungsstopp ausgesprochen, um größtmöglichen Verbraucherschutz zu gewährleisten, teilte Regierungssprecher Franz Stänner nach einer Kabinettssitzung am Dienstag in Magdeburg mit. Grundlage sei die Einschätzung des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte, wonach nicht auszuschließen ist, dass für dieses Nahtgut auch BSE-Risikomaterial verwendet wird.

Das Nahtgut werde aus der Darmoberhaut des Rindes gefertigt. Engpässe in der medizinischen Versorgung gebe es nicht. Der Anteil am gesamten chirurgischen Nähmaterial betrage lediglich rund zehn Prozent. Zudem gebe es synthetisches Material in gleicher Qualität, das in ausreichendem Maß den Kliniken und niedergelassenen Ärzten als Alternative zur Verfügung stehe.

Die Ministerin appellierte an alle Mediziner, sich sofort mit dem synthetischen Alternativ-Material einzudecken. Der Anwendungsstopp für Catgut werde auf der Grundlage des Medizinproduktegesetzes von der Gewerbeaufsicht Sachsen-Anhalts kontrolliert.

Darüber hinaus sprach sich die Ministerin für eine zügige Neubewertung aller etwaigen Restrisiken aus der Verwendung von Medizinprodukten aus. Das sei ein Gebot der Stunde, «solange die wissenschaftlichen Erkenntnisse möglicher Übertragungswege der Rinderseuche nicht hinreichend geklärt sind».

Di, den 16.01.2001 16:15, - Reuters (Stuttgart) -
Baden-Württemberg beschließt BSE-Soforthilfeprogramm (23 Mio DM)
Als erstes Bundesland hat Baden-Württemberg ein Soforthilfeprogramm für BSE-geschädigte Betriebe in Höhe von 23 Millionen DM beschlossen. Jeweils 10 Millionen DM in Form zinsverbilligter Liquiditätshilfen erhielten betroffene Rinderhalter und fleischverarbeitende Betriebe, sagte Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) am Dienstag in Stuttgart. Drei restlichen Millionen DM gingen in die Forschung.

Somit würden Rinderhaltern Förderdarlehen bis zu 400 DM je Rind und bis zu 60.000 DM je Unternehmen gewährt, sagte die Ministerin für ländlichen Raum, Gerdi Stablin (CDU). Darlehen für zusätzliche Kredite bei Hausbanken, Bürgschaftsübernahmen und Umschuldungen gingen unter anderem an Schlachtbetriebe, Metzgereien, Fleisch- und Viehhändler, Futtermittelhersteller, Milchwerke und die Lederindustrie

Teufel sagte, das gesamte Kabinett habe der von der Opposition angegriffenen Ministerin Stablin das Vertrauen ausgesprochen. Er habe schon zu Beginn der Legislaturperiode ihrem Ministerium den Verbraucherschutz allein unterstellt. Es werde deshalb keine organisatorischen Veränderungen in den Ministerien geben.

Am späten Montagabend waren in Baden-Württemberg zwei weiterte BSE-Verdachtsfälle im Kreis Ravensburg gemeldet worden. Dabei handelte es sich Teufel zufolge um Rinder, die wegen einer Krankheit getötet werden mussten. Bisher gibt es in Baden-Württemberg einen bestätigten BSE-Fall und einen weiteren Verdacht.

Di, den 16.01.2001 13:30, - dpa (Stuttgart) -
Zwei neue BSE-Verdachtsfällein Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg gibt es zwei neue BSE-Verdachtsfälle. Das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart teilte am Dienstag mit, beide Kühe stammten aus dem Landkreis Ravensburg.

Die 1994 und 1997 geborenen Tiere waren krank und wurden Anfang Januar getötet. Die Verdachtsfälle wurden vom staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt in Aulendorf festgestellt. Die endgültige Klärung soll durch die Tübinger Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten erfolgen. Das Ergebnis wird Ende dieser Woche erwartet. Die betroffenen Bauernhöfe wurden gesperrt.

Bislang wurde BSE bei 14 in Deutschland geborenen Rindern nachgewiesen. Sieben der Fälle wurden in Bayern bekannt, drei in Schleswig-Holstein, zwei in Niedersachsen und je einer in Baden- Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern.

Am Wochenende war außerdem bei einer aus Österreich stammenden Kuh im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen der Verdacht auf BSE bekannt gegeben worden. Das 1993 geborene Tier war erst Ende November 2000 in einen kleinen Bestand in der Gemeinde Wald gekommen. Das Untersuchungsergebnis der Bundesforschungsanstalt wird für diesen Mittwoch erwartet.

Bundesweit wurden bislang bereits mehr als 1100 Rinder getötet und vernichtet worden, weil dort ein BSE-Fall aufgetreten war. Am Dienstag wurden von einem von BSE betroffenen Hof im bayerischen Sigmarszell nahe Lindau 75 Rinder zur Tötung abtransportiert. An diesem Mittwoch werden die 270 Rinder des Bestandes im baden- württembergischen Ochsenhausen-Goppertshofen zur Keulung gebracht. Unklar ist noch, ob auch alle 80 Tiere eines Bestandes im bayerischen Freising getötet werden. Bayern stellt es den von einem BSE-Fall betroffenen Bauern bislang frei, nur einen bestimmten Teil der Tiere - die so genannte Kohorte - töten zu lassen.

Di, den 16.01.2001 12:10, - Liveline -
BSE durch Milch übertragbar?
Die Bundesregierung will untersuchen lassen, ob BSE-Erreger auch durch Milch übertragbar sind. Zwar gebe es dafür keinen Beleg, aber auszuschließen sei es auch nicht, sagte die neue Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne). Hintergrund ist ein Verdacht britischer Wissenschaftler. Sie fürchten, dass 1995 gemachte Untersuchungen möglicherweise fehlerhaft waren.

"Es ist erstaunlich, dass diese Forschung nicht früher unternommen wurde", sagte der Cambridge-Professor für Genetik, Malcolm Ferguson-Smith gegenüber der Sunday Times. Die Untersuchungen von 1995, aus denen geschlossen wurde, dass Rinderwahnsinn nicht durch Milch übertragen werden kann, wurden mit Kuhmilch gemacht, die Mäusen zu trinken gegeben oder injiziert wurde. Diese Untersuchungen seien wenig aussagekräftig, erklärte Ferguson-Smith. Die Artenbarriere sei ein zu großes Hindernis. Aussagekräftiger wären Tests gewesen, bei denen Kälbern Milch verabreicht wird. Ferguson-Smith: "Das wäre tausend Mal vernünftiger gewesen."

Di, den 16.01.2001 10:25, - dpa (Wiesbaden) -
Hessen kritisiert Absage der BSE-Konferenz als «Skandal»
Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel hat die Absage einer geplanten Bund-Länder-Konferenz zu den BSE-Fällen als «Skandal» kritisiert. Damit hätten die Erklärungen, dass die Bundesregierung die BSE-Krise offensiv angehen werde, bereits den ersten Rückschlag erlitten, so Dietzel. Die Länder hätten gehofft, bei der Konferenz bundeseinheitliche Antworten auf dringende Fragen wie Herdentötung und Tiermehlbeseitigung zu finden. Unterdessen geht der Streit um Rinder-Massentötungen im Zuge der BSE-Krise weiter.
Di, den 16.01.2001 06:15, - ntv-online -
75 Rinder von BSE-Hof abtransportiert
Die 75 Rinder auf einem von BSE betroffenen Hof im bayrischen Sigmarszell nahe Lindau sind am Morgen abtransportiert worden. Unterdessen geht die Debatte um die Massentötung von Rindern wegen der BSE-Krise weiter.

In drei Lastwagen mit Anhängern wurden die Rinder aus Sigmarszell zur Tierkörperbeseitigungsanstalt in Kraftisried gebracht. Die Polizei hatte das Gebiet um den Hof weiträumig abgesperrt.

Während des Abtransports protestierten etwa 100 Bauern mit 20 Fahrzeugen gegen die Tötung ganzer Herden bei einem BSE-Fall. Die Kundgebung verlief friedlich. Der Konvoi wurde nicht blockiert.

Noch am Morgen sollten die Tiere nach Angaben des Amtstierarztes Ulrich Rupp getötet werden. Die Hirnproben würden anschließend in der Landesuntersuchungsanstalt in Schleißheim bei München analysiert. Der betroffene Landwirt im Sigmarszeller Ortsteil Niederstaufen hatte sich am vergangenen Freitag für die Tötung seiner gesamten Herde entschieden. Vor rund einer Woche hatte sich der Verdacht bestätigt, dass eine seiner Kühe an BSE erkrankt war.

Di, den 16.01.2001 00:05, - Reuters (Brüssel) -
Zwei weitere BSE-Fälle in Belgien entdeckt
In Belgien sind nach offiziellen Angaben zwei neue Fälle der Rinderseuche BSE entdeckt worden. Die belgische Bundesbehörde für Lebensmittelsicherheit teilte am Montag mit, in zwei Wochen seien insgesamt 7548 Tests an Rindern älter als 30 Monate vorgenommen worden. Ein erster Untersuchungsgang habe 24 BSE-verdächtige Proben ergeben. Bei zwei dieser Proben sei bei einem zweiten Test der BSE-Verdacht bestätigt. Ein Tier stamme aus Zottegem in Nordbelgien, das andere aus dem Süden des Landes. Bislang waren 19 Fälle von BSE in Belgien bekannt geworden. Fleisch von Tieren mit BSE steht im Verdacht, beim Menschen die tödliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen zu können.
Mo, den 15.01.2001 21:00, - Reuters (Paris) -
Frankreich: Fortschritt bei der Erforschung des BSE-Erregers
Französische Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben Fortschritte bei der Erforschung von Prionen erzielt, die als Auslöser der Rinderseuche BSE gelten. Forscher des Nationalen Zentrums für Wissenschaftliche Forschung (CNRS) und ein Mitarbeiter der Forschungseinrichtung ESRF teilten am Montag in Paris mit, ihnen sei die Darstellung der dreidimensionalen Struktur eines Hefe-Prions gelungen. Die Forscher betonten, sie hätten zwar nicht als erste die räumliche Struktur eines Prions dargestellt. Das von ihnen verwendete Hefe-Prion könne jedoch als Modell bei der Untersuchung der krankhaften Verwandlung von Prionen beim Säugetier dienen.

Prionen sind Eiweiße, die unter anderem beim Rind BSE, beim Schaf Scrapie und beim Menschen die tödliche Creutzfeldt-Jakob- Krankheit (CJD) auslösen sollen. Sie befinden sich beim Menschen und anderen Säugetieren üblicherweise im Gehirn und anderem Gewebe. Verändert ein Prion aus bisher noch ungeklärter Ursache seine Form, kann es im Gehirn einen Zersetzungsprozess auslösen. Der Verzehr von BSE-verseuchtem Rindfleisch wird beim Menschen für die Infektion mit einer neuen, ebenfalls tödlich verlaufenden Variante von CJD verantwortlich gemacht. In Großbritannien sind bisher rund 80 Menschen an dieser Variante gestorben.

Mo, den 15.01.2001 19:45, - Reuters (Wien) -
Österreich zweifelt BSE-Testergebnis an
Nach dem Bekanntwerden eines ersten BSE-Verdachtfalls bei einem Rind aus Tirol haben die österreichischen Behörden am Montag das zu Grunde liegende Testergebnis aus Deutschland in Frage gestellt. Dieser Testtyp habe bereits mehrmals falsche Ergebnisse erbracht, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Wien. Ein zweiter Test solle bis Mitte der Woche Klarheit bringen. Großbritannien kündigte eine gründlichere Erforschung der möglichen Übertragung des BSE-Erregers auf den Menschen durch Milch an. In Spanien demonstrierten Tausende Viehzüchter für eine Entschädigung ihrer Verluste durch die BSE-Krise.

Die Tiroler Landesregierung teilte mit, sie habe "erhebliche Zweifel" an dem Ergebnis des BSE-Tests. Er habe weder ein eindeutig positives noch ein eindeutig negatives Ergebnis erbracht, sagte ein Sprecher. Der zweite BSE- Test soll nun an der Universität Tübingen vorgenommen werden. Der Sprecher sagte, das BSE-verdächtige Rind sei in Tirol geboren und aufgewachsen. Es sei vor einigen Wochen nach Deutschland verkauft und dort geschlachtet worden. Der BSE-Verdacht war am Wochenende durch das Ergebnis eines Schnelltests in Baden-Württemberg aufgekommen. Ein Sprecher für den Schnelltest-Hersteller Bio-Rad sagte, der Test an dem Tiroler Rind sei nicht eindeutig negativ gewesen und werde deshalb in Tübingen überprüft.

In Österreich wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit Anfang des Jahres rund 4500 Proben von Schlachtrindern mit Schnelltests auf BSE untersucht. Dabei habe sich kein Verdacht auf die Rinderseuche ergeben. BSE steht in Verdacht, beim Menschen eine tödlich verlaufende neue Variante der unheilbaren Creutzfeldt-Jakob- Krankheit auszulösen.

Mo, den 15.01.2001 19:25, - AP (München) -
Neuer BSE-Fall in Bayern (14. Nachweis)
Am Montag wurde in Bayern die siebte BSE-Erkrankung nachgewiesen; erstmals ist ein Rind unter 30 Monaten betroffen. Bundesweit ist es der 14. bestätigte BSE-Fall.

Es handelt sich um eine 28 Monate alte Fleckvieh-Kuh aus einem Familienbetrieb mit 79 Tieren in Zolling (Landkreis Freising), die am 28. Dezember in der Rinderklinik der Universität München in Oberschleißheim mit der Diagnose Dünndarmstrangulation eingeschläfert worden. Ein BSE-Verdacht hat sich bei einem Rind aus Niedersachsen ergeben. Rund 5.000 Bauern nahmen in Oldenburg an einer Protestkundgebung teil.

Mo, den 15.01.2001 19:05, - AP (Berlin) -
Bundesanstalt rechnet mit bis zu 500 BSE-Fällen bis Jahresende
Künast schließt Gefährdung durch Milch nicht aus

Bis Jahresende rechnen Behörden in Deutschland mit 200 bis 500 BSE-Fällen bei Rindern. Der BSE-Experte der Bundesanstalt für Fleischforschung, Manfred Gareis, sagte der «Berliner Zeitung», dies sei die derzeit wahrscheinlichste Prognose. Agrarministerin Renate Künast schloss unterdessen eine BSE-Gefahr durch Milch nicht aus. Bayern bildete als Konsequenz aus der BSE-Krise als erstes Bundesland ein Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz.

Nach Gareis' Worten beruht seine Prognose auf einem Vergleich der Zahl der bisher durchgeführten BSE-Tests mit der Zahl der diagnostizierten Krankheitsfälle und Erfahrungswerte aus anderen EU-Ländern heranziehe. Er gehe davon aus, dass BSE in Deutschland nicht das Ausmaß des Rinderwahns in Großbritannien erreiche, sagte Gareis. Dort wurden laut «Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe) insgesamt 170.000 BSE-Fälle registriert. «In Deutschland ist wesentlich weniger infektiöses Material im Umlauf gewesen als in Großbritannien», sagte der Wissenschaftler. Gareis gilt als profunder BSE-Experte. Er hatte frühzeitig vor BSE-Infektions-Quellen in der Wurstherstellung gewarnt.

Die neue Ministerin Künast hält eine Übertragung von BSE auf den Menschen durch Milch für möglich. Die Grünen-Politikerin sagte, bisher gebe es zwar keine wissenschaftlichen Belege für ein Infektionsrisiko, aber niemand könne dies zurzeit ausschließen. Die Bundesanstalt für Milchforschung in Kiel gehe dieser Frage nach.

Noch keine Position bezog Künast zum Streit über den staatlichen Aufkauf von 400.000 deutschen Rindern, die zur Stützung des Marktes getötet werden sollen. Sie favorisiere zwar den Herauskauf von Tieren, die mehr als 30 Monate alt seien, prüfe aber auch andere Alternativen.

Die Tötung der gesamten Herde bei einem von BSE betroffenen Hof bezeichnete Künast als notwendig. Sie sei dagegen, die Entscheidung nach dem bayerischen Modell auf die Bauern abzuwälzen.

Mo, den 15.01.2001 17:20, - AP (Rom) -
Erster BSE-Verdachtsfall in Italien betrifft McDonalds
Der erste BSE-Verdachtsfall in Italien setzt die Restaurantkette McDonalds unter Druck. Das möglicherweise infizierte Rind wurde im Schlachthof von Lodi in der Lombardei getötet. Das Schlachthaus gehört zur Cremonini-Gruppe, dem ausschließlichen Fleischlieferanten für McDonalds in Italien, wie ein Sprecher von Cremonini am Montag bestätigte. Ob das Fleisch aus Lodi auch in Filialen des amerikanischen Unternehmens in anderen europäischen Ländern gelangt ist, war zunächst unklar. McDonalds wollte am Montag keinen Kommentar zu dem Vorfall abgeben.

«Wir haben damit gerechnet. Italien konnte keine Ausnahme sein», sagte die Wissenschaftlerin Maria Caramelli dem Fernsehsender Canale 5 am Montag. Der erste Verdachtsfall von Rinderwahn in Italien war am Samstag bekannt geworden, mit einem endgültigen Testergebnis wird bis Dienstagabend gerechnet. Die betroffene Milchkuh, ein sechs Jahre altes Tier, stammt von einem Zuchtgut bei Brescia. Die übrigen 190 Rinder dort wurden unter Quarantäne gestellt. Bereits 1994 hatte es in Italien zwei BSE-Fälle gegeben, diese waren allerdings bei aus Großbritannien importierten Tieren aufgetreten.

Mo, den 15.01.2001 16:45, - Yahoo -
Mediziner warnen Bodybuilder vor BSE
Um Muskeln aufzubauen, haben Bodybuilder jahrelang Eiweißprodukte geschluckt. Nun warnen Mediziner: Hauptbestandteil des Kraftpulvers seien Schlachtabfälle potentieller BSE-Erreger. Nach Schätzungen von Experten nehme in Deutschland und Üsterreich jeder zehnte Bodybuilder Präparate ein, die beim Muskelaufbau helfen. Diese Präparate werden oft sehr billig produziert. Was genau drin ist, weiß keiner, aber es könnte durchaus sein, dass auch Rinderhirn für die Eiweißprodukte verarbeitet wird. Deswegen wird geraten, Muskelaufbauprodukte aus Soja oder Milcheiweiß zu verwenden oder Präparate einzunehmen, deren Inhalt eindeutig geklärt ist.
Mo, den 15.01.2001 15:30, - Reuters (Bonn/Berlin) -
Bund sagt Wissenschaft 15 Millionen Mark für BSE-Forschung zu
Der Bund will in den nächsten zwei Jahren weitere fünfzehn Millionen Mark für Forschungsprojekte ausgeben, die sich mit der Rinderseuche BSE sowie der beim Menschen auftretenden Creutzfeldt-Jakob-Krankheit befassen. In den vergangenen sechs Jahren seien bereits fünfzehn Millionen Mark Bundesmittel in derartige Forschungsvorhaben geflossen, sagte der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Uwe Thomas, bei der Sitzung des BSE-Arbeitskreises am Montag in Bonn. Der Schwerpunkt der Projekte liege in der Entwicklung von Schnelltestverfahren zur Feststellung von BSE bei geschlachteten, aber auch bei lebenden Rindern. Neue Erkenntnisse verspreche er sich von Gesprächen des BSE-Arbeitskreises aus Vertretern von Bund und Ländern mit der Industrie am 12. Februar.

In der Therapieforschung für die vermutlich durch BSE verursachte neue Variante der Creutzfeld-Jakob-Krankheit müsse sich die deutsche Wissenschaft auf Fälle im europäischen Ausland stützen, da in Deutschland noch kein Fall dieser Variante beim Menschen aufgetreten sei, sagte Thomas weiter. Auf die Frage, ob er das Abschlachten ganzer Rinderherden mit nur einem BSE-Fall befürworte, sagte Thomas, die Wissenschaft benötige Rinder aus solchen Herden dringend zu Forschungszwecken.

Mo, den 15.01.2001 14:45, - Reuters (München) -
Bayern richtet neues Ministerium für Verbraucherschutz ein
Bayern will nach Kritik wegen der BSE-Krise ein neues Ministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz einrichten. Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) teilte am Montag in München nach einer Kabinettssitzung mit, er wolle dies dem Landtag vorschlagen. Diese Entscheidung bedeute nicht, dass der in die Kritik geratenen Gesundheitsministerin Barbara Stamm (CSU) und dem Landwirtschaftsminister Josef Miller (CSU) das Vertrauen entzogen werde. Die Gesundheitspolitik falle aber aus Stamms Ministerium heraus, die Ernährungspolitik aus Millers Ressort. Ressortchef des neuen Ministeriums solle der Präsident der Technischen Universität München, Wolfgang Herrmann, werden.

Gegen Stamm und Miller waren wegen der BSE-Krise Rücktrittsforderungen laut geworden. Sieben der bislang 14 bestätigten BSE-Fälle kommen aus Bayern.

Mo, den 15.01.2001 11:05, - Reuters (München) -
Siebter BSE-Fall in Bayern bestätigt
In Bayern ist ein siebter Fall der Rinderseuche BSE nachgewiesen worden. Der Anfangsverdacht bei einem 28 Monate alten Rind aus dem Landkreis Freising habe sich bestätigt, teilte das Gesundheitsministerium des Freistaats am Montag in München mit. Das Tier sei Ende Dezember wegen einer Bauchfellentzündung eingeschläfert worden. Untersuchungen der Tübinger Bundesforschungsanstalt für die Viruskrankheiten der Tiere hätten ergeben, dass sich das Tier in der Inkubationsphase befunden habe und BSE- Symptome in einigen Monaten aufgetreten wären. Es ist der 14. nachgewiesene BSE-Fall in Deutschland.
Mo, den 15.01.2001 11:05, - AP (Bremen) -
Neuer BSE-Verdachtsfall in Niedersachsen
Bei einem weiteren Rind aus Niedersachsen hat sich ein BSE-Verdacht ergeben. Wie die Pressestelle des Bremer Senats am Montag mitteilte, wurde das Tier von einem Hof in Loxstedt im Schlachthof von Bremerhaven geschlachtet. Die Bremer Gesundheitssenatorin Hilde Adolf will um 12.00 Uhr Einzelheiten über den Fall mitteilen.
In Niedersachsen sind bisher zwei BSE-Fälle nachgewiesen worden: Ende Dezember bei einer 1996 geborenen Kuh aus dem Landkreis Osnabrück und am vorigen Dienstag bei einer 1995 geborenen Kuh aus einem Betrieb im Landkreis Celle.

Mo, den 15.01.2001 10:15, - AP (Frankfurt/Main) -
Notschlachtungen werden überprüft -
Schröder lässt Schweizer Modell untersuchen

Bundeskanzler Gerhard Schröder lässt die umstrittene Praxis der Notschlachtung einer ganzen Rinderherde mit einem BSE-Fall derzeit überprüfen. Es werde momentan untersucht, ob das so genannte Schweizer Modell, wonach nur Rinder aus dem gleichen Jahrgang wie das BSE-Tier getötet werden, verantwortbar sei, sagte der SPD-Vorsitzende am Sonntagabend in der ARD. Solange dies nicht sicher geklärt sei, müsse weiterhin die ganze Herde geschlachtet werden.
Mo, den 15.01.2001 09:30, - dpa (Berlin) -
Diskussion um Auswege aus BSE-Krise geht weiter
Die Diskussion um die Ursachen und Folgen der BSE-Krise geht weiter. Experten beraten heute in Bonn über den Stand der Forschung bei der Rinderseuche. Die Grünen gehen derweil auf Distanz zu den Plänen des Bundes, 400 000 Rinder zu töten und zu verbrennen. Man stehe dem skeptisch gegenüber, sagte Grünen-Chef Fritz Kuhn der «Berliner Zeitung». CSU-Landesgruppenchef Michael Glos schlug im Deutschlandfunk vor, diese Rinder auf BSE zu testen und anschließend das gesunde Fleisch Staaten außerhalb der EU zu geben.
Mo, den 15.01.2001 08:20, - Yahoo -
Schlachtung von Rinderherden noch unklar
Die Bundesregierung prüft, ob die gesamte Rinderherde nach einem BSE-Fall getötet werden muss. Laut Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird untersucht, ob das von Bayern propagierte Schweizer Modell der so genannten "Kohortentötung" - die Keulung nur eines Geburtsjahrganges - machbar ist. Unterdessen gehen die Grünen auf Distanz zu Plänen des Bundes, 400.000 Rinder zu keulen. Das Geld sollte nicht dazu eingesetzt werden, um bestehende Marktstrukturen zu zementieren, sagte Parteichef-Chef Fritz Kuhn.

Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte am Sonntagabend in der ARD, es sei noch nicht geklärt, ob Deutschland den Schweizer Weg gehen werde. Solange aber die Übertragungswege für BSE nicht geklärt seien, bleibe es bei der Tötung des gesamten Bestandes, sagte Schröder.

Experten des Gesundheits- und Forschungsministeriums heute in Bonn über den Stand der Forschung bei der Rinderseuche. Über die Übertragungswege für BSE gibt es bislang noch keine gesicherten wissenschaftliche Erkenntnisse. Als BSE-Infektionsquellen werden mit verbotenem Tiermehl verunreinigte Futtermittel oder so genannte Milchaustausche - ein mit tierischen Fetten angereicherter Milchersatz für Kälber - vermutet.

So, den 14.01.2001 23:25, - dpa (Bremen) -
Erster BSE-Verdachtsfall in Bremen aufgetaucht
In Bremen ist der erste BSE-Verdachtsfall aufgetaucht. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, stammt das Rind aus Niedersachsen. Das Tier wurde den Angaben zufolge am Freitag in Bremerhaven geschlachtet. Die Probe sei nun an das zuständige Institut in Tübingen geschickt worden. Unterdessen werden morgen Experten des Gesundheits- und Forschungsministeriums in Bonn über den Forschungsstand bei BSE beraten. Über die Übertragungswege für die Rinderseuche gibt es bislang noch keine gesicherten wissenschaftliche Erkenntnisse.
So, den 14.01.2001 21:05, - dpa (Berlin) -
BSE-Krise weitet sich aus!
Die BSE-Krise in Deutschland und Europa weitet sich aus. Nachdem gestern in Schleswig-Holstein erstmals ein zweiter BSE-Fall in einem Rinderbestand nachgewiesen wurden, gab es heute zum ersten Mal in Österreich und Italien je einen BSE-Verdachtsfall. Der Widerstand von Bauern und Politikern in Deutschland gegen die geplanten Massentötungen von Rindern zur Bekämpfung des Rinderwahnsinns wird indessen heftiger. Die Union warf Bundeskanzler Gerhard Schröder vor, eine Kampagne gegen die Bauern zu starten.
So, den 14.01.2001 21:00, - WOCHENWECHSEL! -
BSE-Nachrichten der Vorwoche KW02 (08.01. - 14.01.2001)

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